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Debussy Claude

Komponist

Biografie

 

Vertraut man den Überlieferungen, so muss Claude Debussy ein Mensch gewesen sein, der seine Umwelt, seine Mitmenschen faszinierte. Stets wird er als eine beeindruckende Persönlichkeit des französischen Kulturlebens beschrieben, alleine schon durch sein Auftreten und seine Erscheinung. „Er war vielmehr ein typischer Franzose, und zwar ein Bourgeois. […] Wenn nicht diese seltsam geformte Stirn gewesen wäre, die sich hervordrängte, als wolle sie vor Verstand und Ideen bersten, hätte er in jeder Hinsicht einem typisch französischen Kaufmann oder Akademiker ähneln können“, berichten Zeitgenossen. Zwar haftete ihm der Ruf als unzugänglicher, mürrischer und gelegentlich zu Wutausbrüchen neigender Mensch an, doch im Grunde galt Debussy als sanft und ausgesprochen sensibel, besonders Freunden gegenüber. Dinge, die er nicht mochte und Menschen des öffentlichen (Kultur-) Lebens bedachte er durchaus mit bissigem Sarkasmus. Als „Monsieur Croche“ („Herr Achtelnote“) tat er dies ab dem Jahre 1901 auch öffentlich im Rahmen seiner Musikkritiken. Sich hinter dieser Figur versteckend, konnte der Komponist Dinge äußern, die zu sagen er sich sonst wohl eher kaum getraut hätte. Beeindrucken konnte Debussy aber auch durch sein Klavierspiel. Dank seines differenzierten, nuancenreichen und ungemein sensiblen Anschlags war er natürlich ein herausragender Interpret seiner Werke. „Man muss vergessen, dass das Klavier Hämmer hat.“, äußerte sich der aus allgemeiner Unsicherheit ausgesprochen selten öffentlich auftretende Künstler. Maurice Dumesnil, ein Schüler des Komponisten, schilderte dessen Spiel: „Schließlich setzt sich Debussy noch einmal an den Flügel [...]. Er entlockte dabei dem Blüthner einen Klang, wie ich ihn lieblicher, leichter und zarter niemals gehört hatte …“ Kein Wunder also, dass im Gesamtschaffen Debussys das Klavier eine besondere Stellung einnimmt. Entgegen vieler großer Komponisten im beginnenden 20. Jahrhundert, für die dieses Instrument seine Rolle als Hauptvermittler der Ideen verlor, sind in den Klavierwerken Debussys alle Merkmale seines Stils erkennbar. Im Sommer 1915 entstanden seine „Douze Etudes“, Frederic Chopin gewidmet.

Zusammengefasst in zwei Bänden zu je sechs Etüden, gehören sie zu den letzten bedeutenden Vertretern dieser Gattung und schließen Debussys Klavierwerk ab. Sie stehen in direkter Nachfolge zu den Etüden Chopins, Liszts oder Skrjabins, sind also keine technischen Übungen im engeren Sinn, sondern musikalisch anspruchsvolle Kompositionen, die ein entsprechendes Können voraussetzen. Der erste Band behandelt die mechanische Ausbildung der Finger, der zweite ist in seiner Verpflichtung viel freier und widmet sich den Klängen und Klangfarben. Debussy selbst beschrieb seine „Douze Etudes“ wie folgt: „In jedem Fall verhüllen dieses Etüden eine strenge Technik unter der Blume der Harmonie.“

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