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Karl Weigl - Wochenende

08
Jan

Das letzte Jänner-Wochenende steht im Brucknerhaus Linz ganz im Zeichen des Wiener Komponisten Karl Weigl, der aufgrund seiner jüdischen Abstammung nach dem „Anschluss“ Österreichs an das nationalsozialistische Deutsche Reich 1938 nach New York emigrieren musste und dessen grandiose Werke fast 70 Jahre nach seinem Tod nahezu vollständig vergessen sind.

Klavier- und Kompositionsstudium, Solorepetitor an der Wiener Hofoper unter Gustav Mahler, Professor am Konservatorium, gefeierter Komponist, geachteter Lehrer und schließlich die Flucht vor dem nationalsozialistischen Regime: Stationen eines ereignisreichen Lebenslaufs, der sich in den eindringlichen Werken des Österreichers widerspiegelt. Während das Renommee Weigls, der schon 1910 einen Zehnjahresvertrag mit der Wiener Universal Edition abgeschlossen hatte, bis zu seiner Flucht stetig gewachsen war, wurden seine Werke nach der Emigration in seiner Heimat nicht mehr gespielt. In den USA konnte er nur schwer Fuß fassen und musste sich zumeist mit Teilzeitberufen als Lehrer und Redakteur begnügen.

Am 26. Jänner widmet sich der nicht zuletzt als Beethoven-Interpret weltweit gefeierte Michael Korstick, Professor für Klavier an der Anton Bruckner Privatuniversität, zusammen mit dem Serenus Quartett dem vielfältigen Kammermusikschaffen Weigls von den kraftvollen Werken der Wiener Jahre bis zu den innig-entrückten späten Komposition aus der Zeit der Emigration und präsentiert dabei drei europäische Erstaufführungen.

Am folgenden Tag, dem Internationalen Holocaust-Gedenktag, stehen zwei 1945 vollendete Werke auf dem Programm der Sonntagsmatinee: die in ihrer Form einzigartige Genesis Suite, die Werke von sieben Komponisten zu einem polystilistischen Gesamtkunstwerk aus Musik, Sprache und Gesang verbindet und erstmals in Österreich zu hören sein wird, und Weigls monumentale Apocalyptic-Sinfonie. Der Komponist selbst konnte das Werk niemals hören, es wurde erst am 27. Oktober 1968 – fast 20 Jahre nach seinem Tod am 11. August 1949 – in New York unter Leopold Stokowski uraufgeführt, der es schlicht „außerordentlich“ nannte.

Der Dirigent Thomas Sanderling, der sich seit Jahren für die Wiederentdeckung Karl Weigls einsetzt, bringt das klanggewaltige Opus zusammen mit dem Bruckner Orchester Linz im Großen Saal des Brucknerhauses zur europäischen Erstaufführung. „Sich dieses Wiener Meisters zu erinnern, wäre nicht nur Ehrenpflicht, sondern Gewinn“, konstatierte der Komponist Paul Josef Frankl schon 1948. Heute, 70 Jahre später, ist es nun wirklich an der Zeit. (AM)

Serenus Quartett © Serenus Quartett
Nicole Heesters © Stefan Odry
Thomas Sanderling © Mikhail Vaneev