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Ligeti György

Komponist

Biografie

 

Als sich um 1960 mit der Entwicklung vom streng seriellen Denken zu Klangkompositionen mit freien und offenen Formen ein erster entscheidender Umschwung in der europäischen Avantgarde nach dem Zweiten Weltkrieg abzeichnete, war György Ligeti einer der entscheidenden Träger dieser Entwicklung. Mit seiner „Klangfarben- Technik“ und „Mikropolyphonie“ konnte der in Discoszentmárton (Siebenbürgen) geborene Komponist richtungweisende Impulse setzen und gilt heute als einer der wichtigsten Vertreter der Musik unserer Zeit. Bereits während seines Studiums an der Franz-Liszt-Akademie in Budapest entwickelte Ligeti seine wichtigsten Stilmerkmale, nach dem Ungarnaufstand 1956 floh er aus künstlerischen und politischen Gründen aus seiner Heimat. Im Studio für elektronische Musik des WDR tätig, setzte er sich intensiv mit der Musik Stockhausens, Kagels und Boulez’ auseinander.

Musikalisch zeugt seine Komposition „Artikulation“ von dieser Beschäftigung, zusammen mit den 1961 entstandenen „Athmosphères“ trägt es wesentlich zu Ligetis internationalem Durchbruch als Komponist bei. Die Entscheidung, auf traditionelle Charaktere der Musik, wie Intervallprägnanz oder rhythmische Konturen, zu verzichten, ermöglichte ihm seine progressive Klangwelt und einen Weg zur Komposition des Klanges selbst. Als Ligetis wichtigste Kompositionen der letzten Jahre dürfen sicherlich seine Klavier-Etüden angesehen werden, sind sie doch bedeutende Beispiele einer Synthese seiner musikalischen Ästhetik. Gleichzeitig zeigen sie aber auch die künstlerische Entwicklung hin zu Neuem. Seine Idee liegt darin, „aus der Kombination von zwei oder mehreren realen Stimmen illusionäre melodisch-rhythmische Konfigurationen zu gewinnen (die gehört, doch nicht gespielt werden)“. Auf Walzenpapier eingestanzte Etüden des amerikanischen Komponisten Conlon Nancarrows, afrikanische Musik, Jazz und die Zeichnungen von M. C. Escher dienten Ligeti als Anregung zu diesen Kompositionen. 1985 begann er mit seinen „Études pour piano“, in der Zwischenzeit liegen bereits drei Bände von Etüden vor, die ohne weiteres gleichberechtigt neben die großen Etüden-Zyklen eines Chopins oder Debussys gestellt werden können.

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