Brucknerhaus Linz Titeltext-Grafik

Mai 2008

Brucknerfest 2008 - klassisch anders


15. Mai 2008, 11 Uhr, Brucknerhaus, Restaurant Anklang

Brucknerfest 2008 - klassisch anders         
14. September bis 04. Oktober 2008

Bildmaterial ( Bilder teilweise honorarpflichtig! )


Gesprächspartner:

Wolfgang Winkler – Künstlerischer Leiter der LIVA
Ing. Mag. Wolfgang Lehner – Kaufmännischer Leiter der LIVA
Matthias Giesen – Kurator der Orgelkonzerte
Günther Gradischnig – Karussell /Brucknerfest geht aufs Land hinaus
Thomas Mandel – Bruckner V. improviesed / Jazz
Werner Ponesch – Posthof Linz
Mag. Manuela Reichert - Geschäftsführerin der VEST GmbH

2008, ein Jahr vor der europäischen Kulturhauptstadt Linz09, bleibt das Brucknerfest seiner Linie treu und präsentiert sich "Klassisch anders". Vom 14. September bis zum 04. Oktober 2008 bieten renommierte, nationale und internationale Künstler ein vielseitiges Repertoire das von Klassik, Jazz, Oper, Tanz und Zeitgenössischer Musik bis zu Orgelmusik reicht. 

Mit dabei sind international erfolgreiche Künstler wie die Violinistin Midori die Sopranistin Anna-Katharina Behnke und der Klaviervirtuose Joaquín Achúcarro. Das Rotterdams Philharmonisch Orkest wird ebenso zu sehen und zu hören sein, wie der heimische Jazzer Thomas Mandel und der Soundfreistilist Christian Muthspiel. Es dirigieren: Valery Gergiev, Dennis Russell Davies und Yaron Traub u.a.. Als diesjährige Wagneroper wird Tristan und Isolde konzertant aufgeführt. 


Die Termine:

14.09. Bruckner Orchester, Davies, Midori, Großer Saal
16.09. Orquesta de Valencia, Traub, Achúcarro, Großer Saal
17.09. Orgelkonzert, Binder, Hl. Familie Linz (Bürgerstraße)
18.09. Aron Quartett, Pammer, Mittlerer Saal
19.09. Tempory Art Orchestra, Mandel, Mittlerer Saal
20.09. Das Brucknerfest geht aufs Land Schloss Steyregg, Treffpunkt Brucknerhaus     
20.09. Random Dance Company, Posthof
22.09. Orgelkonzert, Lecaudey, Stadtpfarrkirche Linz
23.09. SWR Sinfonieorchester, Cambreling, Großer Saal
24.09. Christian Muthspiel, ORF Landesstudio
24.09. Klazz Meets Voice, Posthof
25.09. Aron Quartett, Pammer, Mittlerer Saal
26.09. RSO Berlin, Janowski, Stiftsbasilika St. Florian
27.09. Männerchorvereinigung Bruckner 08, Alter Dom Linz
28.09. Richard Wagner: Tristan und Isolde, Großer Saal
29.09. Orgelkonzert, Mazzanti (Rom), Neuer Dom Linz
1.10. Cantoria Plagensis, Ars Antiqua Austria, Alter Dom Linz
2.10. Das Brucknerfest zu Gast in Ansfelden
4.10. Rotterdams Philharmonisch Orkest, Gergiev, Großer Saal


Sonntag, 14. September 2008, 10:30
Brucknerhaus, Großer Saal

Feierliche Eröffnung des Brucknerfestes Linz 2008
Festrednerin
Renan Demirkan
Auftragswerk
Gerald Resch
Bruckner Orchester Linz
Ingo Ingensand Dirigent
 
– nur auf Einladung –

Renan Demirkan
Die diesjährige Festrednerin Renan Demirkan ist eine der erfolgreichsten
Schauspielerinnen Deutschlands. Für ihre Hauptrolle in der WDR-Serie
„Reporter“ erhielt sie 1990 den Grimme-Preis und die Goldene Kamera. 1994
wurde sie für den Spielfilm „Auge um Auge“ mit dem Hessischen
Darstellerpreis ausgezeichnet. Mehrere Bestsellerromane stammen ebenso aus
ihrer Feder. Eine Erfolgsstrategie verfolgt das Multitalent jedoch nicht.
„Wer weiß schon, was die Zukunft bringt? Für mich zählt das Hier und Jetzt“,
bekräftigt sie. Im Theater wie im Film genießt die gebürtige Türkin das
besondere Heimatgefühl, das sich im Team zwischen Schauspielern und
Regisseur entwickelt. Disziplin und menschliche Wärme sind für sie dabei
kein Widerspruch, denn „Schauspielerei ist immer ein Geben und Nehmen“.


Gerald Resch
Das Auftragswerk zur Eröffnung des Brucknerfests 2008 wurde an den in Linz
geborenen Komponisten Gerald Resch vergeben. Resch studierte Komposition bei
Michael Jarrell sowie Musikwissenschaften an der Universität Wien. Ein
Stipendienjahr an der Musikhochschule Köln bei York Höller regte die
musikalische Auseinandersetzung mit einem Denken in organischen
Klanggestalten an. Mehrmonatige
Studienaufenthalte in Berlin, Paris und Rom förderten eine Poetik, die für
unterschiedlichste Einflüsse aus nicht musikalischen Bereichen offen bleiben
will (Malerei in „Zerrissene Zeit“, Webkunst in
„Tessuto“, Geologie in „Durchlässige Schichten“ usw.).



Sonntag, 14. September 2008, 19:00
Brucknerhaus, Großer Saal

Bruckner Orchester Linz
Dennis Russell Davies Dirigent
Midori Violine
Eröffnungskonzert verbunden mit der Klassischen Linzer Klangwolke,
veranstaltet von Brucknerhaus Linz und ORF Oberösterreich
20:00 Uhr: Live-Übertragung in den Donaupark in Bild und Ton
JOHANNES BRAHMS
Violinkonzert D-Dur op. 77
HANS ROTT
Symphonie Nr. 1 E-Dur

Musikalische Widersacher vereint
Ein interessantes Konzert verspricht das Bruckner Orchester Linz unter
seinem Chefdirigenten Dennis Russell Davies. Nicht nur, dass mit der
japanischen Geigerin Midori eine der größten Violinvirtuosinnen unserer Zeit
zu bewundern sein wird, auch die Programmierung des Abends verspricht
Spannendes, erklingen doch zwei Werke, die zur Zeit ihrer Entstehung wohl
nie nebeneinander erklungen wären.

Johannes Brahms vollendete sein „Violinkonzert D-Dur op. 77“ während der
Sommermonate 1878 in Pörtschach am Wörthersee. Bis dahin widmete sich
Brahms, selbst Pianist, der Violine lediglich in seinen kammermusikalischen
Werken. Deshalb suchte er den Rat seines Freundes, des Geigers Joseph Joachim. Doch trotz dessen Hilfe wurde das Konzert bei seiner Uraufführung 1879 in Leipzig mit herber Kritik bedacht. Nur allmählich konnte es sich durchsetzen, Hans von Bülow meinte sogar, es sei mehr „gegen die Violine“ geschrieben, so mancher hielt es für
unspielbar. Nicht so die Stargeigerin Midori. Bereits im frühesten Alter begann die 1971 in Osaka geborene Musikerin, Geige zu spielen, seit ihrem ersten öffentlichen Auftreten vor 25 Jahren ging ihre Karriere steil bergauf. Heute gehört sie zu den absoluten Top-Geigerinnen, steht weltweit auf den bedeutenden Bühnen und gibt unzählige Konzerte mit großen Orchestern und renommierten Kammermusikpartnern. Dennoch findet sie neben ihrer  Konzerttätigkeit genügend Zeit für ihre Outreach-Organisationen, durch die sie Kindern und Jugendlichen den Zugang zu klassischer Musik ermöglichen möchte. Dieses Engagement veranlasste UN-Generalsekretär Ban Ki-moon dazu, Midori zur Botschafterin des Friedens zu ernennen.
Zur gleichen Zeit, als Brahms an seinem Violinkonzert arbeitete, schrieb der
1858 geborene Hans Rott, Schüler von Anton Bruckner am Wiener
Konservatorium, an seiner Symphonie Nr. 1 E-Dur. Sie sollte ihm Erfolg beim
Kompositionswettbewerb – damals Teil der Abschlussprüfung – einbringen, doch
das Werk fiel bei der Jury, in der unter anderem Johannes Brahms saß, durch.
Die Symphonie erschien „der engherzigen Zunft, die damals am Prüfungstische
saß und für welche R. Wagner noch der Marat in der Musik war, als zu ‚wagnerisch‘! Am Schlusse ertönte vom Merkerstuhle – Pardon, vom Prüfungstische – her höhnisches Lachen.“
Für Hans Rott begannen Jahre der Ablehnung, die in seinem viel zu frühen Tod
endeten, für die Musikgeschichte das Vergessen eines musikalischen Visionärs.
Text: engelbert ecker 



Dienstag, 16. September 2008, 19:30
Brucknerhaus, Großer Saal

Orquesta de Valencia
Yaron Traub Dirigent
Joaquín Achúcarro Klavier
MANUEL PALAU Boix
March Burlesca
JOAQUÍN RODRIGO
Concierto para Piano y Orquesta
(Bearbeitung von Joaquín Achúcarro)
ISAAC ALBÉNIZ
Suite Iberia
JOAQUÍN TURINA PÉREZ
Danzas fantásticas

Spanische Impressionen
Dass die Musikgeschichte Spaniens weit mehr hervorgebracht hat als
atemberaubend gespielte Gitarren und Flamenco, das wollen das Orquesta de
Valencia und sein künstlerischer Leiter Yaron Traub im Großen Saal des Brucknerhauses unter Beweis stellen. So mancher „Klassiker“ ist auch tatsächlich zu einem solchen geworden, doch vieles gilt es da noch zu entdecken und zu erlauschen.

„Niemals hat die Musik so vielfältige, so farbige Impressionen erreicht; die
Augen schließen sich, wie vom Anschauen zu vieler Bilder geblendet.“ So
beschrieb Claude Debussy seine Ein-drücke beim Hören der Werke von Isaac
Albéniz. Doch seine Worte lassen sich auf die Musik vieler klassischer
spanischer Komponisten übertragen. Die spanische Musiklandschaft ist reich
an Stilen, Formen und Farben, aber auch an hervorragenden, allerdings häufig viel zu
wenig beachteten Komponisten, die es auf faszinierende Weise schaffen, das
Klassische der westlichen Kunstmusik mit dem typisch Spanischen der Musik
ihrer Heimat zu verbinden. In den 1880er-Jahren gelang es Albéniz, einen spanischen Nationalstil zu begründen, die Wurzeln der klassischen Musik auf der Iberischen Halbinsel reichen allerdings viel weiter zurück. Schon immer hatten spanische Theoretiker, Musiker und Komponisten entscheidenden Einfluss auf die europäische Musikwelt, unzählige Tonschöpfer der unterschiedlichsten Epochen wurden durch die Klänge aus Spanien zu Meisterwerken inspiriert.
Die Musik spanischer Komponisten nimmt auch einen großen Raum im Repertoire
des Orquesta de Valencia ein. Das 1943 gegründete Orchester ist heute einer
der führenden Klangkörper in seiner Heimat, der auch im Ausland große
Erfolge feiern konnte.
Die Liste der Solisten und Dirigenten, die mit dem Orchester
zusammengearbeitet haben, ist lang und beinhaltet namhafte Vertreter ihres
Faches, seit 2005 steht Yaron Traub als künstlerischer Leiter dem Orquesta
de Valencia vor. Der in Tel Aviv geborene Dirigent, Assistent von Sergiu
Celibidache in München und von Daniel Barenboim bei den Bayreuther
Festspielen, arbeitete als Gastdirigent mit zahlreichen Orchestern auf der
ganzen Welt, ehe er vom Orquesta de Valencia zum neuen Chefdirigenten
ernannt wurde. Für ihr Konzert im Rahmen des diesjährigen Brucknerfestes
wählten die Musiker ein Programm mit Meisterwerken bedeutender spanischer
Komponisten des 19. und 20. Jahrhunderts, Kompositionen, die durch die
Folklore des Landes geprägt wurden, ihrerseits spätere Generationen
beeinflussten und wesentlich zur Erneuerung der national-spanischen
Kunstmusik beitrugen. Zu hören auch das „Concierto para Piano y Orquesta
“ von Joaquín Rodrigo, das der Pianist Joaquín Achúcarro 1997 auf Wunsch des
damals 96-jährigen Komponisten vollendete. engelbert ecker

Mittwoch, 17. September 2008, 19:30
Kirche Hl. Familie Linz

Helmut Binder Orgel
Werke von
Sigfrid Karg-Elert
Joseph Jongen
Olivier Messiaen
Franz Schmidt



Montag, 22. September 2008, 19:30
Stadtpfarrkirche Linz

Jean-Pierre Lecaudey Orgel
Werke von
FRANZ LISZT
OLIVIER MESSIAEN
JEHAN ALAIN
JOSEPH-ERMEND BONNAL
MAURICE DURUFLÉ


Montag, 29. September 2008, 19:30
Neuer Dom Linz

Livia Mazzanti Orgel
Werke von
Carlo Gesualdo
JOHANN SEBASTIAN BACH
Olivier Messiaen
Bernardo Pasquini u. a.

Orgelkonzerte
Für die Orgelkonzerte beim Brucknerfest 2008 sind diesmal drei Instrumente
ausschließlich in Linzer Kirchen ausgewählt.
Dabei ist heuer erstmals die Mauracher-Orgel in der Kirche zur Hl. Familie
(Bürgerstraße) aus dem Jahr 1929. Anlässlich des 100. Geburtstages des
französischen Komponisten Olivier Messiaen wird in jedem der drei Konzerte ein Werk des Meisters aufgeführt. Die Aufführungen beleuchten schwerpunktartig die Orgelmusik Deutschlands/Österreichs, Frankreichs und Italiens.

Das erste Konzert findet am Mittwoch, dem 17. 9. in der Kirche zur Hl.
Familie statt. Helmut Binder ist ein Spezialist für die deutsch-romantische
Orgelmusik des späten 19. Jahrhunderts. Neben Werken von Sigfrid Karg-Elert,
Joseph Jongen und dem „Diptyque“ von Olivier Messiaen wird das monumentale
Werk „Präludium und Fuge in Es-Dur“ von Franz Schmidt zu hören sein.

Mit Jean-Pierre Lecaudey wird auch in diesem Jahr ein französischer Organist
mit Werken aus dem „Orgelland“ Frankreich in Linz auftreten (Montag, 22.
9.). Neben dem Himmelfahrtszyklus „L’Ascension“ von Olivier Messiaen werden
die „Trois Danses“ von Jehan Alain sowie Werke von Franz Liszt, Joseph
Bonnal und Maurice Duruflé zu hören sein.

Die italienische Organistin Livia Mazzanti, eine Schülerin des berühmten
Orgelvirtuosen Jean Guillou, wird am Montag, dem 29. 9. im Neuen Dom in
ihrem Programm wechselweise Werke der alten und neuen Musik
gegenüberstellen, hauptsächlich Kompositionen aus Italien: Musik von Carlo
Gesualdo, „In nomine lucis“ von Giacinto Scelsi, Bernardo Pasquini, Mario
Castelnuovo-Tedesco etc. Daneben steht auch „Chant d’oiseaux“
aus Messiaens experimentellem Zyklus „Livre d’Orgue“ auf dem Programm.
matthias giesen – kurator der orgelkonzerte



Donnerstag, 18. September 2008, Donnerstag, 25. September 2008, 19:00
Brucknerhaus, Mittlerer Saal

„Bombenleger im Garten“ oder „konservativer Revolutionär“?
Arnold Schönbergs Streichquartette als Wegweiser in die Moderne
Anna Maria Pammer Präsentation und Sopran
aron quartett
Donnerstag, 18. September 2008
ARNOLD SCHÖNBERG
Erstes Streichquartett d-Moll op. 7
Drittes Streichquartett op. 30
Donnerstag, 25. September 2008
ARNOLD SCHÖNBERG
Zweites Quartett fis-Moll op. 10 für zwei Violinen,
Viola, Violoncello und eine Sopranstimme
Fourth String Quartet op. 37
In Zusammenarbeit mit dem Arnold Schönberg Center Wien

Arnold Schönberg
wurde knapp 77 Jahre alt. Er starb 1951 in Los Angeles, seinem Exil.
Schönberg kam aus kleinen Verhältnissen in Wien Leopoldstadt. Wäre sein
Vater nicht früh verstorben, hätte er vermutlich eine Erfolgsgeschichte à la
„Welt von gestern“ geliefert. So aber war er gezwungen, eigene Wege zu
gehen. Neugierig, wissensdurstig, lernhungrig und dickköpfig verfolgte er
seine Neigungen, die sich bei Weitem nicht auf die Musik beschränkten. In
ihm steckte auch ein Maler, ein Pädagoge, ein Schriftsteller und am Ende ein
politischer Aktivist.

Wussten Sie, dass Arnold Schönberg ein passionierter Tennisspieler war und
sein liebster Gegner George Gershwin hieß? Und wussten Sie, dass Schönberg
seinen Kindern Geschichten erzählte, in denen sich FBI-Agenten mit „Unheil
Hitler!“ begrüßten? „Ich glaube, dass ein wirklicher Komponist Musik aus
keinem anderen Grund schreibt, als weil es ihm Freude macht.“ Dem Zuhörer
soll weniger das „Wie“ eines Stückes Freude machen als vielmehr das „Was“.
Schönberg eignete sich sein Können weitgehend als Autodidakt an. Bereits mit
neun Jahren begann er, angeregt durch seinen Violinunterricht, für
Streichinstrumente zu komponieren. Diese „Gewohnheit“ behielt er bis in sein
amerikanisches Exil bei. So dokumentieren seine Werke für Streichquartett
eine stilistische Entwicklung über Jahrzehnte hinweg. Sie stehen exemplarisch für den geistesgeschichtlichen Aufruhr in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts und empfehlen sich gleichsam als „Einstiegsdroge“ in die Neue Musik. „Artist in Residence“ Anna Maria Pammer beschäftigt sich seit Jahren mit Schönbergs Musik und ihren Auswirkungen auf die multiplen Tonsprachen des 20. Jahrhunderts. Gemeinsam mit dem aron quartett, das sich u. a. durch die Einspielung sämtlicher Werke Arnold Schönbergs für Streichquartett einen Namen gemacht hat, ebnet sie den Weg in diese Ära des Aufbruchs und nähert sich dem Multitalent Schönberg in seiner Zeit und seiner geistigen Verwandtschaft mit Mahler, Kraus, Kandinsky und Freud. Text: anna maria pammer


Freitag, 19. September 2008, 19:30

Brucknerhaus, Großer Saal

Thomas Mandel & The Temporary Jazz Orchestra
bruckner V improvised
Fassung für Jazzensemble

Bruckner war ein Miles Davis des 19. Jahrhunderts, gefeierter Orgelvirtuose,
der immer, wenn eine neue Orgel eingeweiht wurde, eingeladen war zu
improvisieren. Von Dresden bis London, von Wien bis Mailand war er
unterwegs, um sein improvisatorisches Können zu demonstrieren. Bei diesen
Konzerten erprobte er auch immer wieder Themen und Formales, das dann in
seinen Symphonien zu Fixiertem wurde.

Der Linzer Komponist und Saxofonist Thomas Mandel hat in der langjährigen
Beschäftigung mit dem Symphoniker Bruckner gelernt, sich mit Respekt und
gleichzeitiger Offenheit dem Meister zu nähern und das Zeitgemäße seiner
Werke musikalisch transparent zu machen. In seiner musikalischen Übersetzung
transformiert er mit dem Temporary Jazz Orchestra – elf Virtuosen aus dem
Grenzbereich zwischen Klassik und Jazz – Bruckners 5. Symphonie in die
Musiksprache des 21. Jahrhunderts.

Thomas Mandel absolvierte an der Linzer Bruckner-Uni und der Musikhochschule
in Wien mehrere musikalische Studien, darunter Komposition (G. Waldek). Sein
Hauptinteresse als Komponist gilt  genreübergreifenden orchestralen Werken,
als Saxofonist interessiert ihn naturgemäß die Improvisation. Die Beschäftigung mit dem großen oberösterreichischen Symphoniker Bruckner lag quasi auf der Hand. Und nun groovt er – der Bruckner. Text: thomas mandel

Thomas Mandel  Konzept, musikalische Gesamtleitung, Saxofon
Gerd Rahstorfer Flügelhorn,Trompete
Wolfgang Bründlinger E-Gitarre
Christian Wirth 1. Violine
Marcus Wall 2. Violine
Julian Gillesberger Viola
Stephan Punderlitschek Violoncello
Wolfram Derschmidt Kontrabass
Marco Palewicz Klavier, Syntheziser, Djing
Engelbert Gagl Pauke, Schlagwerk
Erwin Drescher Schlagzeug



Samstag, 20. September 2008, 13:30
Treffpunkt Brucknerhaus, Restaurant Anklang

Das Brucknerfest geht aufs Land hinaus –
zum Schloss Steyregg
   
Programmablauf
13:30      Treffpunkt Brucknerhaus, Restaurant Anklang
                Begrüßung Dir. Wolfgang Winkler und Mag. Niklas Salm-Reifferscheidt
14:30      Abfahrt mit Bussen nach Steyregg – wir wandern zum Schloss
15:30      Begrüßung durch den Schlossherren Mag. Niklas Salm-Reifferscheidt
                – Führung durch das Schloss
18:30      Möglichkeit für einen Imbiss im Vorraum zum Kaisersaal
20:00      Festkonzert im Kaisersaal – danach Rückfahrt mit Bussen nach Linz
   
„Das Brucknerfest geht aufs Land hinaus“ und verlagert dabei nicht nur den
Standort, sondern bietet auch neue Sichtweisen und Hörerlebnisse. In diesem Jahr besucht das Brucknerfest das Schloss Steyregg. Dort präsentiert das Karussell-Ensemble ein Festkonzert mit Werken von Mozart, Gluck, Sulzer bis Neuwirth sowie einige Eigenkompositionen.

Das Ensemble rund um
Günther Gradischnig versteht den Begriff Karussell als alt und doch zeitlos,
wobei sich alles um Musik dreht. Grenzen werden aufgebrochen, Konventionelles wird verschoben. Das Karussell ist ein Ensemble mit ständig wechselnden Besetzungen, aber gleich bleibenden MusikerInnen. Da kann es schon passieren, dass der Cellist zum Akkordeon greift oder ein Geiger zum Jazzer wird. So beschäftigten sich die Musiker nicht nur mit der „typisch“ wienerischen Musik der Strauß-Dynastie, sondern
fühlten sich in der gesamten „Wiener Musiktradition“ zu Hause. Im Repertoire
befindet sich Musik der Wiener Klassik über die Wiener Moderne (2. Wiener Schule) bis zu den neuesten Kompositionen im wienerischen Stil.
Das Karussell setzt sich aus MusikerInnen verschiedener Genres zusammen. So
finden sich im Ensemble OrchestermusikerInnen (aus Opern- und  Symphonieorchestern), das Spring String Quartet (Jazzstreichquartett) und
der Komponist, Geiger und Arrangeur der Neuwirth Extremschrammeln, Manfred
Kammerhofer.
Reisepartie:
Musiker
Günther Gradischnig Klarinette
Russell McGregor Dirigent
Manfred Kammerhofer Geige
Karussell-Ensemble für Musik aus Wien
Idee, Konzept Günther Gradischnig


Samstag, 20. September 2008, 20:00
Posthof, Großer Saal

Random Dance Company London
Wayne McGregor Choreografie
Entity
Österreich-Premiere!

Der vielfach preisgekrönte Choreograf Wayne McGregor ist einer der
erfindungsreichsten Tanzschöpfer weltweit – bekannt und hoch geschätzt für
körperlich herausfordernde Arbeiten und bahnbrechende Crossover-Kollaborationen. McGregor ist ein Künstler, der gerne über die traditionellen Grenzen seines Genres hinausdenkt. Man weiß nie, wohin ihn seine unstillbare Neugier tragen wird – mutig umarmt er Wissenschaft und Technologie, Pop und Cyberkultur.

Der schöpferische Output des 37-Jährigen ist bemerkenswert: Allein während
der letzten 18 Monate produzierte er Werke für das Glastonbury Festival, für
das Paris Opera Ballet und das Royal Ballet; er führte Regie an der
Mailänder Scala und wurde für die prestigeträchtige Position eines Resident
Choreographer des Royal Ballet nominiert. Sein neuestes Werk „Entity“ schuf
McGregor für sein eigenes zeitgenössisches Ensemble „Wayne McGregor Random
Dance“, das er seit 16 Jahren leitet. „Entity“ besteht aus zwei einander
kontrastierenden Stücken. Zehn hypergeschmeidige Tänzerinnen und Tänzer
bewegen sich souverän durch das leidenschaftliche und viszerale
choreografische Repertoire. Als Klangteppich dienen Kompositionen von zwei
der angesagtesten musikalischen Talente dies- und jenseits des Atlantiks:
Die Kreationen des Amerikaners Nico Muhly, der mit Björk und Philip Glass
zusammenarbeitete, werden live vom Navarra Quartet interpretiert. In
Kontrast dazu stehen die akustischen Extreme von Jon Hopkins’ melodischen
Electronic-Sounds. Nachdem McGregor für seine letzten zwei Werke mit
Neurowissenschaftlern und Herztomografie-Spezialisten zusammengearbeitet
hatte, setzt er seine Recherchen über die Verbindung zwischen
Gehirntätigkeit und Bewegung in „Entity“ fort – zu diesem Zweck kooperieren
der Choreograf und sein Ensemble mit sechs international anerkannten Erkenntnistheoretikern und Technologen der University of Cambridge sowie anderer hochkarätiger Institutionen. Text: heidrun hofstetter


Dienstag, 23. September 2008, 19:30
Brucknerhaus, Großer Saal

SWR Sinfonieorchester
Sylvain Cambreling Dirigent
OLIVIER MESSIAEN
L’Ascension
(Vier sinfonische Meditationen)
ANTON BRUCKNER
Symphonie Nr. 7 E-Dur WAB 107

Sylvain Cambreling
ist als äußerst vielseitiger Opern- und Konzertdirigent bekannt, originell
und innovativ in seinen Programmen und führend in der Interpretation
zeitgenössischer Musik. Er ist Erster Gastdirigent des Klangforums Wien
sowie seit 1999 Chefdirigent des SWR Sinfonieorchesters Baden-Baden und
Freiburg. Eines der aufsehenerregendsten Projekte der jüngsten Zeit war die
Aufführung der drei großen abendfüllenden Orchesterwerke Messiaens („Turangalîla-Sinfonie“, „Éclairs sur l’Au-delà“ und „La Transfiguration de Notre Seigneur Jésus Christ“) im Rahmen von „Graz 2003“.

Olivier Messiaens Werke genießen im Brucknerhaus einen ganz besonderen
Stellenwert. Zu Recht. Kaum ein anderer Komponist des 20. Jahrhunderts schuf
ein solch vielfältiges und buntes Œuvre. Als „Musik, die einem theologischen Regenbogen gleicht“, beschrieb Olivier Messiaen seine musikalische Welt, die von vielen unterschiedlichen Einflüssen geprägt war, vor allem aber von der Religion. „Es ist unbestreitbar, dass ich in den Wahrheiten des katholischen Glaubens diese
Verführung durch das Wunderbare hundertfach, tausendfach multipliziert
wiedergefunden habe, und es handelte sich nicht mehr um eine theatralische
Fiktion, sondern um etwas Wahres.“ Typisch für Messiaens frühe Arbeiten ist
das Stück „L’Ascension (Die Himmelfahrt). Vier Meditationen für Orchester“,
das im Februar 1935 in Paris uraufgeführt wurde. Charakteristisch für
Messiaens Stil dieser Zeit ist der opulente Klang, der das religiöse Erleben
sinnlich angreifbar machen soll.
Anton Bruckners Werke prägt ebenfalls tiefe Religiosität. Seine 7. Symphonie steht unter dem Eindruck des Todes von Richard Wagner:
„Einmal kam ich nach Hause und war sehr traurig; ich dachte mir, lange kann
der Meister unmöglich mehr leben, da fiel mir das cis-Moll Adagio ein.“ Vier
Wagner-Tuben, die hier zum ersten Mal in einem Symphonieorchester zum Einsatz kommen, stimmen mit dem Hauptthema des Satzes eine Totenklage an. Diese Musik hat Parallelen zu Siegfrieds Tod in der Götterdämmerung – eine Reverenz an den verehrten Meister. Text: marie-theres arnbom


Mittwoch, 24. September 2008, 19:30
ORF Landesstudio OÖ

„für und mit ernst“
Soloperformance mit Texten von Ernst Jandl
Christian Muthspiel Posaune, Klavier, Stimme, Electronics, Toys

19:00
Einführungsvortrag von Wolfgang Winkler und Christian Muthspiel

„Für und mit Ernst“
ist eine Soloperformance in einstündiger Länge. 20 Jandl-Gedichte, zu hören aus des Dichters Mund, treten in einen Dialog mit vielfältigem akustischem und elektronischem Instrumentarium. Eine klingende Reise durch den Kosmos Jandl.

Gedichte, sagte der im Jahr 2000 verstorbene Ernst Jandl, müssen gehört und
sollten nicht nur gelesen werden. Und schon zu Beginn der Soloperformance
von Christian Muthspiel schallen Ernst Jandls Worte klar und deutlich aus
dem Jenseits herüber. Seine lautmalerische, silbenfresserische Agitationspoesie nimmt der Pianist und Posaunist Muthspiel als rhythmischen Ausgangspunkt einer mal betörenden, mal verstörenden Programmmusik zwischen Verwunderung und Verwundung. Unter Verwendung von Posaune, Klavier, Stimme, Toys und Electronics bringt der Musiker die Textvorlagen direkt zum Abheben.
Spur um Spur, rhythmisch perfekt, bauen sich imponierende Konstrukte auf,
denen er über verschiedene Fußpedale kühne Wendungen zu geben versteht, die
von Jandl’schen Stanzen immer wieder aufgebrochen werden. Das außergewöhnliche Ergebnis bleibt stets in Einklang mit der Sprachakrobatik
Jandls, der selbst ein großer Jazzfan war.

die Sonne glüht – die erde dankt
ihr alles was weht und kriecht und schwankt
posaune, klavier, blockflöte, stimme, spieluhr, vogelrufe
ich danke dir, sagt tier zu tier
dass du mich frisst
damit du selbst am leben bist
3 multieffektprozessoren, 1 dj-cd-player, 1 moogerfooger
ich danke dir, sagt mensch zu mensch
dass ich dich zu boden treten kann
damit ich weiter sehe
sobald ich auf dir stehe
2 loop-stations, 12 volume-pedale, 5 mikrophone, 2 pickups
ich werde gefällt, verfüttert, gemäht
damit dein haus aus mir entsteht
damit dein brot dir niemals fehlt
damit dein vieh du schlachten kannst
surround-beschallung für jandls stimmzuspielungen
bis du ein klumpen erde bist
du liebling der sonne
und eine stunde ich ganz alleine auf der bühne

text: ernst jandl, „liebling der sonne“



Mittwoch, 24. September 2008, 20:00
Posthof, Großer Saal

Klazz meets The Voice
Edson Cordeiro Stimme
Klazz Brothers
Tobias Forster Piano
Kilian Forster Bass
Tim Hahn Drums

Der brasilianische Sänger Edson Cordeiro und Klazz Brothers – eine brisante
und aufregende Mischung – so hochexplosiv wie die Verbindung von W. A. Mozart  mit C. A. Jobim, von der „Königin der Nacht “ mit  „Girl from Ipanema“.

Edson Cordeiros Stimme, tituliert als „achtes Weltwunder“ und „Kultstimme“,
ist mit ihrem Umfang von vier Oktaven einzigartig, seine vokale Ausdruckskraft und die Bühnenpräsenz als Entertainer mit Theaterqualitäten ziehen das Publikum in seinen Bann.
Eine Stimme, die einer Operndiva zur Ehre gereichte, und Musik, die auf
einzigartige Weise scheinbar Unvereinbares eint und von einem nahezu
magischen Charme und musikalischer Intensität ist, der man sich kaum
entziehen kann. Edson Cordeiro, dessen Spektrum von Flamenco über Jazz, Oper
bis Gospel, von Rock bis hin zur brasilianischen Volksmusik reicht, war bei
den angesehensten europäischen Festivals (Montreux, North See Jazz
u. a.) zu Gast und musikalischer Stargast in zahlreichen TV-Shows wie Harald
Schmidt, Willemsens Woche oder NDR Talkshow.
Die Klazz Brothers sind echte Freistilisten mit einem ungeheuren Können und
Background. Kilian Forster war Solobassist der Dresdner Philharmoniker, Pianist Tobias Forster hat mit Jazzgrößen wie Betty Carter gespielt und Drummer Tim Hahn arbeitet mit José Carreras und Andrea Bocelli. Die Arrangements und Kompositionen aus der Feder der Klazz Brothers prägen das gemeinsame Programm. Ihre Bearbeitungen klassischer Werke, inzwischen schon legendär, bestechen durch die humorvolle, überraschende, aber immer profunde Bearbeitung. Die Klazz Brothers wurden für Ihre CDs gemeinsam mit Cuba Percussion bereits mehrfach ausgezeichnet: so 2003 und 2006 mit dem ECHO Klassik und 2003 und 2005  mit dem Jazz Award, im Jahr 2005 wurden sie für den Grammy Award nominiert. Das Repertoire des Ensembles ist immens, reicht von der Trio-Besetzung bis zu sinfonischer Größe in (fast) allen denkbaren Stilen und schließt auch
liturgische Werke wie den „Messias“ von G. F. Händel mit ein.


„Edson Cordeiro hat einen Stimmumfang von Louis Armstrong bis zur ,Königin
der Nacht‘  und bewies, dass ,Guten Abend, gute Nacht‘ und Sinatras ,My way‘ im Grund ein und dasselbe Lied sind.“  thüringer allgemeine

„Seit Jacques Loussiers Jazzinterpretationen von Bach dürfte es eine derart
fulminante Verfremdung der Werke nicht gegeben haben.“  weilheimer tageblatt


Donnerstag, 25. September bis Samstag, 27. September 2008
Brucknerhaus, Kleiner Saal

Bruckner-Symposium
„Der Künstler in seiner Welt“
Eintritt frei!

Seit 30 Jahren ist das Anton Bruckner Institut Linz einer der wesentlichen
Brennpunkte der Brucknerforschung.
Zahlreiche Publikationen, zahlreiche Symposia und zahlreiche weitere
Schriften zu diesem Thema haben das Anton Bruckner Institut Linz zu diesem
Fixpunkt der Forschung gemacht. Unter diesem Motto steht auch das Symposium
in diesem Jahr im Brucknerfest. Das Thema „Der Künstler in seiner Welt“
ist mit dem wissenschaftlichen Leiter, Herrn Univ.Prof. Dr. Theophil Antonicek, abgesprochen. Es soll die Umstände beleuchten, inwieweit die jeweilige Gesellschaft unwillkürlich einen Einfluss auf den Künstler nimmt, bzw. wie weit der Künstler in seinem Werk sein Umfeld wissentlich oder nicht wissentlich reflektiert.
wolfgang winkler


Donnerstag, 25. 9. 2008
17:00
Wolfgang Winkler Eröffnung
anschließend
Franzobel Festvortrag

Freitag, 26. 9. 2008
10:00
Theophil Antonicek wien
30 Jahre Anton Bruckner Institut Linz
10:30
Christian Neuhuber graz
Wahnwelten. Das Bild des Künstlers in Büchners Lenz
11:30
Johann Lachinger linz
Stifters Horizonte. Vom
Böhmerwald zur Kunstwelt
12:00
Regina Thumser wien, linz
Ohne die tägliche Dosis ... KünstlerInnen und Drogen
14:30
Regine Allgayer-Kaufmann wien
Brasilien 1956 bis 1961.
Antônio Carlos Jobim und
die Ära des Präsidenten
Juscelino Kubitschek.
15:00
Peter Dusek wien
Der Künstler in der
medialen Welt
16:00
Dr. Michael Jahn wien
Die Wiener Hofoper zur Zeit Bruckners. Eine Welt für sich
16:30
Elisabeth Fritz wien
Kunst im Dienste der
Staatsidee

Samstag, 27. 9. 2008
10:00
Georg Heilingsetzer linz
Musiker an Adelshöfen in Oberösterreich am Beispiel
der Starhemberger
10:30
Thomas Hochradner salzburg
B-Komponist oder Wie wird man Kleinmeister?
11:30
Peter Deinhammer
linz, lambach
Bruckner und die klösterliche Welt. Warum Bruckner nie in Lambach war
12:00
Wolfgang Kreuzhuber linz
Die Klangwelt der Orgel-macherfamilie Breinbauer
14:30
Klaus Petermayr linz
Vegetationsraum Provinz. Robert Führers kleinkriminelle Musikwelten
15:00
Andreas Lindner wien, linz
Bruckner und die neue Welt
16:00
Angela Pachowsky wien
Bruckner und die Verlagswelt
16:30
Balduin Sulzer wilhering
Anmerkungen zum
kompositorischen Werk

Freitag, 26. September 2008, 19:30
Stiftsbasilika St. Florian

Rundfunk-Sinfonieorchester Berlin
Marek Janowski Dirigent
ANTON BRUCKNER
Symphonie Nr. 9 d-Moll WAB 109
(in der dreisätzigen, unvollendeten Fassung)

Als besonderen Service für unsere Konzertbesucher bieten wir einen
Kultur-Shuttlebus nach St. Florian an. Abfahrt: Brucknerhaus, vor Eingang Ost, 18:30 Uhr, Preis E 5,– hin und retour.

Bei Bruckner „daheim“
Das Stift St. Florian gehörte zu den wichtigsten Stationen im Leben Anton
Bruckners, daher ist es für das Brucknerfest Linz selbstverständlich, sich
immer wieder an diesem besonderen Ort einzufinden. In diesem Jahr mit der
Symphonie Nr. 9 d-Moll WAB 109, interpretiert vom Rundfunk- Sinfonieorchester Berlin unter Marek Janowski.

Mit der umfangreichen musikalischen Ausbildung, die Anton Bruckner als
Sängerknabe in St. Florian erhielt, wurde der Grundstein für seine Laufbahn
gelegt. Von 1845 an verbrachte Bruckner dann ein Jahrzehnt im größten
Barockkloster Österreichs, bedeutende Jahre, in denen er sich zum Komponisten wandelte Bruckner zunächst als Hilfslehrer angestellt, wurde die Musik immer wichtiger, er perfektionierte sein Orgelspiel dermaßen, dass ihm schon bald die Stelle als Stiftsorganist übertragen wurde. Hier entstanden so bedeutende erste Werke wie das „Requiem d-Moll WAB 39“ und die „Missa solemnis B-Dur WAB 29“. Sein Leben lang blieb Anton Bruckner St. Florian eng verbunden, am 15. Oktober 1896, vier Tage nach seinem Tod, wurde dann auch der Leichnam des Komponisten auf eigenen Wunsch in der Prälatengruft der  Stiftsbasilika begraben. Eine Steinplatte genau unterhalb „seiner “ weltberühmten Orgel weist auf dieses Grab hin. Und noch heute befindet sich in der Marienkapelle eine 1903 von Bruckners Bruder Ignaz gestiftete Orgel.
Als ältestes rundfunkeigenes Sinfonieorchester Deutschlands kann das RSB auf
eine spannende und erfolgreiche Geschichte zurückblicken. Chefdirigenten wie
Sergiu Celibidache und Rafael Frühbeck de Burgos formten einen Klangkörper,
der weit über die Grenzen Deutschlands hinaus höchstes Ansehen genießt und
sich in der Zusammenarbeit mit Komponisten mit der Interpretation von Neuer
Musik einen Namen gemacht hat. Seit 2002 leitet Marek Janowski das
Orchester. Der in Warschau Geborene gehört zu den international gefragtesten
Dirigenten, neben dem RSB ist er zusätzlich Musikdirektor des Orchestre de
la Suisse Romande. engelbert ecker


Samstag, 27. September 2008, 19:30
Alter Dom Linz

Männerchorvereinigung Bruckner 08
Ensemble Linz aus dem Institut für Blechbläser
der Anton Bruckner Privatuniversität Linz (Josef Eidenberger)
Thomas Kerbl Dirigent
ANTON BRUCKNER
„Die Männerchöre“ mit Begleitung von Orgel/Klavier
und symphonischem Blasorchester
Inveni David, Um Mitternacht, Der Abendhimmel, Herbstlied,
Fest-Cantate für die Grundsteinlegung zum „Neuen Dom“ in Linz:
„Preiset den Herren“ u. a.

„... Freundschaft und Liebe erflehe ich von allen meinen innigstgeliebten
Oberösterreichern. Die Liedertafel Frohsinn und ganz Oberösterreich lebe,
hoch, hoch, hoch!“ 20. April 1856; Anton Bruckner an die Liedertafel Frohsinn Linz

Thomas Kerbl hatte das Glück, über einen – fast – direkten Draht einen ganz
besonderen Zugang zu Bruckners (Chor-)Werken zu finden: 1977 studierte er am
Bruckner-Konservatorium in der Klavierklasse von Hugo Rabitsch, dessen
Großvater August Göllerich Biograf Anton Bruckners und Privatsekretär Franz
Liszts war und als Dirigent zu den wichtigsten Künstlerpersönlichkeiten in
Linz zählte. 1896, in Bruckners Todesjahr, wurde Göllerich zum Direktor des
Linzer Musikvereins und der Musikschule ernannt und widmete sich vor allem
der Pflege der Werke Bruckners und Liszts. Rabitsch ließ Kerbl an den Erinnerungen seines  Großvaters teilhaben: „Neben einer pianistischen Ausbildung waren es aber
die unvergesslichen Stunden der Diskussion über Musik und Gesamtheiten,
welche mich mit tiefer Dankbarkeit an diese humanistische Führung und
Prägung durch meinen Lehrer erfüllt. Eine Dankbarkeit, Verehrung und mich
auszeichnende Freundschaft bis zum heutigen Tage.“
Anlass zur intensiven Beschäftigung mit dem Werk Anton  Bruckners war für Thomas Kerbl ein Kompositionsauftrag für die  „Europäische Kulturhauptstadt – Linz 09“. Durch die Zusammenarbeit mit  Walter Johannes Fischer, der sich mit Bruckners Vokalwerk beschäftigte, entstand ein Projekt, das die Bruckner’schen Männerchöre künstlerisch dokumentiert. Dieses wird nun beim Brucknerfest 2008 präsentiert und liegt auch auf CD  vor. marie-theres arnbom

Thomas Kerbl, geboren 1965 in Kirchdorf/Krems, ist als Dirigent, Pianist und Pädagoge tätig. Als künstlerischer Leiter betreut er die Abendmusiken in der Linzer Ursulinenkirche, den Opernsommer Schloss Wildberg, die Opern- und Musicalfestwochen von Bad Hall, das Kirchenmusikfestival „Passion-Steyr“ und die Musical-Festwochen Bad Leonfelden. Seit 1992 leitet er die Lied-Oratoriumklasse an der Anton Bruckner Privatuniversität Linz.  www.sonare.at

Als Kooperation zwischen LIVA, Anton Bruckner Institut und dem Institut für
Gesang und Stimme der Anton Bruckner Privatuniversität Linz findet am
Donnerstag, 25. September und Freitag, 26. September an der Anton Bruckner
Privatuniversität im Göllerichsaal jeweils zwischen 14:00 und 18:00 Uhr ein
Symposium unter dem Motto: „Die Tradition der Männerchöre des 19. Jahrhunderts“ statt.


Sonntag, 28. September 2008, 17:00
Brucknerhaus, Großer Saal

RICHARD WAGNER
Tristan und Isolde
– konzertante Aufführung –

Bruckner Orchester Linz
Konzertvereinigung Linzer Theaterchor (Georg Leopold, Einstudierung)
Dennis Russell Davies Dirigent
Christian Franz Tristan
Kurt Rydl König Marke
Anna-Katharina Behnke Isolde
Jukka Rasilainen Kurwenal
Kurt Azesberger Melot
Petra Lang Brangäne
Christian Zenker Hirte/Junger Seemann
Steffen Rössler Steuermann


Restaurant Anklang, 10:30
Einführungsvortrag von Claus J. Frankl
Eintritt frei!

„Kind! Dieser Tristan wird was Furchtbares! Ich fürchte, die Oper wird
verboten – falls durch schlechte Aufführung nicht das Ganze parodiert wird.
So weit hat’s noch mit mir kommen müssen!“
Dies schrieb Richard Wagner an seine Geliebte Mathilde Wesendonck, in deren
Haus in Zürich er im Jahre 1857 „unversehens in den Tristan“ geriet. Den Stoff, in dem  Macht, Ruhm, Ehre, Ritterlichkeit, Treue, Freundschaft thematisiert werden, hatte der Komponist  bereits 1842 kennengelernt. Wagner sah sich damals wohl selbst als Tristan, Mathilde Wesendonck als Isolde und deren Ehemann Otto als Marke. Hatte er wegen dieser Umstände das Bedürfnis, „sich musikalisch auszurasen“, so gab es auch „praktische“ Gründe für die Arbeit an dieser Oper: Der Komponist war  verschuldet, sein Verlag hatte eine Veröffentlichung des „Rings“ abgelehnt, den „Tristan“ aber angenommen. Wagner sandte jeden Akt sofort nach
Fertigstellung an den Verlag und erhielt dafür 4.000 Franken. Diese „im
deutlichen Gegensatz zur stark subjektiven Aura des Werkes“ stehende
„Fließbandproduktion“ (wie Dahlhaus sie bezeichnet) machte es möglich, dass
die Partitur nur fünf Monate nach Beendigung der Oper gedruckt vorlag. Die
Aufführung verzögerte sich aber aufgrund des musikalischen Anspruchs.
So wurde etwa die für Wien geplante Uraufführung nach 77 Proben abgesagt.
Nach Interventionen Ludwigs II. von Bayern erklang das Werk schließlich
erstmals im Juni 1865 in München. Seither gilt der „Tristan“ vor allem wegen
seiner kühnen Harmonik als Ursprung der musikalischen Moderne. Von allen
Wagneropern hat er die Musikgeschichte am nachhaltigsten beeinflusst.
eva maria hois


Anna-Katharina Behnke
Die Isolde dieser Aufführung wird von Anna-Katharina Behnke gesungen. Behnke
studierte in München und gab ihr Debüt an der Kammeroper Wien. Seither ist die
Sopranistin unter anderem als Aida, Arabella, Elsa, Leonore, Lulu,  Marschallin, Salome, Senta und Susanna auf Bühnen in ganz Europa zu hören.



Mittwoch, 1. Oktober 2008, 19:30
Alter Dom Linz 

hard-chor (Alexander Koller, Einstudierung)
Ars Antiqua Austria (auf Originalinstrumenten der Bruckner-Zeit)
Rupert Gottfried Frieberger Leitung und Orgel
Rosemarie Schobersberger Sopran
Christa Ratzenböck Alt
Christian Havel Tenor
Andreas Lebeda Bass
ANTON BRUCKNER
Messe Nr. 1 d-Moll, Motetten und Orgelwerke

In der neueren Literatur wird Bruckners Musik auch als religiöser Mystizismus apostrophiert. Nicht nur die sakralen Chorwerke, sondern auch die Symphonien, die den Großteil seines Werkes ausmachen, spiegeln eine Religiosität wider,
die nicht aufgesetzt, sondern tief empfunden ist.

Der Sohn und Enkel eines Dorfschullehrers wurde im traditionellen katholischen Glauben erzogen, und sein tiefer, unerschütterlicher Glaube wurde auch durch die der Messe in d-Moll vorangestellte Widmung „OMNIA AD MAJOREM DEI GLORIAM“ – Alles zur größeren Ehre Gottes – verdeutlicht, die  von Herzen kommender Ausdruck seiner Hinwendung zu Gott war.
Höhepunkt des sakralen Schaffens sind die drei Ordinariumsvertonungen der
Jahre 1864 bis 1868, allesamt geschrieben im und nach dem Durchlauf einer
schweren Krise, wie das Produkt eines ersten großen Schaffensdrangens,
aufblitzend mit wahrhaft neuen Ideen der Kirchenmusik und dem Ansatz des
späten Symphonikers. Die e-Moll-Messe (1866) mag man als Beschwichtigung der
neuen Gruppe der „Caecilianer“ interpretieren – sie wandten sich gegen das
Opernhafte der Kirchenmusik und sahen in Palestrina das bessere Vorbild, bis
zur Vermeidung jeglichen Orchesters. Der Komponist dirigierte die
Uraufführung der d-Moll-Messe selbst am 20. November 1864 in der Domkirche
von Linz (heute Alter Dom, Jesuitenkirche). Nicht nur das Urteil des
Kritikers im „Linzer Abendboten“ nach der November-Aufführung: „das beste
Werk seiner Art, das seit langer Zeit geschaffen wurde“, schaffte Bruckner
einen ersten bekundeten Ruhm als Komponist, der sogar nach Wien vordrang,
wohin es ihn letztlich zur Durchsetzung seiner musikalischen Visionen
gezogen hatte.

Rupert Gottfried Frieberger, mehrfacher Akademiker, Professor, ist seit 1969
Prämonstratenser von Schlägl  und als Kantor und Stiftskapellmeister für die
musikalischen Belange verantwortlich. Er ist künstlerischer und wissenschaftlicher Leiter der Internationalen Schlägler Musikseminare, lehrt  an der Universität Salzburg an den Instituten für Musikwissenschaft und Liturgiewissenschaft, an der Musikuniversität Wien Improvisation und Aufführungspraxis und ist als Organist, Dirigent und Komponist in ganz Europa erfolgreich hervorgetreten.

hard-chor
Das oberösterreichische Vokalensemble hard-chor ist ein Hardliner, eine
Gruppe von Stimmakrobaten unter der Leitung von Alexander Koller, die mit größter
Akribie die Stile verschiedenster Komponisten erarbeitet und dem Publikum
präsentiert. Ob mit einer oder 40 Stimmen, ob a cappella oder instrumental begleitet, ob mit Mikrofonen oder ohne Verstärkung, hard-chor orientiert sich an dem, was gefragt ist und stimmlich ausgedrückt gehört.

Donnerstag, 2. Oktober 2008, 19:00 
Anton Bruckner Centrum Ansfelden

Alfred Melichar, Bruno Würleitner Akkordeon
Martin Rummel Violoncello
Werke von Isang Yun, Helmut Rogl
Bearbeitung zweier Sätze (Scherzo und Adagio) des Streichquintetts F-Dur von
Anton Bruckner durch Wolfgang Mayer

19:00 Uhr:    Besichtigung Anton Bruckner Geburtshaus
20:00 Uhr:    Konzert 
21:00 Uhr:    Vernissage Lucas Drobny
Veranstalter: ABC Ansfelden, Karten und Info: Anton Bruckner Centrum Ansfelden
Tel. 07229 783 33 oder office.abc@ansfelden.ooe.gv.at


Erstmals ist ein Programmpunkt des Brucknerfestes 2008 in Ansfelden
angesiedelt, im Geburtsort Anton Bruckners. Das Kulturreferat der Stadt Ansfelden, der Brucknerbund Ansfelden und die LIVA laden ein zu einem Konzert ins ABC –
Anton Bruckner Centrum – mit den Akkordeonisten Alfred Melichar und Bruno Würleitner und dem Cellisten Martin Rummel.

Der in Ansfelden ansässige junge Komponist Wolfgang W. Mayer hat sich zweier Sätze des Streichquintetts in F-Dur von Anton Bruckner angenommen (des Scherzos und des Adagios) und eine Bearbeitung für zwei Akkordeons geschaffen, die eine neue Sichtweise auf dieses bedeutende kammermusikalische Werk eröffnet. Daneben werden noch Werke von Isang Yun  und Helmut Rogl zu Gehör gebracht. Als Bindeglied zwischen dem Konzert und der darauf folgenden Vernissage von Lucas Drobny (Auseinandersetzung mit Anton Bruckner in Skulpturen, Schmuckobjekten und Bildern) wird ein Werk von W. W. Mayer uraufgeführt, das einen Bogen von der
musikalischen Welt Bruckners zu Astor Piazzolla spannen und zugleich – als
Schlusspunkt der musikalischen Darbietung – die Eröffnung der Vernissage
darstellen soll.
Vor dem Konzert besteht die Möglichkeit, das dem ABC unmittelbar benachbarte
Geburtshaus Anton Bruckners zu besichtigen. Für Konzertbesucher aus Linz wird beim Brucknerhaus Linz ein  Shuttlebus zu Verfügung gestellt.

Freitag, 3. Oktober 2008, 20:00
Kulturhaus Traun spinnerei

Die Macht der Elemente – menschliche Ohnmacht
Uraufführung
Veranstaltungsservice Traun GmbH, Schlossstr. 8, 4050 Traun
Tickethotline: 07229 620 32, www.spinnerei.at oder an der Kassa des
Brucknerhauses


Zum vierten Mal beteiligt sich die VEST Veranstaltungsservice Traun GmbH am Linzer Brucknerfest – heuer mit dem Thema  „Die Macht der Elemente“.

Erde, Wasser, Feuer, Luft – alle vier Elemente sind lebensnotwendig für uns Menschen, um überleben zu können. Wertvolle Ressourcen also, die wir sehr oft unbewusst und oft auch verschwenderisch konsumieren oder genießen, ohne an das Gleichgewicht der Natur zu denken. Die Natur hat ihre eigenen Spielregeln und entmachtet dann und wann die menschliche Spezies ihrer überlegenen Stellung. Waldbrände, Wirbelstürme, Erdbeben, Hochwasser und Tsunami Katastrophen sind das, was uns immer wieder in Atem hält. Ob zyklisches Ereignis oder von Menschenhand gemacht, sei dahingestellt. Fest  steht, dass unser Leben von diesen vier Elementen geprägt wird. Die Natur und seit vielen Jahren auch der Mensch bestimmen, in welcher Weise wir Erde, Wasser, Feuer und Luft erleben.

Die VEST hat es sich zur Aufgabe gemacht, die „Macht der  Elemente“ musikalisch und visuell künstlerisch aufzuarbeiten. Vier Komponisten werden zu je einem Element eine Auftragskomposition aufführen. Diese Werke werden so unterschiedlich dargestellt, wie die Elemente in der Natur sind. Streicher, Bläser, Schlagwerk und Electronic werden die vier Elemente und ihre Kompositionen präsentieren.

Visuell werden Bilder und Filmsequenzen die Thematik unterstreichen. Als
Teil des Gesamtkonzepts werden sie sozusagen in Symbiose mit der jeweiligen
Komposition entstehen. Ziel soll  sein, dem Publikum auf künstlerischer
Ebene den Wert dieser selbstverständlichen Ressourcen zu vermitteln. Ein
Thema zum Nachdenken – und zum Handeln.
Komposition:
Thomas Mandel Feuer
Michael Enzenhofer Luft
Engelbert Gagl Erde
Marco Palewicz Wasser       
Visualisierung:
Andrij und Sabine Puluj
Konzept + Idee:
Manuela Reichert
VEST GmbH



Samstag, 4. Oktober 2008, 19:30
Brucknerhaus, Großer Saal

Rotterdams Philharmonisch Orkest
Valéry Gergiev Dirigent
Bryn Lewis Harfe
Claude Debussy
Danse sacrée, Danse profane aus „Danses pour harpe“
Anton Bruckner
Symphonie Nr. 3 d-Moll WAB 103

„Es ist nicht mehr möglich, einen Rhythmus exakt zu notieren, genauso wenig,
wie man die verschiedenen Effekte einer einzelnen Phrase erklären kann! Ich
denke, es ist das Beste, sich von seinem Gefühl leiten zu lassen“,

schrieb Claude Debussy 1907 an Manuel de Falla in Bezug auf seine „Danse
sacrée et danse profane für Harfe und Streichorchester“. Die Harfe diente in
der Musik des 19. Jahrhunderts meist zu illustrativen Zwecken oder zur
Darstellung außermusikalischer Inhalte, Debussy jedoch  begeisterte sich für ihren reinen, farbenreichen Klang. Den Auftrag zur Komposition der beiden Tänze erhielt Debussy von der Pariser Firma Pleyel, die eine neue, chromatische Harfe ohne Pedale entwickelt hatte, deren verdoppelte Anzahl von Saiten wie auf einer Klaviertastatur  angeordnet war. Dieses modifizierte Instrument ermöglichte eine
unkomplizierte Wiedergabe der chromatischen Skala – einen Effekt, den
Debussy jedoch erstaunlicherweise nicht einsetzte. In den beiden Tänzen
trifft die Soloharfe auf ein Streichorchester. Debussy gelingt es, dieser
auf den ersten Blick äußerst homogen anmutenden Besetzung eine große
Bandbreite an Klangfarben zu entlocken.
Der eröffnende Danse sacrée besticht durch seine getragene Feierlichkeit,
spanisches Kolorit hingegen prägt den „Danse profane“. Bereits während
seiner Studienzeit am Pariser Conservatoire hatte sich Debussy den
akademischen Zwängen widersetzt und um die Jahrhundertwende Musik
geschaffen, die ganz im Zeichen der „correspondance mystérieuse entre la
nature et l’imagination“ steht, also der geheimnisvollen Beziehung zwischen
Natur und Imagination. Dies führte dazu, dass seine Werke bis heute dem
Impressionismus zugeordnet werden, eine Kategorisierung, die der Komponist
strikt ablehnte: Er fühlte sich vielmehr der Ästhetik der Symbolisten
verbunden, die zu Beginn des 20. Jahrhunderts das geistige Leben der Pariser
Salons dominierten.
Anton Bruckners 3. Symphonie war im besonderen Maße der Überarbeitungswut
des Komponisten ausgesetzt und wurde so zu einem Symbol für seine
Unsicherheit. Bruckner widmete dieses Werk dem Mann, den er wohl zeit seines
Lebens am meisten verehrte: „Sr. Hochwohlgeboren Meister Richard Wagner, dem
unerreichten, weltberühmten und erhabenen Meister der Dicht- und Tonkunst in
tiefster Ehrfurcht gewidmet.“ Doch verlieh ihm auch dies kein größeres
Selbstbewusstsein und er ließ sich sogar von seinen Schülern zu Änderungen
und Kürzungen seiner Symphonie überreden. Erst die dritte,  von Leopold Nowak edierte Fassung brachte Bruckner den ersehnten Erfolg.  marie-theres arnbom

ValÉry Gergiev
Fünf bis sechs Neuproduktionen bringt Valéry Gergiev an seinem
Mariinski-Theater jährlich heraus, er leitet Orchester von der Met bis
Rotterdam, gründet Festivals von Finnland bis Tel Aviv. Geboren 1953 in
Moskau als Sohn einer Offiziersfamilie, verbrachte er seine Jugend im
Kaukasus. Am Leningrader Konservatorium studierte er Dirigieren und begann seinen Siegeszug von Wettbewerb zu Wettbewerb, von Konzert zu Konzert. 1988 wurde er Chefdirigent der Kirov-Oper – jenes Theaters, das nach 1989 wieder seinen ursprünglichen Namen Mariinski-Theater zurückerhielt.


Sonntag, 14. September 2008 bis Sonntag, 28. September 2008
Brucknerhaus, Foyer, Großer Saal
Geöffnet an Veranstaltungstagen ab 18:00 Uhr

Herbert von Karajan – Hinter den Kulissen
Eine Foto-Ausstellung von Erich Lessing

Erich Lessing
1923 in Wien als Sohn eines Zahnarztes und einer Konzertpianistin geboren,
flüchtete er 1939 nach Palästina. Dort lernte er Radiotechnik, arbeitete als
Karpfenzüchter und Taxichauffeur und fand schließlich zu seinem Jugendhobby,
der Fotografie, zurück. Als Fotograf der britischen Armee kam er 1947 nach
Österreich und wurde Fotoreporter bei der amerikanischen Nachrichtenagentur
Associated Press. Seit 1951 ist Erich Lessing Mitglied der  Fotografen-Kooperative Magnum, mit Sitz in Paris und New York. Lessing hat über 40 Kunstbücher veröffentlicht.



Herbert von Karajan dachte und handelte stets großformatig. Er war und ist einer der berühmtesten Dirigenten des 20. Jahrhunderts und ist ganz nebenbei immer noch der meistverkaufte Künstler des Klassiklabels Deutsche Grammophon. Karajan kann
man getrost als Meister der Selbstinszenierung bezeichnen. Einen Blick auf
den Maestro hinter den Kulissen, abseits des Scheinwerferlichts und der
Posen als private Person zu bekommen, war wohl nie einfach. Erich Lessing ist es
dennoch gelungen. 20 ausgewählte Fotos des vielfach ausgezeichneten
Fotografen zeigen Karajan während der Probenarbeit zu den
Festspielinszenierungen von „Fidelio“ und „Falstaff“, bei Reisen und
Gesprächen, aber auch abseits der Bühne mit der jungen Romy Schneider, Glenn
Gould und anderen Größen. Überaus feinfühlig und zurückgenommen beobachtend,
lässt Erich Lessing eine andere Seite des Musikgenies erkennen, die charmant
und sympathisch ist.  Die Bilder, 1957 im US-Magazin Esquire erschienen, sind von Erich Lessing handsigniert und während des Brucknerfests zu sehen und auch käuflich zu erwerben.


A New Cultural Economy – wenn Eigentum an seine Grenzen stößt

Das Ars Electronica Festival 2008.
Von 4. bis 9. September. In Linz.


Das Zeitalter von Copyright und geistigem Eigentum ist abgelaufen. Von allem
Anfang an in den technischen Grundlagen des Internet verankert, erweckt eine
neue Generation von Usern eine neue Ökonomie des Teilens zum Leben. Eine
Ökonomie, in der Wissen und Inhalte als Kapital gedacht werden, das fließen
soll und für alle zugänglich sein muss. Eine Ökonomie, die clevere
Geschäftsleute bereits zu einer neuen Wirtschaftskultur weiterdenken.


Das Ars Electronica Festival 2008 macht den Wert geistigen Eigentums zum
Thema und stellt damit eine Kernfrage unserer modernen Wissensgesellschaft:
Jene nach dem Spannungsverhältnis von Informationsfreiheit und Urheberrechten, jene nach dem großen Geschäft und der Vision einer offenen Wissensgesellschaft, deren neue ökonomische Basis auf Kreativität und Innovation aufbaut. Es geht dabei aber auch um brauchbare und tragfähige Spielregeln für diese neue Realität. Spielregeln, deren Formulierung nicht alleine JuristInnen und WirtschaftsexpertInnen überlassen werden sollte.

Von 4. bis 9. September 2008 kreist das Ars Electronica Festival um das
grenzenlose (geistige) Eigentum einer neuen Cultural Economy. Mit dabei
KünstlerInnen, Netzwerk-NomadInnen, TheoretikerInnen, TechnologInnen und
Rechtsgelehrte aus aller Welt. In der für Ars Electronica typischen Art wird
diese Recherche in Form von Symposien, Ausstellungen, Performances und
Interventionen über klassische Konferenz- und Kulturräume hinaus in die
ganze Stadt getragen.


Die Ars Electronica im Brucknerhaus

07.09.2008, Brucknerhaus, Großer Saal, 19:30
Bruckner Orchester Linz
Dennis Russell Davies Dirigent
Anna Maria Pammer Sopran
 
Elliot Carter                Variations for Orchestra
Michel von der Aa      Here [to be found] for soprano, chamber orchestra and
                                     soundtrack
Edgar Varese            Amériques (bearb. von Wen-chung Chou)


 
 
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