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Milhaud Darius

Komponist

Biografie

 

stammte aus einer wohlhabenden,alteingesessenen jüdisch-provenzalischenFamilie – die geografische undreligiöse Herkunft blieben für ihn seinLeben lang von starkem Einfluss.Seine musikalische Begabung wurdefrüh erkannt und gefördert und ererhielt zunächst Violinunterricht, dener ab 1909 am Pariser Konservatoriumfortsetzte, drei Jahre später aberzugunsten des Komponierens aufgab.Erste eigene Kompositionen waren bereits 1905 entstanden.Milhaud studierte bei André Gedalge (Kontrapunkt, Komposition),in dessen Kursen er unter anderem Arthur Honegger und JacquesIbert kennenlernte. 1912 begann seine Freundschaft mit demDichter Paul Claudel, mit dem ihn eine lebenslange künstlerischeZusammenarbeit verbinden sollte. Claudel wurde 1916 als französischerBotschafter in die brasilianische Hauptstadt Rio de Janeiroentsandt. Milhaud, vom Dienst im Ersten Weltkrieg befreit, begleiteteihn als sein Attaché. Dort lernte er die brasilianische Folkloreund Popularmusik kennen, die seine Musik in den folgenden Jahrenstark beeinflusste. 1918 kehrte er nach Frankreich zurück; erhatte Kontakt mit dem Kreis um Jean Cocteau und Erik Satie undgehörte schließlich zur „Groupe des Six“. Seine Kompositionenbrachten ihm erste Erfolge, aber auch Skandale ein.1940 flüchtete Milhaud mit seiner Familie in die USA und wurdeam Mills College im kalifornischen Oakland Lehrer für Komposition(bis 1971).

Nach Ende des Krieges leitete er zusätzlich eineKompositionsklasse am Konservatorium in Paris (bis 1972). SeinenUnterricht besuchten so unterschiedliche Künstler wie derJazzmusiker Dave Brubeck, der Minimalist Steve Reich, der SinfonikerAllan Pettersson und die Avantgardisten Karlheinz Stockhausen,Larry Austin und Iannis Xenakis.Milhaud zählt zu den produktivsten Komponisten des 20. Jahrhunderts,sein Werkverzeichnis enthält mehr als 400 Einträge. Erschrieb in allen bedeutenden traditionellen Musikgattungen undfühlte sich stark von der Musik des Mittelmeerraumes (besondersder italienischen), wenig dagegen von der deutschen Musik beeinflusst.Neben der Orchestermusik nimmt die Kammermusik einenwichtigen Platz in Milhauds Schaffen ein.1939 arbeitete er mit Arthur Honegger und Roger Désormière undschrieb die Musik für einen Film von Raymond Bernard mit demTitel Cavalcade d’amour. Der Film über leichtherzige Männer unddie Spielarten der Liebe bestand aus drei Teilen, die im Jahre1430, 1830 und 1930 spielten. Jeder der drei Komponistensuchte sich eine Epoche aus, für die er komponierte. Milhaud entschiedsich für die Zeit um 1430 und wählte die Geschichte einesTroubadours aus seiner Heimat, René d’Anjou, Comte de Provence.König René erholte sich gern in einer windlosen Gegend auf demLande unter offenem Himmel beim Picknick. Dieser Ort erhieltden Namen La cheminée du roi René. Diese Filmmusik wurdeMilhauds berühmtestes und populärstes Bläserquintett mit imaginärenSzenen aus dem Leben des Königs René d’Anjou.Im Französischen gibt es den Ausdruck „se chauffer à la cheminéedu roi René“, was so viel heißt wie „sich in der Sonne rekeln“.Im Mittelalter wurde das Wort „cheminée“ nicht nur für Kaminbenutzt, wie es heute verwendet wird, sondern es bedeutete auch„gemächlicher“ Ausflug. In Milhauds Suite handelt es sich umeinen Ausflug ins Grüne und die Vergnügungen im Freien. In pointierten,witzigen, die Stimmung und Aktionen der Hofleutebeschreibenden Bildern entfaltet sich die ganze Pracht und Vielfaltdes königlichen Festes mit einer Prozession (Cortège), einerMorgenserenade (Aubade) und Jongleuren (Jongleurs), einerBeschreibung der näheren Gegend (La Maousinglade), Bootswettkämpfenauf dem Fluss Arc (Joutes sur l’Arc), einer Jagdszene(Chasse à Valabre) und endet mit einer Nachtszene (Madrigal-Nocturne). Die Uraufführung fand nach Milhauds Flucht an derUniversity of Southern California 1941 durch das San FranciscoWind Quintett statt.