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Piazzolla Àstor

Komponist

Biografie

Als Kind italienischer Einwanderer kam Ástor Piazolla in Mar del Plata, einer Stadt südlich von Buenos Aires am Atlantik gelegen, zur Welt. Der Vater hatte Existenzprobleme. Als Ástor vier Jahre alt war, siedelte er in die Vereinigte Staaten über und eröffnete einen Friseurladen. Schon früh erkannte man das musikalische Talent des Kindes und erteilte ihm Klavierunterricht. Dem Vater zuliebe - nicht aus eigenem Antrieb - erlernte Ástor auch das Bandonéon zu spielen. Nicht der Tango, sondern der Jazz, mit dem er in Berührung kam, fesselte ihn.

Im Jahre 1936 kehrte die Familie von Sehnsucht nach der alten Heimat getrieben in den Süden des Kontinents zurück. Ástor intensivierte das Bandonéon-Spiel, brachte es zur Meisterschaft und trat in die berühmte Band von Anibal Troilo ein. Sein Ziel war es, sich der klassischen Musik zu nähern. Alberto Ginastera, der Hoffnungsträger der argentinischen Nation, nahm sich seiner an und erteilte ihm Musikunterricht. In der Zeit um 1940 begegnete er auch Arthur Rubinstein.

Mit dem Tango hatte Ástor nichts im Sinn. Er betrachtete ihn als die Musik der unteren Schichten, bis Nadja Boulanger, die Frau mit dem sicheren Instinkt, ihn eines anderen belehrte. Auf dem Klavier durfte er ihr einen Tango vorspielen, und sie erklärte ihm, dass der Tango sein Stil und seine Zukunft sein werden. Nachträglich ist einzufügen, dass Ástor in den 1950er Jahren das Glück hatte, ein Stipendium für Europa zu bekommen. Wie viele seiner Studienkollegen aus den Randgebieten aufstrebender nationaler Schulen landete er in der Talentschmiede der Vielgefragten. Eine zeitlang blieb der Argentinier in Europa und kehrte bis zu seinem Tode immer wieder dorthin zurück.

Ástor Piazolla besetzt eine einmalige Position in der Geschichte der neuen Musik. In den 1960er und 1970er Jahren versuchte er, mit einer Fusion von klassischer und populärer Musik die Konzertsäle zu erobern. Der Jazz und der Tango wurden integriert. Die Mischung kam beim Publikum an, und es erging dem Publikum wie „Maria de Buenos Aires“ – das satanische Bandonéon, eine Art Akkordeon, machte die Menschen nach der Musik des Klangmagiers süchtig. Er erarbeitete seine Tangos, die nicht zum Tanzen, sondern zum Zuhören gedacht waren, äußerst sorgfältig, was ihm den Status eines Begründers des modernen argentinischen Tangos einbrachte. Zu ungewohnt waren die Modernisierungen, und er handelte sich bei den traditionellen Verfechtern des Nationaltanzes unverblümte Abneigung ein. Er komponierte über 400 kleinere Stücke und verteilte den Rhythmus auch auf seine übrigen Kompositionen. Gidon Kremer, Yo Yo Ma und das amerikanische Kronos-Quartett nahmen sich seiner Werke an.

Er komponierte Ballettmusiken für Bandonéon, Rhapsodien und im Jahre 1953 die Sinfonie „Buenos Aires“. Unsterblichkeit erlangte er durch seine Tango-Operita „Maria de Buenos Aires“. Eine bedeutende Interpretin der Titelheldin war die Italienerin Milva.

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