Gesprächspartner:
Wolfgang Winkler – Künstlerischer Leiter der LIVA
Ing. Mag. Wolfgang Lehner – Kaufmännischer Leiter der LIVA
Julian Gillesberger - Spring String Quartet
Thomas Kerbl - Chorvereinigung Bruckner 09
Dr. Wolfgang Kreuzhuber - Orgelkonzerte
Wim van Zutphen - Lost Brains
Im Anschluss:
Präsentation & Verkostung der Brucknerfest 2009-Schokolade von Bachhalm
Maitre Chocolatier Johannes Bachhalm präsentiert die süße Seite des Brucknerhauses. Seine neueste Kreation ist eine einzigartige Mischung aus reinsortigem, zartbitteren Edelkakao versehen mit Erdbeer-Chili und grünen Pfeffer!
Brucknerfest 2009 Klassisch anders
13. September bis 5. Oktober 2009
Im Kulturhauptstadtjahr 2009 präsentiert sich das Brucknerfest Linz zwischen 13. September und 5. Oktober „Klassisch anders“. Das Repertoire ist differenziert und vielseitig und spannt den Bogen von Klassik, Oper und Orgelmusik bis hin zum Jazz.
International erfolgreiche KünstlerInnen wie Barbara Bonney, HK Gruber, Martin Grubinger, Patricia Kopatchinskaja, Wim van Zutphen sowie die Wiener Philharmoniker und das Budapest Philharmonic Orchester werden zu sehen und zu hören sein. Es dirigieren: Zubin Metha, Ivan Fischer und Dennis Russell Davies.
Brucknerfest 2009 AUGENMUSIK
Das Brucknerfest 2009 „Klassisch anders“ nimmt mit der Rehe Augenmusik direkt Bezug auf die ewig bestehende Wechselwirkung zwischen Klang und Bildhaftem. Mit der direkten Wirkungszusammenhang zwischen Bild und Ton, hat sich das Brucknerhaus schon immer intensiv auseinandergesetzt. Vor 30 Jahren zeigte die erste Linzer Klangwolke wie eine audio-visuelle Vereinigung umsetzbar ist. Die Klangwolke löste eine Faszination aus, die bis heute ungebrochen ist. Die Kooperation mit Futurelab der Ars Electronica ging noch einen Schritt weiter. Aufsehen erregende Aufführungen wie die 3D-visualisierte Umsetzungen von Richard Wagners „Rheingold“ und Strawinskys „Le Sacre du Printemps“ wurden zum internationalen Erfolg. Die einzelnen Augenmusik-Veranstaltungen beim Festival sind im Brucknerfest-Katalog extra gekennzeichnet.
Programm des Brucknerfestes 2009
So 13. September 09 | Brucknerhaus | Großer Saal | 10:30
Eröffnung Brucknerfest 2009
Bruckner Orchester Linz
Dennis Russell Davies Dirigent
Klaus Pruenster Kompositionsauftrag
Robert Menasse Festredner
Robert Menasse
Der vielfach ausgezeichnete Autor wurde 1954 in Wien geboren.
Er studierte Germanistik, Philosophie sowie Politikwissenschaft in Wien,
Salzburg und Messina. 1980 promovierte er mit einer Arbeit über den „Typus
des Außenseiters im Literaturbetrieb“. Menasse lehrte als Lektor
für österreichische Literatur, dann als Gastdozent am Institut für
Literaturtheorie an der Universität São Paulo und beschäftigte sich mit
philosophisch-ästhetischen Theorien von Hegel, Lukács, Benjamin und Adorno.
Seit seiner Rückkehr aus Brasilien 1988 lebt Robert Menasse als Literat und
kulturkritischer Essayist hauptsächlich in Wien. Der Autor hat sich mit
Romanen wie „Sinnliche
Gewissheit“, „Selige Zeiten“, „brüchige Welt“, „Schubumkehr“ und „Die
Vertreibung aus der Hölle“ als einer der wichtigsten zeitgenössischen
heimischen Autoren positioniert.
Klaus Pruenster
In den 1980ern ein gefeierter Popmusiker und Hitgarant, hat sich der in
Feldkirch geborene Komponist in den letzten Jahren mehr und mehr auf das
Gebiet der Filmmusik „zurückgezogen“ – mit großem Erfolg.
Für den Kompositionsauftrag des Brucknerhauses „Innendonner“ zur Eröffnung
des Brucknerfestes 2009 verlässt Pruenster nun sein Linzer
Kompositionsstudio „Klangwelt“ und man darf gespannt sein, wohin er
das Publikum entführen wird.
Nur auf Einladung!
So 13. September 09 | Brucknerhaus | Großer Saal | 20:00
Haydn - Die Schöpfung
Bruckner Orchester Linz
Chor des Linzer Landestheater
Dennis Russell Davies Dirigent
Anna Maria Pammer Sopran
Kurt Azesberger Tenor
Robert Holzer Bass
„Paradise Lost“, das der „Schöpfung“ zugrunde liegende Epos, wurde von einem
Revolutionär im Gefängnis geschaffen. John Milton (1608–1674) war der
Verfasser, der in 12 Büchern die Geschichte von Adams Sündenfall erzählt –
Miltons Ziel war die „Rechtfertigung der Wege Gottes den Menschen
gegenüber“.
Georg Friedrich Händel war dieses Gedicht angeboten worden, doch lehnte er
die Vertonung mit der Begründung ab, dass zu viele Nummern entstünden und
das Stück sechs Stunden dauern würde. Das wäre sogar für das chorbegeisterte
England zu viel gewesen. Der Text blieb liegen, die Idee ruhte. Bis Joseph
Haydn England im Sturme eroberte. Ihm, dem großen Verehrer Händels, wurde 40
Jahre nach dessen Tod Miltons Text von seinem Londoner Freund und Impresario
Johann Peter Salomon angeboten. Er nahm an und reiste zurück nach Wien, wo
er sich mit seinem Freund und Gönner Gottfried van Swieten beriet. Dieser
kürzte den Text, gemeinsam veränderten sie das Werk grundlegend. Van Swieten
gab dem Komponisten sehr genaue Anweisungen, so: „Die Worte ‚Es werde Licht
‘ dürfen nur einmal gesagt werden.“
Die Schöpfungsgeschichte wird von den drei Erzengeln Gabriel, Uriel und
Raphael geschildert, unterstützt vom Chor der himmlischen Heerscharen und
vom ersten Menschenpaar Adam und Eva.
Der erste Teil beschreibt den ersten bis vierten Schöpfungstag mit der
Erschaffung der Erde und der Gestirne; der zweite Teil den fünften und
sechsten Tag mit der Erschaffung der Tiere und Menschen; der dritte Teil
beschreibt Adam und Eva im Paradies.
Das Bruckner Orchester Linz unter Dennis Russell Davies widmet dem Jubilar
des Jahres 2009 das Eröffnungskonzert des Brucknerfestes. Die Solisten Anna
Maria Pammer, Sopran, Kurt Azesberger, Tenor, und Robert Holzer, Bass,
verleihen den Worten van Swietens und der Musik Haydns Leben.
AUGENMUSIK
Die Grundidee der Klassischen Klangwolke ist es, einen riesigen Konzertsaal
im Donaupark zu schaffen und eine möglichst detailgetreue
Abbildung der Akustik des Großen Saales des Brucknerhauses zu erreichen. Die
Übertragung in Surround Sound, die vollständig digitalisierte Verkabelung
und entscheidend weiterentwickelte Lautsprechersysteme bieten uns die
Möglichkeit, den Klang so realistisch wie noch nie zum Zuhörer zu bringen.
Die Transparenz der Beschallungsanlage bei leisen Passagen, wie auch die
Wucht der Fortissimi, speziell im Bassbereich, lassen in Verbindung mit dem
abendlichen Donaupark die Musik zu einer speziellen Emotion
werden. Hubert Hawel
Mo 14. September 09 | Brucknerhaus | Mittlerer Saal | 19:30
Ensemble Oktavian
Franz Scherzer, Martin Kleinecke Oboe
Günther Gradischnig, Gernot Fresacher Klarinette
Robert Schnepps, Thomas Fischer Horn
Johannes Platzer, Clemens Wöss Fagott
Franz Strasser Sprecher
E. L. Leitner: „Von Sonne, Mond, dem lieben Gott und dem verjagten Teufel“
(Anmerkungen zur „Schöpfung“ von Joseph Haydn) für Bläseroktett und
Kontrabass 2009 (UA)
J. Haydn: Die Schöpfung (Bearbeitung von G. Druschetzky, 1745–1819)
Zwei völlig unterschiedliche Werke, die sich mit Haydns Schöpfung
auseinandersetzen, hat das Ensemble Oktavian auf das Programm seines
Konzertes gesetzt: Ernst Ludwig Leitners Werk „Von Sonne, Mond, dem lieben
Gott und dem verjagten Teufel“ und Georg Druschetzkys Bearbeitung
für Harmoniemusik.
Leitner, geboren in Wels und Professor am Mozarteum in Salzburg, hatte die
ersten Kontakte mit Musik des 20. Jahrhunderts bereits als Gymnasiast –
Musik von Johann Nepomuk David und Paul Hindemith standen am Beginn. Einige
Jahre später hörte er erstmals Musik von Olivier Messiaen, die ihn von
Anfang an faszinierte. Die Auseinandersetzung mit Werken der Wiener Schule war jedoch für sein Schaffen letztlich am prägendsten.
Georg Druschetzky gehört zu jener Gruppe von Komponisten, die mit ihren
Werken für Bläser-Kammermusik zum großen musikalischen Reichtum der
Donaumonarchie beitrugen. Druschetzkys Musik ist „Gesellschaftsmusik“, will
also in erster Linie unterhalten. Der 1745 in Böhmen Geborene gelangte als
Regimentsmusiker und Militärkapellmeister nach Linz, wo er als „bestallter
Landschaftspauker“ tätig war und sich um das Linzer Musikleben große
Verdienste erwarb. 1783 übersiedelte er nach Wien und wurde dort Mitglied
der „Tonkünstler-Sozietät“. Doch blieb er auch hier nicht lange und trat in
den Dienst des Herzogs Antal Grassalkovich II. in Pressburg.
Ein paar Jahre später war er als Komponist für den Fürstprimas József Graf
Batthyány in Ungarn tätig. 1807 wurde er Compositeur des Erzherzogs Joseph
Anton Johann und leitete dessen achtstimmige Bläserharmonie.
Acht Holzbläser des Bruckner Orchesters Linz gründeten das Ensemble
Oktavian, um sowohl die klassische als auch die moderne Literatur für diese
Besetzung aufzuführen. Ziel ist es, als fixer Klangkörper jene Originalkompositionen und Bearbeitungen, die sich vor rund 200 Jahren so großer Beliebtheit erfreuen konnten, auf höchstem Niveau wieder zum Erklingen zu bringen.
Ein besonderes Augenmerk wird beim Musizieren darauf gelegt, die typischen
Charakteristika des Wiener Bläserklanges zu pflegen, um auf dieser Basis
einen eigenen, unverwechselbaren Klangstil zu entwickeln.
Di 15. September 09 | Brucknerhaus | Großer Saal | 19:30
Budapest Festival Orchester
Iván Fischer Dirigent
Giovanni Sollima Violoncello
G. Sollima: „Folktales“. Volksmärchen für Cello und Orchester (ÖEA)
G. Mahler: Symphonie Nr. 6 a-Moll
Das Budapest Festival Orchester unter seinem Gründer und künstlerischen
Leiter Iván Fischer steht für besondere Klangintensität und Transparenz, der
in Palermo geborene Violoncellist Giovanni Sollima für Unkonventionalität
und einen modernen, offenen Künstlertyp. In seinem Cellokonzert „Folktales“
verbinden sich diese beiden Ebenen zu einem mitreißenden Ganzen, das die
vielfältigen musikalischen Einflüsse des Komponisten Sollima zum Erklingen
bringt.
Mit dem Budapest Festival Orchester gastiert einer der bedeutendsten und
renommiertesten Klangkörper unseres Nachbarlandes unter der Leitung seines
Gründers und Chefdirigenten Iván Fischer beim Brucknerfest 2009. 1983 rief
Fischer gemeinsam mit Zoltán Kocsis dieses Ensemble ins Leben. Dank seiner
kreativen und innovativen Arbeit gelang es dem Maestro, das Budapest Festival Orchester zu großen internationalen Erfolgen zu führen – nicht grundlos schmückte die Presse Iván Fischer daher mit dem Beinamen „Edelsteinschleifer“. Seit nunmehr über 20 Jahren steht er dem Klangkörper als künstlerischer Leiter vor, neben ihm suchen aber auch zahlreiche weltweit bekannte Dirigenten die Zusammenarbeit mit dem
Orchester.
Auf dem Programm des Linzer Konzerts steht unter anderem Gustav Mahler, zu
dessen Werk Fischer eine besondere Beziehung hat, gründete er doch zusammen
mit der Enkelin des Komponisten die ungarische Gustav-Mahler-Gesellschaft.
Als Solist des Abends ist der italienische Violoncellist und Komponist Giovanni Sollima zu hören. Der 1962 in Palermo geborene Musiker startete nach seinen Studien am Konservatorium seiner Heimatstadt sowie in Salzburg (Violoncello bei Antonio Janigro) und Stuttgart (Komposition bei Milko Kelemen) eine erfolgreiche Solistenkarriere, die die Zusammenarbeit mit Künstlern wie Claudio Abbado, Martha Argerich und Giuseppe Sinopoli umfasste. Doch sein Interesse an der Vielfalt der Musik und der Wunsch, die Charakteristika der unterschiedlichsten Richtungen mit typischen Elementen der Musik seiner Heimat zu verbinden, ließen den Komponisten in ihm immer stärker in den Vordergrund treten. Heute steht Giovanni Sollima
hauptsächlich als Interpret eigener, durch seine unverwechselbare musikalische Sprache geprägter Werke auf den Bühnen dieser Welt.
In Linz erlebt Sollimas „Folktales. Concerto per violoncello“ seine österreichische Erstaufführung.
Premiere: 15. September 09
16. bis 19. September 09 | 21. bis 22. September 09 I Posthof | 20:00
CUMULUS oder Haus.Friedens.Bruch
von Margit Schreiner mit Gabriele Deutsch - Uraufführung
Beverly Blankenship Regie
Elisabeth Binder-Neururer Ausstattung
Gerti Tröbinger Puppenspiel
Sam Auinger Musik
Eine Koproduktion von Posthof und Linz 09 im Brucknerfest
gefördert vom Land OÖ, Bundeskanzleramt, von der Stadt Linz und Linz09
Margit Schreiner hat einen komplexen Vorgang, das Schreiben, mit dem Drama
des Überlebens verquickt. „Die Frau“ in ihrem Stück lebt in einer hoch technisierten Welt, von der sie abhängig ist, während ihr Unterbewusstsein Dämonen der
Vergangenheit ausspeit, die sie bis in die Träume verfolgen. Gabriele Deutsch verwandelt sich an diesem Abend in die jeweiligen Protagonisten. Eine komische Tragödie, gnadenlos, klagenreich und bitterböse.
„Ein Schriftsteller muss sein wie seine Leser, dann muss er keine Probleme
erfinden“, heißt es im Stück. Die Vielzahl der Probleme lässt sich unmöglich
aufzählen – sie umfassen so gut wie alles, außer Mord: die Schreibblockade
und die neue Wohnung, das Feuilleton und die Kindererziehung, doppelte
Bandscheibenvorfälle und traumatische Religionserfahrungen, die Bedeutung
von musikalischer Erziehung bei Mozart und Bach unter besonderer
Berücksichtigung musiktherapeutischer Aspekte und die Lust und Last der
Erinnerung – ein Querschnitt des gelebten Lebens, chaotisch, wie es nun mal
ist, aber niemals ohne Zusammenhang und innere Ordnung. Dafür sorgt auch
Schreiners Formbewusstsein. Sie folgt, auch in stilistischen Eigenarten, dem mäandernden Fluss mündlichen Erzählens und den manchmal abenteuerlichen Assoziationsketten unseres Denkens. Mühelos gelangt sie von der Dichterlesung über die Ehescheidung zur Teilprothese.
Ein Theaterabend, der mit multiplen Realitäten spielt. Die vielen Stimmen zu
hören, mit denen ein Mensch sich ausdrücken kann, die vielen Persönlichkeiten darzustellen, die im Einzelnen existieren, sind das Ziel. Die hoch technisierte Welt, in der wir leben, spiegelt sich in den Mitteln, die verwendet werden, um Schreiners Stück auf die Bühne zu bringen. Jede technische Errungenschaft wird herangezogen, um die vielen Schichten der Seele, die unendlichen Variationen des Bewusstseins und die verschiedenen Tempi der Zeitflüsse einzufangen. Der Körper der Darstellerin wird vom CUMULUS- Programm geknetet und bearbeitet, bis sie im freien Fall ihr Leben an sich vorüberziehen sieht. Ihre Familie erscheint rund um ihr Bett mit den Mitteln des Figurentheaters – und zu guter Letzt taucht auch noch ein Theaterkobold auf.
Mi 16. September 09 | Brucknerhaus | Mittlerer Saal | 19:30
Ensemble 'die reihe'
Alexander Drcar Dirigent
HK Gruber: Zeitfluren
Iván Eröd: „Ode“ nach dem Gedicht „Óda“ von Attila József op. 84 UA
Friedrich Cerha: Quellen
Kurt Schwertsik: Compagnie Masquerade
Schwertsik, Cerha, Gruber, Eröd – vier Namen, die nicht nur wesentlich die
heimische Musiklandschaft nach 1945 mitgeprägt haben, sondern auch in enger
Verbindung zum Ensemble „die reihe“ stehen. Nach über 50-jährigem Einsatz für die zeitgenössische Musik zollt der Klangkörper mit dem Programm „Die Generation Schwertsik“, das Werke der vier genannten Komponisten beinhaltet, seinen maßgeblichen Förderern und Wegbegleitern die gebührende Anerkennung.
Wenn ein Klangkörper seit über 50 Jahren konsequent einer musikalischen Idee
folgt, dann zeugt das nicht nur von besonderer (positiver) Hartnäckigkeit,
sondern dann ist auch der Begriff einer „musikalischen Institution“ durchaus
angebracht. Beim Ensemble „die reihe“ trifft dies wahrlich zu und bedeutet,
entgegen aller Widerstände und Schwierigkeiten Vorkämpfer und Forum für die
zeitgenössische Musik unseres Landes zu sein. 1958 gründeten die beiden
Komponisten Friedrich Cerha, Jahrgang 1926, und Kurt Schwertsik, geboren
1935, diesen Klangkörper, dessen repertoiretechnische Bandbreite im
Wesentlichen die Kammermusik aller Stilrichtungen des 20. und 21. Jahrhunderts umfasst.
Ein besonderes Augenmerk legt man dabei auf die Musik der Zweiten Wiener Schule und auf das kompositorische Schaffen nach 1945. Seit seiner Gründung pflegen die Musiker des Ensembles – allesamt aus den Reihen des für die Aufführung und Förderung Neuer Musik bekannten RSO Wien – daher auch engsten Kontakt zu den unterschiedlichsten Komponisten. Verständlich, dass diese bei solchen künstlerischen Kooperationen auch am Dirigentenpult des Klangkörpers standen, wie unter anderem etwa John Cage, Ernst Krenek, Erich Urbanner und Christian Muthspiel. Aber auch namhafte Dirigenten auf dem Gebiet der zeitgenössischen Musik wissen das außergewöhnliche Können des Ensembles „die reihe“ zu schätzen. Seit 1983 hat nun mit HK Gruber eine der vielschichtigsten und populärsten, aber auch umstrittensten Persönlichkeiten des heimischen Musiklebens die künstlerische
Leitung übernommen. So gesehen darf das Programm „Die Generation Schwertsik“, das Werke von Cerha, Gruber, Schwertsik und Eröd beinhaltet, als musikalische Verbeugung des Klangkörpers vor seinen Gründern und maßgeblichen Wegbereitern verstanden werden.
Fr 18. September 09 | ORF-Landesstudio | 19:30
Künstlergespräch | 18:30
lost brains - Der enthauptete Haydn
Nach einem Text von Gert Jonke.
Das Musiktheaterprojekt von Wim van Zutphen, Andreas Unterweger und Johann Steinecker.
Anna Maria Pammer Sopran
Der Genius im beginnenden 19. Jahrhundert als Objekt der Begierde
entfesselter Forscher. Der virtuelle Traum des Geklonten. Die voyeuristische Sucht nach göttlichen Vorgängen unter der Schädeldecke. Im Kopf eine Art Kanalsystem
kommunizierender Gefäße. Der Plexus. Die Zellen sind verkabelt. Dies Knacksen in der Leitung spricht für sich. Der außergewöhnliche Funken im Kopf des Franz Joseph Haydn.
Die Gründe für den Raub des Schädels von Joseph Haydn 1809, unmittelbar nach
dessen Tod, liegen in der seit der Aufklärung wachsenden Neugierde auf Vorgänge im menschlichen Hirn. Die 200. Wiederkehr des Todesjahres von Joseph Haydn bietet die Gelegenheit, Bilanz zu ziehen über die vor allem in den letzten Jahren forcierten Forschungen in den Neurowissenschaften sowie über die technologischen
Entwicklungen in der Radiologie.
„lost brains“ führt in eine virtuelle Welt, die mit- hilfe von Filmsequenzen, bewegenden Bildern in Echtzeit (auf Basis der MRT- und EEG-Daten zerebraler Untersuchungen) und einer computergesteuerten Lichtregie das Schaffen Joseph Haydns transzendiert. Die auf der Bühne agierenden Personen (Musiker und Sänger) werden auf ihr ausschließliches und einmaliges Menschsein zurückgeworfen.
Der entfremdete Mensch als emphatischer Träger der Emotio, der sich mit dem
Logos eine neue Welt erschafft, die ihn abhängig und süchtig macht. Gefangener seines Selbst. Er, der durch das scheibchenweise Zerschneiden des Hirnes des Genius glaubt, Vergangenes mit Gegenwärtigem und Zukünftigem verbinden zu können. Eine neue Schöpfung? Die Genesis des neuen Menschen auf der Basis des Logos.
AUGENMUSIK
Die Visualisierung basiert auf einem System des Echtzeit-Compositing:
Visuelle Inhalte entstehen
zum einen Teil aus mathematischen Beschreibungen von Systemen, bzw. aus
bestehenden Matrizen, zum anderen Teil werden vorproduzierte Inhalte (Film,
3-D-Animation, Visuals) durch gewisse Regeln (mathematisch fix vorgegeben
oder aber auch durch zufällige Prozesse) in Echtzeit hinzugefügt.
Orgelkonzerte
Fr 18. September 09
Stadtpfarrkirche | 19:30
Rudolf Lutz Orgel
Werke von Felix Mendelssohn Bartholdy, Johann Sebastian Bach und Improvisationen
Mi 23. September 09
Neuer Dom | 19:30
„Augenmusik“
Matthias Giesen Orgel
O. Messiaen: Méditations sur le mystère de la Sainte Trinité
Mi 30. September 09
Familienkirche Linz | 19:30
Willibald Guggenmos Orgel
Werke von Jehan Alain, Maurice Duruflé, Ad Wammes, Andreas Willscher
Der Rhythmus steht im Mittelpunkt der Orgelkonzerte des Brucknerfestes 2009.
Von den einfachsten bis zu den kompliziertesten Formen wird dem Phänomen „Rhythmus“ in Orgelliteratur und Improvisation nähergekommen. An drei Instrumenten
unterschiedlichen Orgeltyps nehmen sich drei Organisten von Rang dieses
Grundelements der Musik an.
Das Programm des Orgelkonzertes am 8. September 2009 in der Stadtpfarrkirche Linz mit dem international bekannten Orgelimprovisator Rudolf Lutz (Basel) ist eine
kompositorisch-improvisatorische Spurensuche. Keines der Werke – außer dem
Präludium in c-Moll von Johann Sebastian Bach, BWV 546 – ist vollständige
Originalgestalt. Die Ergänzungen der Fragmente sind persönliche Kommentare,
die Improvisationen sind Echos auf vergangene Stile. Alles resultiert aus einer langjährigen Auseinandersetzung mit den Epochen und ihren Komponisten.
Das zweite Orgelkonzert am 23. September 2009 mit Matthias Giesen (St.
Florian bei Linz) im Neuen Dom Linz widmet sich einem der monumentalsten
Orgelwerke Olivier Messiaens, den „Méditations sur le mystère de la Sainte
Trinitè“ (1969). Unterstützt durch eine einfühlsame Lichtregie mit Beleuchtungsakkorden, wird der Dom in einen der Musik entsprechenden
Klangraum umgestaltet. Messiaens speziell dargelegte „langage communicable“ wird optisch zitiert und dient somit der Verdeutlichung des Werkes. Eine entsprechende Akzentuierung der architektonischen Elemente und Strukturen des Domes führt dann zu einer völlig neuen Raumempfindung, die als optische Ergänzung zum akustischen Raum-Klang-Erlebnis wahrgenommen werden kann.
Das dritte Orgelkonzert am 30. September 2009 in der Familienkirche mit Willibald Guggenmos (München) setzt sich in besonderer Weise mit rhythmischen Elementen auseinander. Virtuose und lyrische Werke der Orgelmusik von Maurice Duruflé, Ad Wammers, Jehan Alain u.a. werden zu hören sein.
AUGENMUSIK – Musik als klingendes Licht
Messiaen hat immer wieder betont, die Musik sei in erster Linie eine Musik
der Farben. „Wenn ich Klänge höre, sehe ich geistig Farben.“ Außerdem nennt
er den Glanz verschiedener Edelsteine: Rubine, Saphire, Amethyste – Farben,
die sich für ihn in Wellen und Spiralen durch das Werk ziehen. Das „Geblendet-Sein“ vom klingenden Licht wurde für ihn – ausgehend vom Beispiel der mittelalterlichen Glaskunst – zur Metapher für die Vollendung der Kunst und ihrer göttlichen Bestimmung.
So 20. September 09 | Brucknerhaus | Mittlerer Saal | 19:30
Paul Gulda Klavier
Erdmuthe Scherzer-Klinger Malerei
Eine Uraufführung von Balduin Sulzer ist einer der Bestandteile dieses „Abends der anderen Art“. Sulzers 11 Monologe für Klavier beziehen sich zum Teil auf sich selbst, zum Teil auf den Gesangszyklus „Die Menschen“ nach Gedichten von Rose Ausländer. Paul Gulda kombiniert diese Monologe mit Joseph Haydn und Werken, die 1909 anlässlich dessen 100. Todestages komponiert wurden. Die französische „Revue musicale“ hatte Komponisten aufgefordert, ein Stück auf die Noten H-A-Y(= D)-D-N(= G) als Reverenz an den Meister zu schreiben. Dieser Aufforderung folgten Claude Debussy, Paul Dukas, Reynaldo Hahn, Vincent d’Indy, Maurice Ravel und Charles Widor. Diese 21 kurzen Stücke werden von Paul Gulda miteinander verschachtelt, wie zwei „Gitter“ verzahnen sich Sulzers Monologe mit den anderen Werken und nehmen aufeinander Bezug. Aus Sulzers Monologen werden gleichzeitig Dialoge.
Im zweiten Teil malt Erdmuthe Scherzer-Klinger „in Echtzeit“ zu Improvisationen von Paul Gulda am Klavier. Diese Improvisationen reflektieren das Material des ersten Teils – der Dialog wird weitergeführt. Erdmuthe Scherzer-Klinger, geboren in Berlin, lebt und arbeitet seit 1976 in Linz. Sie ist Mitglied des Oberösterreichischen Kunstvereines Linz und des Künstlerhauses Wien. Seit 1994 nimmt sie an zahlreichen Ausstellungen im In- und Ausland teil und gestaltete u. a. die Musikschule Engelhartszell.
Paul Gulda ist als Kammermusikpartner gleichermaßen erfolgreich wie als Solist mit namhaften Orchestern. 1997 debutierte er als Dirigent in Linz. Er erstellte das Konzept und die Präsentation von „Stimmen im Widerhall. Ein musikalischer Diskurs“ zum 54. Jahrestag der Befreiung des Konzentrationslagers Mauthausen. Seit 2001 ist Paul Gulda Gastprofessor an der Musikuniversität Wien.
AUGENMUSIK
Das Konzert kann mehrdimensional gedacht und erlebt werden. Es gibt die
Dimension des Klanges, der in sich Dimensionen von Tonhöhe, Lautstärke und vor allem DAUER (= Zeit) einschließt.
Es gibt die Dimension von optisch/strukturell zu imaginierenden „Gittern“ und ihren Bezügen. Farbige Spots sollen dieses Element unterstreichen. Im zweiten Teil wird
diese „rationale Struktur“ von der Emotion des Augenblicks gewissermaßen
„überwölbt“.
Mo 21. September 09 | Brucknerhaus | Großer Saal | 19:30
Martin Grubinger - The Percussive Planet
Werke von Aaron Copland, Astor Piazzolla, George Gershwin, Martin Grubinger u. a.
Der junge Salzburger Multipercussion Artist Martin Grubinger, ausgezeichnet
mit zahlreichen internationalen Preisen und von einem weltweit begeisterten
Publikum gefeiert, stellt sich mit Freunden beim diesjährigen Brucknerfest
ein. Gemeinsam mit ihnen lässt er Linz zum „Percussive Planet“ werden und
gibt Einblick in die Vielfältigkeit und Faszination der Schlagwerkkunst des
20. und 21. Jahrhunderts.
Das Klischee der ewig lauten Krachmacher lastet der Gilde der Schlagwerker
seit jeher an – zu Unrecht, wie der junge österreichische Musiker Martin Grubinger in den letzten Jahren eindrucksvoll unter Beweis zu stellen vermochte. Schlagwerk zu spielen bedeutet bei Weitem mehr, als mit Schlägeln zum richtigen Zeitpunkt auf eine Trommel zu schlagen. Doch niemand dürfte wohl mit einem derart fulminanten künstlerischen Feuerwerk gerechnet haben, als Martin Grubinger im Finale des renommierten EBU-Wettbewerbs in Norwegen Bruno Hartls für ihn komponiertes „Konzert für Marimbafon, 4 Pauken, Percussion und Orchester“ zur Uraufführung brachte. Seither gehört der 1983 in Salzburg geborene Musiker zu den Weltbesten und Vielseitigsten seines Faches.
Seine Weltkarriere konnte Martin Grubinger gleich auf dem richtigen Instrumentarium starten, ist doch der Vater selbst Schlagwerker und -lehrer. Er war es auch, der ihm den ersten Unterricht gab. Als 15-Jähriger studierte Martin Grubinger am Bruckner-Konservatorium Linz, seit dem Jahr 2000 auch parallel dazu am Mozarteum Salzburg. In den letzten Jahren ging es dann steil bergauf, als Preisträger nationaler und internationaler Wettbewerbe und als herausragender Solist mit führenden Orchestern und Ensembles eroberte er sich ein weltweites Publikum. Das Repertoire des Multipercussion Artist beinhaltet verständlicher-weise sehr
viel Literatur des 20. und 21. Jahrhunderts, Originalliteratur für sein Instrumentarium, darunter mehrere speziell für ihn komponierte Werke. „Ich glaube, dass die Zeit dafür reif ist, die solistische Multipercussion im Konzertgeschehen zu etablieren. Ich denke, dass sie auch ein junges Publikum anlocken kann, denn das Schlagzeug übt ja immer wieder auf Jugendliche eine besondere Faszination aus.“ Dabei spielt es weniger Rolle, ob E- oder U-Musik. „Der Groove muss stimmen. Man spürt sofort, ob die Musik aus dem Bauch heraus kommt.“
Di 22. September 09 | Brucknerhaus | Großer Saal | 19:30
Ohad Talmor - Mass Transformation
Messe in f-Moll von Anton Bruckner
transformiert für Nonet feat. Spring String Quartet
Ohad Talmors Transformation von Bruckners 3. Messe stellt den Versuch einer
völlig neuen „Lesart“ des Originalwerkes dar, geschrieben für eine neue Generation von Spitzenmusikern mit multikulturellem Hintergrund, die sowohl über eine gediegene klassische Ausbildung als auch über großes improvisatorisches Können verfügen. Talmors Musik erlaubt eine ikonoklastische Erkundung der Klänge, Klangtexturen und Melodien, wobei sie jedoch stets dem Geiste Bruckners treu bleibt und so großen Respekt vor dem Meister zum Ausdruck bringt.
Ohad Talmor ist Saxofonist, Komponist und Arrangeur. Er ist in Israel geboren, wuchs aber in der Schweiz auf und lebt jetzt schon lange in New York/Brooklyn. Er tritt regelmäßig mit seiner eigenen Band, der OHAD TALMOR NEWSREEL, auf
(mit Shane Endsley, Dan Weiss, Jacob Sacks, Matt Pavolka) und auch mit Musikern wie Jason Moran, Dave Douglas, Carla Bley Big Band, Billy Hart und vielen anderen. Die meisten stehen nicht bei großen Labels unter Vertrag, und das ist gut so. Er ist
musikalischer Direktor bei drei Projekten unter der Leitung von Lee Konitz, für die er schreibt, arrangiert und musiziert: das Lee Konitz New Nonet, das Konitz-Talmor String Project und die Konitz-Talmor Big Band. Er tritt auch mit dem Steve Swallow 6tet & Trio auf und hat für viele verschiedene Ensembles Kompositionen geschrieben, so für die Brecker Brothers, die Portugese Big Band Orquestra Jazz Matosinhos, die Big Band de Lausanne und auch für führende klassische Musiker wie Martha Argerich, das Spring String Quartet aus Österreich und das Axis String Quartet aus New York. Ohad Talmor hat an der Manhattan School of Music Komposition studiert, die Urkunde dazu ruht mittlerweile auf dem Boden einer Kiste in seinem Keller. Jeden Tag verbringt Ohad Talmor gar nicht so wenig Zeit mit dem Spiel auf einer Bansuri, einer indischen Bambusflöte, zu keinem anderen Zweck, als um darauf zu spielen.
Ohad Talmor (USA) Komponist, Tenorsaxofon, musikalische Gesamtleitung
Judith Berkson (USA) Gesang, Keyboard
Shane Endsley (USA) Trompete
Pete McCann (USA) E-Gitarre
Mark Ferber (USA) Schlagzeug
Spring String Quartet (AUT)
Christian Wirth 1. Violine, E-Violine
Marcus Wall 2. Violine
Julian Gillesberger Viola
Stephan Punderlitschek Violoncello
Do 24. September 09 | Brucknerhaus | Mittlerer Saal | 19:30
Heinrich Schiff Violoncello
Patricia Kopatchinskaja Violine
Polina Leschenko Klavier
J. Haydn: Klaviertrio
F. Mendelssohn Bartholdy: Klaviertrio c-Moll op. 66
M. Ravel: Klaviertrio a-Moll
Wie auch im Bereich des Streichquartetts schuf Joseph Haydn mit seinen an
die dreißig Klaviertrios aus den Jahren 1784/1785, 1789/1790 und 1794 bis
1797 wichtige Werke für diese Gattung. Dabei erweiterte er vor allem in seinen späteren Kompositionen den bisher üblichen formalen wie harmonischen Rahmen.
Auch Felix Mendelssohn Bartholdy wollte gerne „einige gute Klaviertrios komponieren“, wie er schon 1832 seiner Schwester Fanny mitteilte. Es sollten allerdings mehrere Jahre vergehen, bis 1839 sein erstes und schließlich 1845 sein zweites Klaviertrio in c-Moll op. 66 entstanden. Letzteres, ein gleichermaßen transparentes wie leidenschaftliches Werk, war das Ergebnis einiger Monate, die der Komponist „sans Reise, sans Musikfest, sans everything“ verbringen wollte. Mendelssohn selbst hielt dieses Klaviertrio für „ein bisschen eklig“ zu spielen, was wohl auf den hohen Schwierigkeitsgrad hinweist.
Gewidmet wurde das Werk dann auch dem hervorragenden Geiger Louis Spohr. Im
letzten Satz
verwendete Mendelssohn den Choral „Vor Deinen Thron tret ich hiermit“ aus dem Genfer Psalter von 1551. Uraufgeführt wurde das Trio 1845 bei einer
„musikalischen Abendunterhaltung“ im Leipziger Gewandhaus, wobei Mendelssohn
selbst den Klavierpart übernahm. Maurice Ravel komponierte nur ein Werk dieser Gattung, sein Klaviertrio in a-Moll aus dem Jahre 1914. Er verstand es, rhythmische, harmonische wie auch melodische Elemente aus unterschiedlichen Kulturen und Epochen organisch miteinander zu verbinden. So erklingen hier neben einer streng durchgeführten Passacaglia und klassischen Rhythmen auch baskische Volkstänze und einige der südosteuropäischen Volksmusik entlehnte asymmetrische Rhythmen. Im Scherzo setzte Ravel schließlich eine aus Malaysia stammende Reimform musikalisch um. Trotzdem bezeichnete der Komponist selbst sein Klaviertrio als „fast zu klassisch“.
Do 24. September 09 | Schloss Traun | 20:00
Eine Zusammenarbeit von der Vest GmbH und Brucknerhaus Linz
Wolfram Huschke
- Huschkes kleine Nachtmusik
ÖSTERREICHPREMIERE!
Ein Klangbad – ein Fest der Töne.
Wolfram Huschke ist ein Wanderer zwischen den Welten, der mit dem
Violoncello als Medium das Leben interpretiert und sich unbeirrt in die
Herzen seiner Zuhörer spielt.
Wolfram Huschke ist ein hochsensibler, technisch brillanter Cellist mit unglaublicher Fantasie, mit einer ungeheuren stilistischen Bandbreite, deren Schattierungen und krasse Gegensätze er in wenigen Takten zusammenzufassen versteht, ohne dass man den Wechsel sofort bemerkt. Er ist jemand, der seine Begeisterung für die Musik und seinen unbeschreiblichen Spaß am Umgang mit ihr auf mitreißende Weise und vielerlei Arten mitzuteilen versteht; ein Mann, der Witz und Charme hat und dessen kokette Mischung aus schüchternem Flirt und draufgängerischer Zurückhaltung, aus reizender Verlegenheit und purer Erotik, launiger Gemütlichkeit und heiterem Ernst wohl ausnahmslos jeden in den Bann schlägt.
Huschke, der Cellist, ist ein Entertainer, der sich um musikalische Schubladen wenig kümmert. Er wandert zwischen den Zeilen der Musikgeschichte und sorgt für einen außergewöhnlichen Abend mit hohem Unterhaltungswert. So streicht, zupft, brabbelt und singt sich Huschke virtuos und sensibel durchs Leben ohne Vorbehalte.
Ein herkömmlicher Celloabend? Weit gefehlt, denn wenn Huschke, erst mal in
Fahrt, zum Elektrocello greift, wird auch der letzte Zuhörer vergessen, in einem Cellokonzert zu sitzen. Das Konzert wird mittels Fotografien von Huschke selbst visualisiert.
AUGENMUSIK
Ich wähle zeitnah vor Konzerten Bilder aus – die – während ich eine Cellostimme live im Konzert aufnehme – auf einer Projektionswand erscheinen. Nach der Aufnahme der einen Stimme im Konzert bleibt das letzte Bild stehen und ich spiele zu der
aufgenommenen Stimme ein Solo als Reflektion. Detailaufnahmen, urbane Aufnahmen & Natur stehen dabei neben Aufnahmen und Ausschnitten – komplexerer Gemälde zeitgenössischer Maler wie dem wunderbaren Hamburger Maler & Bildhauer Lutz Braemer im Mittelpunkt.
Fr 25. September 09 | Stiftsbasilika St. Florian | 19:30
Bruckner Symphonie Nr.9
D-Moll WAB 109 mit Finalsatz von Heinz Winbeck
Bruckner Orchester Linz
Dennis Russell Davies Dirigent
„Mit ’m Beethoven werd’ i’ mi’ do’ nöt messen! In d-Moll is’ schon, weil ’s so viel a schöne Tonart is’, aber mit an Chor wia Beethoven – na, so dumm is’ der Bruckner nöt. Was kann i’ dafür, daß mir ’s Hauptthema in d-Moll eing’fall’n is’.“ Das hat Anton Bruckner, der wie Ludwig van Beethoven – sein Œuvre lag damals wie ein Schatten über dieser bedeutenden klassischen Gattung – seine 9. Sinfonie in d-Moll komponierte, angeblich über das „dem lieben Gott“ gewidmete Werk gesagt.
Bereits kurz nach der Vollendung der 8. Sinfonie begann Bruckner, im Sommer
1887 an der 9. zu arbeiten. Dieses Werk sollte ihn aber lange beschäftigen,
nahm er doch in den darauffolgenden Jahren unter anderem viele Umarbeitungen
älterer Sinfonien vor. So schloss Bruckner erst im November 1894 das Adagio
ab, seinen letzten vollendeten Sinfoniensatz. Das Finale konnte er aufgrund seines schlechten gesundheitlichen Zustandes nicht mehr fertigstellen, doch soll er noch an seinem letzten Lebenstag im Oktober 1896 daran gearbeitet haben. Zu den vielen Anekdoten, die sich um den oberösterreichischen Komponisten ranken, zählt wohl auch folgende Erinnerung seines Arztes Richard Heller: „Ich glaube, einige Äußerungen Bruckners dahin deuten zu müssen, dass er in seinen Ideen gewissermaßen mit dem lieben Gott einen Kontrakt abgeschlossen habe. Wenn der liebe Gott will, dass er die Symphonie, die ja ein Preislied Gottes werden sollte, fertigmache, so müsse er ihm ebenso lange das Leben schenken; stürbe er früher, so hat sich das der liebe Gott selber zuzuschreiben, wenn er ein unvollendetes Werk
bekommt.“ Der „liebe Gott“ wollte offenbar nicht. Vielleicht ist Bruckner – so Manfred Wagner – aber auch zu keinem Ende gekommen, weil er nicht wusste, was er denn anstelle des Beethoven’schen Chorfinales als Abschluss seiner Neunten hätte schreiben sollen. Und vielen gilt das Werk auch in seiner dreisätzigen Form als vollendet.
Uraufgeführt wurde die Sinfonie im Jahre 1903 in Wien unter Bruckners Schüler Ferdinand Löwe, der das Werk auch bearbeitet hatte – erst 1932 erklang sie in ihrer Originalfassung. Mittlerweile beschäftigten sich über zwanzig Komponisten mit der Vollendung des Finalsatzes; schließlich wurde vor einigen Jahren auch Heinz Winbeck (* 1946) vom Brucknerhaus damit beauftragt. Über die Verbindung seiner eigenen Musiksprache mit derjenigen vergangener Epochen meint der deutsche Komponist: „Die Nähe zu den Werken der Vergangenheit passiert mir nicht, ich stelle sie bewusst her.“
Sa 26. September 09 | 9:00 – 21:30
Treffpunkt: 9:00 im Foyer des Brucknerhauses
ORGELREISE
„Auf den Spuren des Improvisators Anton Bruckner“
Eine Hommage an Bruckners Improvisationskunst.
Organisten: Jaroslav Tüma, Wolfgang Kreuzhuber, Andreas Etlinger,
Heinrich Reknagel, Balduin Sulzer
Inhaltliche Reisebegleitung: Ivan Slavik, Wolfgang Kreuzhuber
Die Orgelreise findet heuer am 26.9.2009 im Rahmen des Brucknerfestes statt
und ist ein Projekt der sunnseitn-Serie „Das Brucknerhaus geht aufs Land
hinaus“. Sowohl Geschichte der Improvisation von Bruckners Zeit bis heute
als auch das Nachspüren der „Improvisationswut“ Anton Bruckners sind
Themen dieser Reise, die auch Spuren der Orgelbaudynastie Breinbauer kreuzen
wird.
Josef Breinbauer, Orgelbaumeister in Ottensheim, hatte aufgrund seiner Tätigkeit regen Kontakt zu Anton Bruckner, der ihn auch für Orgelprojekte im heutigen Oberösterreich und in Südböhmen empfahl. Sein Sohn Leopold vollendete 1884 die Orgel in der Siftskirche Wilhering. Diese Orgel, auf der Bruckner spielte, wird mit der berühmten Rumel-Orgel die erste Station der Orgelreise 2009 sein. Anschließend begeben wir uns auf die Spuren des Landlergeigers und Schulgehilfen Anton Bruckner nach Windhaag bei Freistadt, von wo er in seiner Jugendzeit ins heutige Tschechien wanderte, um sich durch das Aufgeigen bei Festen, Hochzeiten und Tanzveranstaltungen ein Zubrot zum geringen Lehrergehalt zu erspielen.
Nach einem Mittagessen bei Geigenmusik und der Besuchsmöglichkeit der
historischen Schule und des Brucknerzimmers in Windhaag steuern wir berühmte romantische Orgeln aus der Breinbauerwerkstatt in Kalsching/Chvalsiny und Hohenfurth/ Vyssi Brod in Tschechien an. In Kalsching steht neben den musikalischen Improvisationen auch der Besuch des Rosenauermuseums auf dem Programm und wir werden den Nachfolger des einstigen Erbauers und Direktors des Schwarzenberg’schen Schwemmkanals treffen.
Die Hauptorgel des von den Wilheringer Zisterziensern gegründeten Stiftes
Hohenfurth ist eines der größten Orgelwerke Leopold Breinbauers. In der Stiftskirche wird es zur Welturaufführung einer Improvisation an zwei Orgeln über die Motette Anton Bruckners „Vexilla regis prodeunt“, WAB 51 kommen. „Ich habe es nach reinem Herzensdrange komponiert“, schrieb Bruckner über seine 1892 entstandene letzte kleine Kirchenkomposition.
Nach einem Abendessen mit Musik führt die Reise über die Teufelsmauer – ein
grandioses Naturdenkmal Südböhmens – zurück nach Linz, wo wir beim Brucknerhaus um ca. 21:30 ankommen werden.
Sa 26. September 09 | Brucknerhaus | Großer Saal | 19:30
Brahms - Liebeslieder-Walzer
Barbara Bonney Sopran
Ruxandra Donose Mezzosopran
Rainer Trost Tenor
Robert Holzer Bass
Thomas Kerbl Klavier
Die 18 Liebeslieder-Walzer op. 52 entstanden im Sommer 1868. Sie beinhalten
eine lockere Folge von Liebesliedern auf lyrisch-schwelgende, heiter-ironische, aber auch energisch-bestimmte Texte, über die der Komponist selbst urteilte: „Übrigens möchte ich doch riskieren, ein Esel zu heißen, wenn unsere Liebeslieder nicht einigen Leuten Freude machen.“
Vor der Veröffentlichung des Werkes im folgenden Jahr kam es zu einem Streit
zwischen Brahms und seinem Verleger Simrock über die Besetzung des Werks:
Simrock fügte dem Titel eigenmächtig die Bezeichnung „mit Gesang ad libitum
“ hinzu, um größere Käuferschichten anzusprechen. Brahms stimmte widerwillig zu,
beharrte aber darauf, die Gesangsstimmen mit zu veröffentlichen und eine reine Klavierausgabe erst später folgen zu lassen. Brahms erstellte nach einigen Jahren eine eigene Fassung für Klavier zu vier Händen ohne Gesang (op. 52a).
Die Liebeslieder-Walzer werden von einem hochkarätigen Solistenquartett
interpretiert: Barbara Bonney feiert in den großen Opernhäusern Triumphe und ist auch auf den internationalen Konzertbühnen oftmals Gast. Ruxandra Donose
war ab 1992 Mitglied der Wiener Volks- und Staatsoper, von hier aus entwickelte sich eine rasante, internationale Karriere sowohl als Opernsängerin als auch als Lied- und Oratoriuminterpretin. Rainer Trost ist neben seinen vielfältigen Verpflichtungen als Opernsänger ein weltweit gefragter Konzertsänger. Zu seinem Repertoire zählen unter anderem Lieder von Benjamin Britten, Monteverdi, Mozart, Schubert und Bach.
Der Bass Robert Holzer, mit besonderer Vorliebe für Wagner-Partien, lehrt an der
Bruckner-Universität in Linz und ist auch im Konzertfach von der Klassik bis zur Moderne zu Hause. Thomas Kerbl als Pianist interpretiert in gewohnt gekonnter Weise den Klavierpart der Liebeslieder-Walzer.
Sa 26. September 09 | So 27. September 09 I Posthof | 20:00
Theater im Brucknerfest – Österreich-Premiere
Maxim Gorki Theater Berlin & Thalia Theater Hamburg:
FRÄULEIN SMILLAS GESPÜR FÜR SCHNEE
Fräulein Smillas Gespür für Schnee von Peter Høeg
Dramatisiert von Armin Petras und Juliane Koepp
Es spielen: Susanne Wolff, Peter Jordan
Regie: Armin Petras
Bühne und Kostüme: Susanne Schuboth
Dramaturgie: Juliane Koepp
Peter Høegs Roman aus dem Jahr 1992 avancierte zum internationalen Bestseller. Die Inszenierung bringt die Geschichte über Mord, Freundschaft, Verrat, Einsamkeit und eine Umweltkatastrophe mit zwei Schauspielern auf die Bühne.
Ein sechsjähriger Junge stürzt vom Dach eines Wohnhauses in Kopenhagen. Für
die Behörden ist es ein Unfall. Allein die arbeitslose Naturwissenschaftlerin Smilla Jaspersen, Tochter einer Inuk und eines dänischen Arztes, erkennt, dass dieser Sturz kein Unglück, sondern ein Verbrechen war. Sie begibt sich auf die Suche nach Jesajas Mörder. Ihre Nachforschungen ergeben eine Verbindung zwischen dem Tod des Jungen und zwielichtigen Expeditionen ins ewige Eis. Die privaten kriminalistischen Ermittlungen werden für Smilla zum Anlass, sich ihrer eigenen Entwurzelung zu stellen. Mit ihren Erinnerungen an Jesaja, der wie sie aus Grönland
stammte, kehren Bilder ihrer Kindheit zurück – und ihr Gespür für Schnee, das sie verlor, als sie aus der Welt der Inuit herausgerissen wurde, um in Kopenhagen ein neues Leben zu beginnen.
So 27. September 09 | Brucknerhaus | Großer Saal | 18:00
Haydn - Il mondo della luna - Die Welt auf dem Monde
Dramma giocoso in 3 Akten. In deutscher Sprache.
Bruckner Orchester Linz
Martin Sieghart Leitung
Buonafede: Frans Fiselier
Ecclitico: Herbert Lippert
Ernesto: Hermine Haselböck
Lisetta: Christa Ratzenböck
Cecco: Christian Baumgärtel
Clarice: Ileana Tonca
Flaminia: Anna Siminska
„Jedes Orchester, das gut Haydn spielen kann, kann auch gut Bruckner spielen. Umgekehrt ist das keineswegs so: Darum wird es unter meiner Leitung viel Haydn geben.“ Dies schrieb Martin Sieghart 1992 zum Beginn seiner Tätigkeit als Chefdirigent des Bruckner Orchesters. Als sollte er nun den Beweis dafür antreten, wurde er eingeladen, wieder einmal mit dem Orchester zu musizieren, und zwar nicht Bruckner, Mahler oder Beethoven – auch das wäre interessant gewesen, um zu sehen, wo der Partner gerade steht –, sondern Joseph Haydns selten gespielte Oper
„Il mondo della luna“.
Dieses „dreiaktige Dramma giocoso“ war Haydns siebente Oper und wurde im
August 1777 in Schloss Eszterháza im Rahmen von Hochzeitsfeierlichkeiten
uraufgeführt. Als Libretto wählte der Komponist bereits zum dritten Mal einen Text des berühmten italienischen Komödiendichters Carlo Goldoni, der allerdings von einem unbekannten Schriftsteller bearbeitet wurde. „Die Welt auf dem Monde“ hat sowohl ernste als auch komische Elemente. Buonafede, Cecco und Lisetta sind reine Buffo-Figuren, Ernesto und Flaminia gehören zu den ernsten Rollenfächern, Clarice und Ecclitico sind irgendwo in der Mitte angesiedelt. Musikalisch gesehen hat Haydn, der auch viele lyrische Stellen geschrieben hat, allerdings die „ernsteren“ Teile
bevorzugt. So konnte er 1782 eine von Ernestos feierlichen Arien zum Benedictus der Mariazeller Messe umarbeiten. Und die prächtige Ouvertüre wurde zur Grundlage des ersten Satzes der 63. Symphonie „La Roxelane“. Haydn war mit seinen heute nahezu
unbekannten Opern zu seiner Zeit so erfolgreich, dass Maria Theresia über
„Il mondo della luna“ und ähnliche Werke geäußert haben soll, man müsse schon nach Eszterháza gehen, um gute Opern zu hören – heuer ist das auch in Linz möglich.
AUGENMUSIK
In die medienkünstlerische Gestaltung der konzertanten Aufführung von Haydns
„Il mondo della luna“ werden Dirigent, Orchester und Solisten nicht nur indirekt, sondern aktiv eingebunden. Auf diese Weise wird das Spektrum der dem Dirigenten und dem einzelnen Musiker zur Verfügung stehenden Ausdrucksmittel um eine visuelle Komponente erweitert. Eine in Echtzeit generierte Bildwelt ergänzt sich mit der durch die Musiker erzeugten Klangwelt im Konzertsaal zu einem interaktiven multisensorischen Wahrnehmungsraum. Die dreidimensionale Visualisierung dient dabei als Trägermedium für eine zusätzliche Erzählebene. Die musikalische
Interpretation erreicht das Publikum durch die unmittelbare Kopplung an die virtuelle Inszenierung über außergewöhnliche – vorrangig emotionale – Kanäle und erschließt damit neue Zugänge zu Haydns Komposition und dem Stoff der Oper.
Die Oper von Haydn „Il mondo della luna“ wird vom Ars Electronica Futurelab visualisiert.
Mo 28. September 09 | Brucknerhaus | Mittlerer Saal | 19:30
Anton Bruckner Quartett
Heinz Haunold 1. Violine
Mario Seriakov 2. Violine
Walter Haas Viola
Stefan Tittgen Violoncello
A. Bruckner: Streichquartett c-Moll WAB 111
J. Haydn: Kaiserquartett op. 76 Nr. 3 Hob.III:77
Das Anton Bruckner Quartett zählt zu den Stützpfeilern des Brucknerfestes.
Konzertmeister und Solisten des Bruckner Orchesters Linz garantieren immer
für höchste Qualität ihrer Konzerte. Beim Brucknerfest 2009 stehen Werke von Anton Bruckner und Joseph Haydn auf dem Programm.
In Bruckners künstlerischem Leben, das ganz der Entwicklung großer musikalischer Formen gewidmet war, nahm die Kammermusik einen kleinen Platz ein: Bruckner komponierte nur zwei echte kammermusikalische Werke. Im Jahre 1862 entstand das Streichquartett in c-Moll, mehr als eineinhalb Jahrzehnte später folgte ein Streichquintett. Das Quartett in c-Moll schrieb Bruckner im Rahmen seiner Kompositionsstudien bei Otto Kitzler. Durch Kitzler, seinerzeit Erster Kapellmeister am Linzer Orchester und zehn Jahre jünger als sein Schüler, kam Bruckner erstmals mit der neueren Musik seiner Zeit in Kontakt, insbesondere mit Richard Wagner, was für seine weitere künstlerische Entwicklung entscheidend werden sollte. Davon abgesehen widmete sich Bruckner unter Kitzlers Leitung aber auch kompositorischen
Studien auf der Basis der historischen Musik. Das Vorbild der Klassiker ist auch im Streichquartett in c-Moll deutlich sichtbar.
Ebenfalls auf dem Programm steht ein Streichquartett Joseph Haydns: Neben
den Symphonien und den Klaviersonaten nimmt diese Gattung im Schaffen Haydns
einen zentralen Platz ein. Bereits zu seinen Lebzeiten erschien die erste
Gesamtausgabe, zwar noch unvollständig, umfasste jedoch immerhin 80 Werke.
Verleger war Haydns Schüler Ignaz Pleyel. Die enorme Hochachtung, die Haydn
genoss, zeigt sich an der Verehrung zweier großer Meister: Mozart betonte, dass er das Quartettschreiben von Haydn gelernt habe. Und Beethoven schrieb das erste der Haydn-Quartette op. 20 Takt für Takt ab.
Di 29. September 09 | Alter Dom | 19:30
Anton BRUCKNER
Geistliche Musik aus der Zeit in Oberösterreich
Chorvereinigung Bruckner 09
Kammerchor der Anton Bruckner Privatuniversität Linz
Ensemble Linz
Josef Sabaini Violine
Mariko Onishi Klavier
Philipp Sonntag Orgel
Thomas Kerbl Dirigent
A. Bruckner: Die geistlichen Chorwerke der Zeit von St. Florian und Linz 1845–1868
Werke für Klavier, Violine und Orgel 1846–1884
Mit einem Konzert der selten aufgeführten „Männerchöre“ von Anton Bruckner
wurde 1998 eine neue Reihe der Dokumentation der Bruckner’schen Vokalwerke
gemeinsam mit Thomas Kerbl eingeleitet.
Das Brucknerfest 2009 bringt als Fortsetzung die kirchenmusikalischen Werke
der St. Florianer und Linzer Zeit, verbunden mit dem Gesamtwerk für Orgel
und Klavier sowie seiner einzigen Komposition für Violine und Klavier. Die 23 Jahre, welche Anton Bruckner zwischen 1845 und 1855 zuerst in St. Florian und dann 1855 bis 1868 in Linz verbrachte, sind Zeugnis seiner stetig wachsenden Meisterschaft als Organist und Komponist. In seinem Wirken als Stiftsorganist in St. Florian und später als Domorganist im Alten Dom in Linz finden sich die Wurzeln der Vielfalt an kirchlichen Kompositionen jener Epoche, welche schließlich kurz vor seiner Berufung nach Wien mit der Komposition der drei großen Messen und seiner 1. Symphonie in c-Moll ihren meisterhaften Abschluss fand. Bei niemand Geringerem als Simon Sechter, berühmter Musiktheoretiker in Wien und Lehrer unter anderem von Franz
Schubert, fand er Aufnahme und Unterricht. Dieser Unterricht fand in erster
Linie in Briefform statt. Neben seiner Tätigkeit als Domorganist und Organist der Stadtpfarrkirche übernahm Bruckner 1860 auch die künstlerische Leitung der Liedertafel „Frohsinn“. Dies war eine zentrale Institution des Männerchorwesens in Linz, wovon zahlreiche Konzerte und Werke für dieses Ensemble Zeugnis geben, die auch sehr gut die vielfältige Tätigkeit von Anton Bruckner in seiner oberösterreichischen Zeit zeigen. So entstanden sämtliche Vertonungen des von Thomas von Aquin verfassten Textes „Pange Lingua“ sowie die beiden Vertonungen des „Libera me“. Eine besetzungstechnische Besonderheit weist der in St. Florian komponierte, selten aufgeführte 22. Psalm „Der Herr regieret mich, mir wird nichts
mangeln“ auf. Dies ist der einzige Psalm von Anton Bruckner, welcher vom Klavier begleitet wird. So werden am Konzertabend neben dem wenig überlieferten Orgelwerk und seiner einzigen Komposition für Violine und Klavier auch sämtliche Klavierwerke von Anton Bruckner zur Aufführung gebracht.
Mi 30. September 2009 | Brucknerhaus | Mittlerer Saal | 19:30
In hora mortis - ein Besuch
Installation für Sprecher, Streichquintett und Surround Elektronik von Helmut Jasbar
Karl Markovics Sprecher
Peter Gillmayr Violine
Laura Jungwirth Viola
Johann Gstöttner Viola
Martin Rummel Violoncello
Markus Kraler Kontrabass
Helmut Jasbar Live Electronics
Anlässlich des 20. Todestages von Thomas Bernhard 2009.
Der Abend vereinigt ausgewählte Texte über den Tod und über die Kunst des
Lebens durch die Menschheitsgeschichte, inspiriert durch ein Zitat unbekannter Herkunft: „Schlägt man einen Ton an, dann entsteht dieser, lebt auf und verschwindet wieder im Nichts. Im Leben hingegen versuchen wir den Tod so weit wie möglich hinauszuschieben.“
Zentral verankert in diesem kontemplativen Abend sind Gedanken von Thomas
Bernhard zu diesem Thema, vor allem sein Gedichtzyklus „In hora mortis“. Nur
wenige denken bei der Erwähnung des Namens Thomas Bernhard an den Lyriker.
In die Literaturgeschichte eingeschrieben hat er sich als zorniger Spötter, dessen bitterer Sarkasmus von Zynismus ununterscheidbar ist. Umso überraschender der Eindruck, den das Lesen von „In hora mortis“ (1958, Otto Müller Verlag) hinterlässt.
Der Titel ist dem Ave Maria entnommen und beschwört die Todesstunde und die
letzten Äußerungen eines Sterbenden. Dabei handelt es sich um 20 gebetsartige Gedichte, deren erste Zeile lautet: „Wild wächst die Blume meines Zornes.“
Beinahe fühlt man sich genötigt, den schmalen Band ungelesen wieder
beiseitezulegen, so intim, so bohrend und verzweifelt drängen uns die Verse
entgegen. Unwillkürlich bewundert man den Mut, dessen es bedurft haben muss,
„In hora mortis“ zu veröffentlichen, entspricht seine Inbrunst doch ganz und gar nicht dem (auch von Bernhard selber gepflegten) Image des Weltverächters.
o mein Gott ich weiß nicht mehr / wohin mein Weg mich führt/
ich weiß nicht mehr was gut und schlecht ist / auf den feldern.
Helmut Jasbar:
„Ändert sich unser Bild von Bernhard durch das Lesen seiner Lyrik? War er im
Kern seines Wesens ein verletzter Mensch, der Gott insgeheim anflehte? Ich weiß es nicht, aber ich vermute, dass er wie alle Zeitgenossen auch diese seelische Möglichkeit in sich getragen hat. Meine Komposition ,In hora mortis‘ will gemeinsam mit den wunderbaren Musikern und der einfühlsamen Performance von Karl Markovics diese Erschütterung auf zeitgemäße Weise aufgreifen.“
Fr 2. Oktober 09 | Brucknerhaus | Großer Saal | 19:30
BRUCKNER ORCHESTER LINZ
HK Gruber Dirigent
Håkan Hardenberger Trompete
HK Gruber: Hidden Agenda (ÖEA)
„Busking“ concert for trumpet and string orchestra (ÖEA)
Ch. Ives: Three Places in New England
J. Adams: My Father Knew Charles Ives
Der Komponist, Dirigent und Chansonnier HK Gruber ist eine der bekanntesten und beliebtesten Persönlichkeiten der zeitgenössischen Musikszene Österreichs.
Gruber, 1943 in Wien geboren, war als Kind bei den Wiener Sängerknaben und
wurde 1961 als Kontrabassist Mitglied des Ensembles „die reihe“, dessen
künstlerischer Leiter er heute noch ist. 1969 bis 1998 spielte er beim Wiener Radio-Symphonieorchester Kontrabass. Mit dem Bruckner Orchester Linz präsentiert Gruber die österreichische Erstaufführung zweier eigener Werke, Solist ist der Trompeter Håkan Hardenberger, für den Gruber auch andere Werke komponiert hat.
Ab September 2009 steht eine neue Herausforderung für den Künstler an. Der
Österreicher wird Hauskomponist der BBC Philharmonic.
HK Gruber soll auch das Orchester für zwei Konzerte pro Saison in Manchester
dirigieren und sowohl eigene Kompositionen als auch Werke anderer Komponisten einspielen. Auf dem Programm stehen außerdem zwei Werke, die New England in den Mittelpunkt ihrer Betrachtung stellen: Charles Ives’ (1874–1954) „Three Places in New England“ als Hommage und Liebeserklärung an diese Landschaft. Ives zählt zu den bedeutendsten amerikanischen Komponisten, dessen Verdienste jedoch erst spät gewürdigt wurden. In Ives’ Werken spielt die typische amerikanische Musik eine große Rolle, und sie fließt auch in „Three Places“ ein, um ein Gemälde von amerikanischer Lebensart, Idealen und Patriotismus um 1900 zu malen. John Adams, geboren 1947, führte diesen Gedanken weiter: In „My Father Knew Charles Ives“ setzt er drei weiteren Plätzen in New England ein Denkmal und betont, dass sein Vater
und Charles Ives einander zwar nicht wirklich gekannt hätten, dass dies aber im Bereich des Möglichen gelegen sein könnte: „Both were businessmen by day and artists by night.“
Sa 3. Oktober 09 | Stiftsbasilika St. Florian | 19:30
Wiener Singakademie
AmbassAde Orchester Wien
Heinz Ferlesch Dirigent Bruckner
Julian Gillesberger Dirigent Schubert
Ellen van Lier Sopran
Michaela Selinger Alt
Herbert Lippert Tenor
Markus Miesenberger Tenor
Reinhard Mayr Bass
A. Bruckner: Os justi, Virga jesse, Tantum ergo, Ave Maria
F. Schubert: Messe Es-Dur
Gedenkkonzert für Prof. Dr. Hans Gillesberger.
Prof. Dr. Hans Gillesberger (1909–1986) gilt als einer der bedeutendsten Chorleiter der Nachkriegszeit. Geboren wurde er 1909 in Ebensee. Er war Leiter der Wiener Sängerknaben, der Wiener Singakademie und des Wiener Kammerchores. Unter seinen Schülern finden sich so klingende Namen wie Erwin Ortner oder Balduin Sulzer. Hans Gillesberger starb sechsundsiebzigjährig (1986) in Wien. Anton Bruckner und Franz Schubert gehörten zu Hans Gillesbergers Lieblingskomponisten. Vor allem die Messe in Es-Dur von Schubert hat der passionierte Dirigent sehr
geliebt. Aus Anlass seines 100. Geburtstages gestalten zwei namhafte Ensembles, mit denen Hans Gillesberger mehr als zwei Jahrzehnte gearbeitet hat, ein Gedenkkonzert mit bevorzugten Werken.
Die Es-Dur-Messe von Franz Schubert zählt zu den großartigsten Vertonungen
des Messtextes. Sie entstand in den Sommermonaten des letzten Lebensjahres
Schuberts (1828). Wie viele andere seiner großen Spätwerke (C-Dur-Sinfonie, Winterreise …) hat der Komponist selbst sie nie gehört. Schubert soll über das Werk gesagt haben, er habe „das Höchste in der Kunst“ angestrebt. Die Uraufführung fand am 4. Oktober 1829 in der Pfarrkirche „Heilige Dreifaltigkeit“ in Wien statt, in der Schuberts Freund Michael Leitermeyer Kapellmeister war. Das Publikum fand großen Gefallen daran und sie wurde mehrmals wiederholt.
Mo 5. Oktober 2009 | Brucknerhaus | Großer Saal | 19:30
Wiener Philharmoniker
Zubin Mehta Dirigent
B. Bartók: Konzert für Orchester
J. Brahms: Symphonie Nr. 4 e-Moll op. 98
Mit keinem ihrer Dirigenten verbindet die Wiener Philharmoniker so viel wie
mit dem 1936 geborenen Zubin Mehta, der sich „als zufällig in Bombay
geborener Wiener“ bezeichnet. Er hat in Wien beim Wiener Philharmoniker Otto
Rühm Kontrabass und bei Hans Swarowsky Dirigieren studiert und dirigiert „jetzt schon die dritte Generation von Wiener Philharmonikern“: Am 11. Juni 1961 fand sein philharmonisches Debüt im Musikverein statt, in den folgenden mehr als 40 Jahren hat er das Orchester bei über 170 Konzerten geleitet, Tourneen eingeschlossen. Seit 2001 zählt Zubin Mehta auch zu den wenigen Ehrenmitgliedern der Philharmoniker.
Béla Bartóks „Konzert für Orchester“ entstand unter widrigen Umständen: Nachdem der Komponist 1940 in die USA emigriert war, lebte er in sehr bescheidenen Verhältnissen und litt an Leukämie, was ihm jedoch von den Ärzten verheimlicht wurde. 1943 erhielt er von der Koussevitzky-Stiftung den Auftrag, ein neues Werk zu komponieren. Entgegen seinen Gewohnheiten versah er dieses Konzert mit programmatischen Notizen: „Die Grundstimmung des Werkes stellt einen stufenweisen Übergang vom Ernst des ersten und dem Klagelied des dritten Satzes zur Lebensbejahung des Finales dar.“
Die Sommermonate 1884 und 1885 verbrachte Johannes Brahms in der
Sommerfrische Mürzzuschlag. „Die Kirschen werden hier nicht süß“, schrieb er
an eine Freundin und spielte auf den herben Charakter seiner 4. Symphonie an, die er hier komponierte. Freunde und Bewunderer waren ratlos und verstört, sie verstanden die Tragik dieses Werkes nicht. Für Brahms waren die Symphonien nach Haydn eine Angelegenheit „auf Leben und Tod“ – in dieser seiner letzten Symphonie zieht Brahms den tragischen Schluss daraus: Der Tod hat gesiegt.
Ausverkauft!
AUGENMUSIK im Sommerkino
Alle Veranstaltungen auf dem OK-Platz im Sommerkinogelände Moviemento Programmkino in Kooperation mit dem Brucknerhaus. Bei Schlechtwetter im Kino oder OK-Mediendeck.
Heuer ist das Freiluftkino des Moviemento um einige Highlights reicher:
„Augenmusik“ bietet an sechs Freitagen ab 17. Juli cineastische Abende mit musikalischem Schwerpunkt. Die Bandbreite reicht vom Konzert der „Strottern“, die uns musikalisch auf die wunderbare Doku „Herzausreißer“ mit Wienerliedern
einstimmen, bis hin zum Projekt eines der arriviertesten Akkordeonisten unserer Zeit: Bratko Bibic (Mitglied des „Accordeon Tribe“), der seine Filmbilder und seine Musik zu einer Einheit verschmilzt. Yo Yo Mundi beglückten schon halb Europa mit ihren neuen Vertonungen alter Stummfilmklassiker.
Schön, dass sie auch nach Linz kommen. Naked Lunch sind sowieso eine Größe
in der österreichischen Popszene und Buster Fleischmann bringt mittels Elektronik eine neue Dimension in die stummen Bilder.
Fr 17. Juli | 20:30
Zurbrügg & Hudecek
Film mit musikalischem Live-Rahmenprogramm:
„Bleiben oder Gehen“
(AT, CH 2006, Regie: Christina Zurbrügg,
ausgezeichnet mit dem „Goldenen Drachen“)
Fr 24. Juli | 20:30
Stucky & Sina
„Toluheischis Vorläbu“ – Filme, Lieder und Geschichten aus dem Wallis &
Heimatklänge
(CH 2008, Regie: Stefan Schwietert)
Fr 31. Juli I 21:15
Bratko Bibic & Band
The Travelling Cinema of Bridko Bebic Presents: „Shiny sounds and flying
pictures“
Fr 7. August | 20:15
Die Strottern (Fraunhofer Volksmusikpreis 2009)
& Herzausreißer (AT 2008, Regie: Karin Berger)
Fr 14. August | 20:45
Yo Yo Mundi spielen live zu
Streik – Statschka (SU 1924, Sergej Eisenstein)
Fr 21. August | 20:30
Naked Lunch spielen live zu Universal Love
(AT 2009, Regie: Thomas Woschitz, Max Ophüls Preis 2009, bester Spielfilm)
Fr 28. August | 20:15
Buster Fleischmann – Live-Vertonung von
The General (USA 1926, Buster Keaton) mit neuem Score
So 13. September – Mo 5. Oktober 09 | Brucknerhaus |
Foyer Großer Saal
an Veranstaltungstagen ab 18:00 Uhr (mit gültiger Eintrittskarte)
Eröffnung der Ausstellung am Di 15. September 09 | 18:30
Ausstellung Augenmusik – Musik und Bild
Die Ausstellung im Großen Foyer des Brucknerhauses versucht, die
verschiedenen Aspekte der Begriffe Musik und Bild darzustellen. Teilweise
kann es nur eine Anregung sein, sich mit dem Thema tiefer zu befassen. Es
können Bilder über Musik sein, es können Bilder zur Musik sein, es kann aber auch in die Richtung von Musik zu Bildern gehen. Die Grenzen zwischen diesen
beiden Kunstgattungen sind fließend, die Zusammenhänge aber sehr eng, denkt
man z. B. an Paul Klee, Wassily Kandinsky oder Alexander Skrjabin.
Wolfgang Winkler
RÜCKFRAGEN:
Mag. Gernot Kremser / Presse & Öffentlichkeitsarbeit
Brucknerhaus Linz, Untere Donaulände 7, 4020 Linz
Tel.: +43/732/7612-2120, Fax: +43/732/7612-2130
E-Mail: g.kremser@liva.co.at, www.brucknerhaus.at
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