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Kantscheli Gija

Komponist

Biografie

 

Der georgische Komponist Gija Kantscheli, geboren 1935, studierte von 1959 bis 1963 am Konservatorium von Tbilisi bei Iona Tuskija. Seit seinem Examen ist er als freischaffender Komponist tätig. 1971 wurde Kantscheli musikalischer Leiter des Rustaweli-Theaters in Tbilisi.                                                                                                                                                                         Der Komponist übersiedelte 1991 nach Berlin, wo er ein Stipendium des DAAD erhielt. 1995 wurde er Composer in Residence der Königlichen Flämischen Philharmonie in Antwerpen. Seither lebt Kantscheli als freischaffender Komponist in Belgien. Nachdem er in den sechziger Jahren als Komponist der „sowjetischen Avantgarde" begonnen hatte, erarbeitete sich Kantscheli seitdem zielstrebig einen eigenen musikalischen Stil.                                                                                              Kantschelis Klangwelt besitzt etwas ungemein Natürliches. Seine musikalischen Strukturen richten sich allein nach emotionalen Gesichtspunkten wie Steigerung und Spannung, Erregung und Ruhe. Er arbeitet mit dynamischen Extremen und fordert nicht selten äußerste Langsamkeit. Kantschelis Musik ist atmosphärisch seiner Heimat Georgien verbunden, ohne dass sie jedoch georgische Folklore zitiert. Nostalgie und Melancholie sowie Trauer über die politischen Zustände in der damaligen Sowjetunion Leben ohne Weihnacht) unddie Zerstörungen des georgischen Bürgerkrieges prägen sein Schaffen. (Quelle: www.sikorski.de) 

1984 starb der bedeutende georgische Musikkritiker Givi Ordzhonikidze, einer der besten Freunde Kanchelis. Aus diesem Grunde erhielt Kancheli vom Leiter der (West-)Berliner Festspiele, Ulrich Eckhardt, den Auftrag, ein Stück in memoriam des großen, einflussreichen Musikkritikers zu komponieren. Erst 1988 vollendete Kancheli sein viersätziges Werk, das am 9. September 1990 mit Yuri Bashmet und dem Orchester des Leningrader Kirow-Theaters unter der Leitung von Valery Gergiev in Westberlin uraufgeführt wurde.                                                                                                                                        Der Komponist selbst schrieb über sein Werk: „Eine leere Seite mit einer schwachen Spur von getrockneten Tränen kann uns wahrscheinlich alles oder fast alles über den Inhalt der ‚Liturgie‘ erzählen." Und vier Jahre nach dem Tod des Freundes verfasste der Komponist einen Brief: „Es ist unerträglich schwer ohne Dich. Viele [zeitgenössische sowjetische Komponisten, Anm.] müssen noch realisieren, dass Du, der uns immer verteidigt hat, damit zugleich Deinen Glauben, Deine Wahrheit und Deine Musik verteidigt hast. Wir brauchen Dich jetzt in einer Zeit mit großem Bedarf an Denkern, Predigern und Kämpfern – an genialen Führungspersönlichkeiten. Es passiert so viel Unerwartetes, Neues und Aufregendes vor unseren Augen. In der ‚Liturgie‘ habe ich bis an die Grenzen meiner Möglichkeiten versucht, meine persönliche Einstellung zu solch einer Persönlichkeit, durch Dich verkörpert, zum Ausdruck zu bringen."

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