Ein Linzer Wahrzeichen

Ursprünglich war bloß an eine spektakuläre Eröffnung des neuen, damals noch zum Brucknerhaus gehörenden Ars Electronica Festivals gedacht. Dass sich daraus eine bedeutende kulturelle Institution entwickeln würde, hätten sich die Verantwortlichen von 1979 nicht einmal im Traum einfallen lassen. Und doch ist 40 Jahre später die Klangwolke zu einem Linzer Wahrzeichen geworden, das bisher insgesamt rund 2,5 Millionen Menschen besucht haben.

Als ihr Initiator gilt der damalige Intendant des ORF Landesstudios Oberösterreich, Hannes Leopoldseder. Gemeinsam mit dem Münchner Komponisten, Regisseur und Klangarchitekten Walter Haupt entwickelte er die Idee zur Klangwolke, die anfangs vor allem darin bestand, Musik ins Freie zu übertragen, um so eine weit größere Anzahl von Menschen zu erreichen, als dies in einem Konzertsaal möglich wäre.

Ein niederschwelliger Zugang, der durch den kostenlosen Eintritt garantiert wird, sowie die Verbindung von Tradition (klassischer Musik) und (technologischer) Innovation sind bis heute Kennzeichen der Linzer Klangwolke geblieben. Im ersten Jahr kam die Musik, Bruckners 8. Sinfonie, noch vom Band, und zwar in einer Aufnahme des Concertgebouw Orchester Amsterdam unter Bernard Haitink. Schon ein Jahr später spielte das Bruckner Orchester Linz unter Theodor Guschlbauer live Bruckners 4. Sinfonie. Die Idee stieß anfangs aber nicht nur auf Zustimmung.

Der bedeutende Bruckner-Dirigent Eugen Jochum etwa sah in der Linzer Klangwolke den „Untergang des musikalischen Abendlands“. Doch auch innerhalb der Klassik-Szene wuchs die Akzeptanz. Dazu trugen vor allem die Wiener Philharmoniker und Lorin Maazel bei, die in den Anfangsjahren und auch später mehrmals die Linzer Klangwolke bespielten. Weitere prominente Dirigenten waren Claudio Abbado, Herbert Blomstedt, Riccardo Chailly, Franz Welser-Möst, Riccardo Muti, Vacláv Neumann, Georges Prêtre, Dennis Russel Davies und Michael Tilson Thomas. Neben den Wiener Philharmonikern wirkten das Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks, das Gewandhausorchester Leipzig, das London Symphony Orchestra, die Tschechische Philharmonie und andere renommierte Klangkörper bei der Linzer Klangwolke mit.

Klangwolke 1998 © Christian Herzenberger
Klangwolke 1998 © Christian Herzenberger

Wenn auch erst 1985 die eigentliche Geburtsstunde der „Visualisierten Klangwolke“ schlug, die von da an – von wenigen Ausnahmen abgesehen – parallel zur „Klassischen Klangwolke“ veranstaltet wurde, spielten dennoch relativ früh auch schon Ansätze zu einer Visualisierung eine wichtige Rolle, 1980 etwa spezielle Lichteffekte, ein Jahr später das „Linzer Funkenwolkenfeuer“.

Der große Pionier der Klangwolke in den Anfangsjahren war Walter Haupt, der sie – mit Unterbrechungen – bis 1990 gestaltete. Später hat vor allem der Bühnenbildner und Architekt Hans Hoffer die Visualisierung weiterentwickelt. Weitere Künstler und KünstlerInnengruppen waren Airan Berg, Parov Stelar, Beda Percht, Hubert Lepka & Lawine Torrèn, Xailabs GmbH, die KünstlerInnengruppe Helix sowie im Vorjahr La Fura dels Baus.

Zum 40-Jahr-Jubiläum wird die 170 Jahre Sparkasse OÖ Jubiläumsklangwolke 19, präsentiert von der LINZ AG, von David Pountney und einem hochkarätigen Team gestaltet. Unter dem Titel Solar behandelt sie die Beziehung der Menschheit zur Sonne, Apokalypse und Hoffnung auf ein Happy End mit inbegriffen. Alles spielt sich diesmal auf der Donau ab, auf der eine noch nie dagewesene Anzahl an Schiffen zum Einsatz kommt, um die einzelnen Szenen der „Handlung“ anzudeuten. Es wird eine Klangwolke, die des 40-Jahr-Jubiläums würdig ist.

Sa 7 Sep 20:30
Donaupark Linz
So 8 Sep 14:30
Donaupark Linz
Sa 28 Sep 19:30
Grosser Saal Brucknerhaus Linz