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PK Festival 4020 und Kubins andere Seiten

20
Apr

Das biennale Festival 4020 stellt Alfred Kubins einzigen, phantastischen Roman „Die andere Seite“ ins Zentrum der künstlerischen Auseinandersetzung und verlässt damit in seiner aktuellen Ausgabe die bisherigen Länderschwerpunkte. Perle heißt die Stadt im Reich der Phantasie in Alfred Kubins Roman, den der bedeutende Illustrator während einer Schaffenskrise im Jahr 1908 geschrieben hat. Entstanden ist ein Werk über ein düsteres Traumreich, in dem man auf keine Regelmäßigkeiten vertrauen kann. Die MusikerInnen des Festival 4020 haben sich auf Einladung der Künstlerischen Leitung Peter Leisch und Marie-Therese Rudolph mit dieser Utopie beschäftigt, sich in die Stimmung des Romans versetzt, in dem Kubins monsterhafte Fratzen und Gnome hinter jeder Mauer lauern könnten. Wie klingt Musik aus dieser Stadt? Wie könnte man sie klanglich heraufbeschwören? Auch philosophisch und kulturwissenschaftlich betrachtet hat die Auseinandersetzung mit „der anderen Seite“ nichts an Aktualität eingebüßt. Aus diesem Anlass wird es erstmals einen CityScienceTalk (27.04.) im Musiktheater Linz zum Thema geben mit dem Philosophen Thomas Macho, den Direktor der Albertina Wien, Klaus Albrecht Schröder und der Kulturwissenschaftlerin Gabriele Sorgo. Der Veranstaltungsort ist nicht zufällig gewählt, denn das Musiktheater ist beim Thema Kubins „Die andere Seite“ ein wichtiger Kooperationspartner. Ab 20. Mai wird dort die gleichnamige Oper von Michael Obst auf ein Libretto von Hermann Schneider (Intendant des Musiktheaters) gespielt.


Festival 4020 - Traumstadt

Das Linzer Kubin-Paket wird komplettiert durch zwei Ausstellungen in der Landesgalerie Linz und einer Mikro-Ausstellung im StifterHaus (ab 27. April). Zwei Diskussionsveranstaltungen zur künstlerischen Auseinandersetzung mit Kubins Roman, einmal aus der Sicht der KomponistInnen (30. April) und ein weiteres Mal aus Sicht der LibrettistInnen (1. Mai) werden gemeinsam mit dem Kepler-Salon veranstaltet. Live wird am 5. Mai aus dem ORF-Landesstudio Oberösterreich die dreistündige Spielräume-Nachtausgabe mit MusikerInnen des Festivals und der Gastgeberin Nadja Kayali gesendet.

Dem konzeptuellen Ansatz des Festivals entsprechend, wurden auch dieses Mal Kompositionsaufträge vergeben: An den aus dem Iran stammenden Komponisten Hooshyar Khayam, der aus der Vorstellung einer fiktiven Stadt an der Seidenstraße ein Streichquartett schrieb und an Judith Unterpertinger. Sie reiste in den Iran um zu recherchieren, die Musik vor Ort kennenzulernen, Field Recordings aufzunehmen und stellt nun drei persische drei europäischen Instrumenten gegenüber. Auch hier dreht sich alles um eine Stadtutopie, wo sind die Grenzen zwischen Individuum und Herrschaft? Was bleibt privat und was ist öffentlich? Magdalena Knapp-Menzel hat dafür einen Text verfasst, der vom Countertenor Bernhard Landauer interpretiert wird. Neue Musik, die sich mit Kubin auseinandersetzt oder der Atmosphäre einer Traumstadt nachempfunden ist, zieht sich wie eine Perlenschnur durchs Programm: Giampaolo Corals „Demoni e fantasmi notturni della città di Perla“, Hans Erich Apostels „Kubiniana“, György Ligetis Trio für Violine, Horn und Klavier. Als InterpretInnen haben sich erfahrene MusikerInnen wie Burghard Toelke (Violine), Suyang Kim (Klavier) und Theresa Dinkhauser (Klarinetten) mit ganz jungen Nachwuchs-Talenten aus Oberösterreich zusammengefunden. Der Linzer Hard-Chor wird das selten aufgeführte mantrisch anmutende „Asralda“ von Hermann Markus Pressl singen, Martin Mallaun bringt Werke für Zither und Elektronik ein.
Die musikalische Eröffnung übernimmt die estnische Geigerin und Sängerin Maarja Nuut: dunkle Lagen der Violine, ihr kühl temperierter Gesang und behutsam eingesetzte Klangschleifen dienen als Gerüst für ihre eigenen suggestiven Räume. Saiteninstrumente sind ein, dem Festival eingeschriebenes Motto, das auch in dem eigens für diesen Anlass erstellte Programm von Marco Ambrosini (Schlüsselfidel/Nyckelharpa), Anna-Liisa Eller (Kannel), Franziska Fleischanderl (Salterio) und Eva-Maria Rusche (Tafelclavier) seinen Niederschlag in Kompositionen von Girolamo Frescobaldi und dem Ensemble findet.
Das Trio Weinmeister als Stammgast des Festivals verbindet alte und neue Musik von Henry Purcell und Giacinto Scelsi zu einer klanglichen Stadtarchitekur. Musik von der Seidenstraße, dort, wo die fiktive Traumstadt Perle angesiedelt ist, ist mit Seyed Arash Shahriary (Tanbur, Tar, Gesang), der aus dem spirituellen Fundus der religiösen Gemeinschaft der Ahl-e Haqq, die die Mystik der Sufis mit christlich-jüdischen Elementen und dem spätantiken Mithraismus verbindet, schöpft. Zum Abschluss hundert Saiten des Santūr, des persischen Hackbretts, die sechs Doppelsaiten der aserischen Langhalslaute Tar und die drei Saiten der pontischen Lira mit Ali Bahrami Fard, Hadi Azarpira und Derya Turkan.
Begeben Sie sich mit dem Festival 4020 auf die Reise in Kubins Traumland!

„Das Festival 4020 lädt ein zu einer musikalischen Reise in Kubins Traumstadt. Es spannt in seiner Programmierung einen Bogen zwischen österreichischen und internationalen MusikerInnen und bemüht sich um einen künstlerischen Austausch zwischen zeitgenössischer und außereuropäischer Musik. Durch die Zusammenarbeit zwischen LIVA, Musiktheater, Landesgalerie und StifterHaus eröffnet sich ein spannender Blick auf die anderen Seiten von Alfred Kubin“, freut sich Stadträtin Doris Lang-Mayerhofer.

Festival 4020: Traumstadt
Brucknerhaus Linz
3. bis 6. Mai 2017
Eintritt frei
www.festival4020.at


Kubins andere Seiten

Kubins andere Seiten – eine Kooperation von Festival 4020, Musiktheater, Landesgalerie Linz und Stifterhaus Linz

Eine ganze Reihe von Veranstaltungen beschäftigt sich im Frühjahr 2017 mit dem Werk des großartigen Zeichners Alfred Kubin. Das Festival 4020 unter dem Titel „Traumstadt“, das Musiktheater mit der Oper „Die andere Seite“ und das StifterHaus mit einem Projekt zu Briefen Kubins. Mit einem faszinierenden Einblick in das facettenreiche Werk des Zeichners und Illustrators Alfred Kubin feiert die Landesgalerie Linz die umfassende Renovierung des Kubin-Kabinetts. Gleichzeitig wirft die Ausstellung „EINE andere Seite“ einen ungewöhnlichen Blick auf humorvolle, ironische und groteske Aspekte im Werk des Künstlers.

Aus diesem Anlass wurde ein Folder produziert, in dem alle Veranstaltungen vorgestellt und aufgelistet werden.

Landesgalerie Linz / OÖ Landesmuseen

Wiedereröffnung Kubin-Kabinett „Alfred Kubin – Meilensteine seines Schaffens“
EINE andere Seite“ – Humor und Ironie im Werk von Alfred Kubin
27. April – 27. August 2017


Eröffnung: Mittwoch, 26. April 2017, 19 Uhr

Mit einem Einblick in das facettenreiche Werk eines der wichtigsten Künstler Oberösterreichs
feiert die Landesgalerie Linz die umfassende Renovierung des Kubin-Kabinetts. In der neu gestalteten Dauerausstellung über Alfred Kubin (1877-1959), der einen Großteil seines Lebens in Wernstein am Inn in Oberösterreich verbrachte, werden Meilensteine seiner Werkentwicklung gezeigt. Der Bogen spannt sich von seinem magisch-fantastischen Frühwerk, mit dem er zu Weltruhm gelangte, über Beispiele narrativer und literarischer Illustrationen bis hin zum expressionistischen Spätwerk. Ausgewählte Zeichnungen lassen die Besucher/innen in die fantastische und oft auch groteske Bildwelt Alfred Kubins eintauchen. Das Oberösterreichische Landesmuseum ist im Besitz von über 4.000 Blättern dieses bedeutenden Künstlers und so reiht sich in dieser Ausstellung ein „Highlight“ an das andere.


EINE andere Seite“ – Humor und Ironie im Werk von Alfred Kubin

„Mein Wunsch, einem Mondkalb zu begegnen, blieb bisher unerfüllt.“

Alfred Kubins Zeichenkunst ist komplex und voller Gegensätze. Er entführt in eine fremde Welt voll unheimlicher Situationen und Begegnungen, doch auch Komik und Humor spielen eine wesentliche Rolle.
Schon in den frühen Arbeiten zeigt das Groteske bei Kubin seine Janusköpfigkeit. Blickt das eine Antlitz in das Monströse, Grauenhafte, Bedrohliche, so ist das andere dem phantastischen Humor zugekehrt. Er selbst äußert sich erstaunt darüber, dass sein "Schaffenstrieb, welcher die ungeheuerliche Bilderflut losgelassen hat", sich "sowohl humoristisch wie grausam äußern kann".
Für Kubin ist Humor etwas "Metaphysisches", ein "Überwindungsmittel" über die Misere des Daseins. Humor durchdringt die Daseinsbewältigung als notwendiges Gegengewicht zur abgründigen, visionären Nachtseite.
Oft ergibt sich das Komische aus dem Zusammenspiel zwischen Bild und Titel. So konterkarikiert er im Blatt Schnelle Fahrt die sprichwörtliche Langsamkeit der Schnecke und verweist gleichzeitig auf die Vergänglichkeit des menschlichen Lebens. Das mehrdeutige Spiel von Symbolen und Bedeutungsebenen findet sich in allen Werkphasen, etwa im frühen Blatt Das Kapital oder in späteren Arbeiten wie Später Besuch und Alte Bäuerin.
Die Blätter Tarock und Hausmusik zeigen, dass Kubin ein genauer Beobachter seiner Umgebung ist. Nicht das Geschehen an sich ist komisch, sondern die aus zahlreichen Einzelbeobachtungen entstandenen typischen Gestalten.
Das Komische lässt Kubin auch aus dem Formalen entstehen. Von Paul Klee übernimmt er die gummiartig gebogenen, überlängten, Figuren, die er mit dynamischer Linie auf das Blatt setzt. Lebhafter Disput könnte als humorvolle Visualisierung der persönlichen künstlerischen Auseinandersetzung Kubins mit Klee angesehen werden.
Übertrieben und mit raschem Strich setzt Kubin die Schwächen und Eitelkeiten der Menschen ins Bild. Kaum ein anderes Medium als die Tuschfeder ermöglicht ein solch spontanes Umsetzen. Bis ins hohe Alter erhält Kubin sich seine Selbstironie, wie uns der Glückwunsch der beschwingten Zeichenfeder vor Augen hält.


Tipp: Mit dem Ticket der Kubin-Ausstellungen in der Landesgalerie erhalten Sie eine Ermäßigung von € 6,50 auf die Oper „Die andere Seite“ im Musiktheater Linz (ausgenommen ist die Premiere); mit einer Eintrittskarte der Kubin-Oper erhalten Sie in der Landesgalerie Linz einen ermäßigten Eintritt von € 4,50 (statt € 6,50).

StifterHaus Linz

„… wie eine seelige Insel im dröhnenden Ozean europäischer Barbarei“
Alfred Kubin an Herbert Lange und Suzan Wittek - Briefe 1940-54 / Digitale Mikro-Ausstellung im OÖ. Literaturmuseum

Ausstellungsdauer: 27. April 2017 bis 27. August 2017
Öffnungszeiten: täglich, außer Montag, 10:00 bis 15:00 Uhr


Ausstellungseröffnung
Mittwoch, 26. April 2017, 18.00 Uhr
Linz, StifterHaus, Adalbert-Stifter-Platz 1

Begrüßung: PETRA-MARIA DALLINGER
Einführende Worte: CLAUDIA LEHNER

Im Anschluss laden wir zu einem Glas Sekt.


Die im OÖ. Literaturarchiv im StifterHaus, Nachlass Herbert Lange, befindlichen Briefe und Postkarten Alfred Kubins an den Journalisten und Autor Herbert Lange sowie an die Schriftstellerin und Japanologin Suzan Wittek umfassen unter anderem die wechselvollen Jahre des Zweiten Weltkrieges und der unmittelbaren Nachkriegszeit.

Mit der „verehrten“ nach mehrjährigem Japanaufenthalt wieder in Österreich lebenden Wittek pflegt Kubin einen angeregten Austausch, dem jungen Dichter Lange fühlt er sich bald freundschaftlich verbunden. Unter anderem entsteht der Plan zu einem gemeinsamen Buchband – „Das poetische Zeitalter“ mit Illustrationen Kubins, der kriegsbedingt jedoch erst 1948 erscheint.

Verhandelt werden in den Briefen neben Bemerkungen zur politischen Situation erschwerte Arbeits- und Publikationsmöglichkeiten bei steigender Nachfrage nach Zeichnungen sowie die schwindende Schaffenskraft des Künstlers, die er in alljährlichen Aufenthalten im Böhmerwald zu erneuern sucht.

Transkription und Textauswahl: Claudia Lehner
Ausstellungsgestaltung: Gerhard Spring

Musiktheater Linz

DIE ANDERE SEITE
MUSIKTHEATER NACH ALFRED KUBINS FANTASTISCHEN ROMAN VON
MICHAEL OBST

Text von Hermann Schneider
In deutscher Sprache mit Übertiteln

Österreichische Erstaufführung: Samstag, 20. Mai 2017, 19.30 Uhr
Großer Saal, Musiktheater Volksgarten

Weitere Vorstellungen: 24., 27. Mai, 6., 13., 19., 24., 29. Juni

Musikalische Leitung Dennis Russell Davies
Inszenierung John Dew
Bühne und Kostüme Dirk Hofacker
Chorleitung Georg Leopold
Dramaturgie Christoph Blitt

Zeichner Martin Achrainer, Seine Frau Gotho Griesmeier,
Patera, auch Giovanni Battista, ein Affe / Passant Denis Lakey, Verkäufer / Wirt Nikolai Galkin,
Ein kleiner Herr / Amtsperson Csaba Grünfelder, Friseur / Arzt Michael Wagner,
Gast / Zoologe Matthäus Schmidlechner, Melitta Martha Hirschmann,  
Herkules Bell, Amerikaner John F. Kutil, Zwei Schachspieler Jochen Bohnen, Csaba Grünfelder

Chor des Landestheaters Linz
Statisterie des Landestheaters Linz
Bruckner Orchester Linz


1908 verfasste der Grafiker und Zeichner Alfred Kubin mit Die andere Seite einen fantastischen Roman, der etwa auch Franz Kafka stark beeindruckte. Erzählt wird hier das Abenteuer einer Reise in eine merkwürdige Stadt auf der anderen Seite der Welt. Was wie ein hoffnungsvoller Traum beginnt, weitet sich immer mehr zu einem soghaft-apokalyptischen Szenario. Michael Obst komponierte 2010 hierzu eine Musik, in der zarte A-Capella-Chorpassagen mit klanggewaltigen Massenszenen kontrastieren und Wild-Scharfes auf eindringliche Passagen von morbider und fragiler Schönheit trifft. Nicht zuletzt dank dieser starken musikalischen Faktur wurde das Werk von der Zeitschrift Opernwelt als „Uraufführung der Saison 2010/2011“ nominiert. Im Linzer Musiktheater kann man nun ab dem 20. Mai 2017 die Österreichische Erstaufführung dieser Kubin-Oper erleben.


Michael Obst

Der zu den führenden zeitgenössischen Komponisten zählende Michael Obst studierte zunächst Schulmusik und Klavier. Von 1981 bis 1986 war er als Gründungsmitglied Pianist des Ensemble Modern. Daneben war er auch einer der führenden Interpreten der Musik von Karlheinz Stockhausen. Zeitgleich studierte er Komposition bei Hans Ulrich Humpert im Kölner Studio für elektronische Musik. Seit 1997 ist er Professor für Komposition an der Hochschule für Musik Franz Liszt in Weimar. Von 2010 bis 2013 hatte er die gleiche Funktion an der Universität für Musik und darstellende Kunst in Wien inne.

Ö1 CITYSCIENCETALK
27. April 2017 | Orchestersaal | Musiktheater, 19.00 Uhr
Um Anmeldung wird gebeten unter: (01) 501 70 371 oder oe1.service@orf.at
Begrenzte Platzkapazität!

Beim CityScience Talk im Linzer Musiktheater diskutieren Thomas Macho (Philosoph, Berlin, Linz, Wien), Klaus Albrecht Schröder (Direktor der Albertina Wien) und Gabriele Sorgo (Kulturwissenschafterin, Salzburg) mit Ö1 Wissenschaftsredakteurin Elisabeth J. Nöstlinger über das Thema: »Die andere Seite« nach einem Roman von Alfred Kubin. Philosophisch und kulturwissenschaftlich betrachtet, hat die Auseinandersetzung mit der »anderen Seite« nichts an Aktualität eingebüßt.


Nachzuhören ist die Zusammenfassung des Gesprächs
am Mittwoch, 4. Mai 2017, ab 21.01 Uhr auf Ö1

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