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Schtschedrin Rodion

Komponist, Pianist

Biografie

 

Rodion Schtschedrin (auch Shchedrin geschrieben) wurde 1932 als Sohn eines Komponisten und Musiklehrers in Moskau geboren. „Mein Großvater war ein russisch-orthodoxer Geistlicher, in einer kleinen Stadt namens Aleksin, ca. 200 km von Moskau entfernt. Mein Vater und seine Brüder erhielten also eine religiöse Erziehung und haben das geistliche Seminar absolviert. Auch meine Mutter war gläubig. Während Stalins Herrschaft war das sehr gefährlich und hatte für alle eine Menge Unannehmlichkeiten zur Folge. Mein Vater beispielsweise musste nach dem Zweiten Weltkrieg das Konservatorium verlassen, an dem er unterrichtete, und hat auch in den folgenden Jahren einige Schrecken durchlebt.“ Schtschedrin besuchte die Moskauer Chorschule und studierte dann am Moskauer Konservatorium, 1955 schloss er seine Studien in den Fächern Komposition und Klavier ab. Seine ersten großen Werke schrieb er mit Anfang zwanzig. So wie viele andere Komponisten musste er sich mit dem sowjetischen System arrangieren. Er war niemals Mitglied der KPdSU und das Leben in der Sowjetunion bedeutete immer, Kompromisse einzugehen. „Ständig“, meint der Komponist, „bei Kleinigkeiten, manchmal auch bei wichtigeren Angelegenheiten. Aber was mein künstlerisches Schaffen angeht, da gab es für mich nie Kompromisse. Was man schreibt, hat absolute Gültigkeit und ist – sozusagen – unantastbar.

Schostakowitsch zum Beispiel ist in seinem Leben viele Kompromisse eingegangen, aber nie in der Musik! Für ihn war das wahre Leben die Musik; der Rest etwas Vergängliches, mit dem man sich arrangieren musste.“ Über ein Jahrzehnt war Schtschedrin Vorsitzender des Komponistenverbandes der Russischen Föderation – als Nachfolger und auf ausdrücklichen Wunsch seines Gründers Dmitri Schostakowitsch. Eine große Ehre für den Komponisten, der dadurch die Möglichkeit hatte, jungen Kollegen zu helfen und ein liberaleres Umfeld zu schaffen, denn „der Mensch muss immer auf seine innere Freiheit bauen. Auf die Freiheit, die dir niemand gibt, die du aus dir selbst heraus schaffen musst! Wenn man diese Freiheit nicht besitzt, egal in welchem politischen System, ist man kein Künstler.“ Nach dem Auseinanderbrechen der Sowjetunion konnte Schtschedrin endlich immer öfter am internationalen Musikleben teilnehmen.

Heute lebt er abwechselnd in München und Moskau. Schtschedrin ist auch ein virtuoser Pianist und führte oft seine eigenen Werke, darunter fünf Klavierkonzerte, Sonaten und 24 Präludien und Fugen für Klavier, selbst auf. Seine vielfältigen Werke von Opern über Ballette, Chorwerke, Sinfonien bis zu fünf Konzerten für Orchester sind im Musikleben präsent und zeigen, dass sich der Komponist in den Konzertsälen etablieren konnte. 1992 verlieh Präsident Boris Jelzin Schtschedrin den Staatspreis Russlands für sein Werk Der versiegelte Engel mit dem Untertitel Eine russische Liturgie. Seit 1976 ist Rodion Schtschedrin Mitglied der Bayerischen Akademie der Schönen Künste, seit 1989 Mitglied der Berliner Akademie der Künste, 2008 erhielt er den Verdienstorden für das Vaterland. In seinen Werken beschäftigt sich Schtschedrin immer wieder mit Texten russischer Dichter der Vergangenheit und Gegenwart, so schuf er die Oper Die toten Seelen (nach Gogol) und die Ballette Anna Karenina (nach Tolstoi), Die Möwe und Dame mit Hündchen (beide nach Tschechow). Alle diese Werke wurden am Bolschoi-Theater uraufgeführt.

In dessen 200-jähriger Geschichte ist Schtschedrin damit der erste Komponist, von dem dort gleich sieben Werke aufgeführt wurden, darunter das weltbekannte Ballett Carmen- Suite. In dieser Transkription des Bizet’schen Werkes zeigt der Komponist die heiteren und melancholischen Seiten von Carmen in neuem Gewand und setzt durch die Dominanz rhythmischer Elemente neue, schmissige Akzente. Der Spaß an ungewöhnlichen Klangeffekten steht offensichtlich im Vordergrund. Schtschedrin übertreibt dabei vielleicht etwas, so wird das große Streichorchester von vierzig (!) Schlaginstrumenten verstärkt. Doch das Werk bietet nicht nur zahlenmäßig, sondern auch qualitativ neue Erfahrungen. Denn Schtschedrin steht auf dem Standpunkt, „man muss das Publikum mit der Musik überzeugen, anrühren. Und dieser Kontakt ging verloren, die Menschen fürchten sich vor zeitgenössischer Musik.“ (Alle Zitate aus einem Interview mit dem Schott-Verlag)

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06
Jun
Tzimon Barto | Bruckner Orchester Linz | Mikhail Agrest

- 19:30, Großer Saal

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