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Glass Philip

Komponist

Biografie

 

 Nein, er sei kein Meister und schon gar nicht der Erfinder der Minimal Music, antwortet Philip Glass, wenn man ihn nach seinem Kompositionsstil fragt. „Music with repetitive structures“ gefällt ihm da schon besser. Mithilfe seiner zum Markenzeichen gewordenen Musik und ihrer immer wiederkehrenden Muster wurde der in Baltimore geborene Glass zu einem der einflussreichsten amerikanischen Komponisten der Gegenwart. Und dabei ist er tatsächlich in jedem Fach zu Hause – ob klassische Musik, Filmmusik, seine frühen Ausflüge in die Zwölftonmusik, Studien bei Darius Milhaud und Charles Ives, Arbeiten mit Ginsberg, Woody Allen und David Bowie, indische Trancemusik – immer in Kombination der Repetitionstechnik für seine „nicht tonalen“ Werke. Diesen Gedankenanstoß hat er weitgehend dem indischen Sitar-Spieler Ravi Shankar zu verdanken.Anlässlich von Philip Glass’ 75. Geburtstag am 31. Jänner 2012 begann im Brucknerhaus mit dem Neujahrskonzert am 1. Jänner 2012 eine beispiellose Erfolgsgeschichte seiner neuesten Sinfonie: Die Einspielung der Uraufführung der Symphony No. 9 durch das Bruckner Orchesters Linz auf iTunes brach alle Klassikdownload- Rekorde. Und die große Geburtstagsfeier in der Carnegie Hall New York mit der amerikanischen Premiere der Neunten – wieder mit Dennis Russell Davies am Pult – war ein vorläufiger Höhepunkt. „Das Stück ist riesig und unerbittlich“, charakterisierte Glass die Sinfonie, also eine „Tour de Force“ voller Dichte oder Suggestivkraft seiner bewährten Mittel. Auch wenn die Sinfonie Nr. 9 kein Programm, keine versteckte Botschaft hat, so enthält sie dennoch Anklänge an ein früheres Werk von Glass: ein Thema aus der Filmmusik zu „Rebirth“, einer Dokumentation von Jim Whitaker über „9/11“, den 11. September 2001. Der Film hatte 2011 in Beverly Hills Premiere.

Filmmusik ist auch jenes Genre, das dem experimentierfreudigen Glass zum Durchbruch verhalf. Immerhin findet man in seinem OEuvre – nun schon – zehn Sinfonien und mehr als 20 Opern, die letzte wurde soeben im Musiktheater Linz aus der Taufe gehoben. Der Karrieremotor dafür war die legendäre Musik zu Godfrey Reggios Film Koyaanisqatsi Anfang der 1980er-Jahre. Oscar-Nominierungen für die Musik zu Kundun von Martin Scorsese und The Hours folgten, den Golden Globe gab es für The Truman Show. Die künstlerischen Wege von Dennis Russell Davies und Philip Glass verlaufen seit Jahrzehnten neben- und miteinander, und Davies gibt wiederum dem Publikum auf dessen Weg zur 9. Sinfonie folgende Gedanken mit: „Philip hat mehr als alle anderen Komponisten, die mir in den Sinn kommen, für die sinfonische Musik in der 2. Hälfte des 20. Jahrhunderts getan.

Mit Werken ganz unterschiedlichen Materials ließ Philip seinen Kopf gesenkt, die Ohren offen, um immer in neue Metiers vorzustoßen und unkonventionelle Wegmarken zu schaffen. Ich hatte das Privileg, für die Premiere seiner meisten Sinfonien am Podium zu stehen, und bin noch heute beeindruckt von dem stilistischen Weg und der Entwicklung sowie von Phils variierendem Einsatz und dem puren Spielraum, den er den Orchestern überlässt.“

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