Dorothee Oberlinger © Henning Ross
Di 27 Aug 20:00
Arkadenhof Landhaus Linz
SOIRÉE
ALLA
ITALIANA

Das Programm ist ein wunderbares Kaleidoskop der Formen und Farben italienischer Musik des 17. und 18. Jahrhunderts aus Venedig, Bologna, Rom und Neapel. Im Zentrum steht die venezianische Musik. Antonio Vivaldis Triosonate für zwei Violinen über „La Follia“ (die lärmende Lustbarkeit“) darf hier natürlich nicht fehlen. Mit von der Partie sind auch zwei Kammerkonzerte für Flöte von Antonio Vivaldi, eines davon ist einem Vogel, dem Distelfink („Il Gardellino“) gewidmet. Vivaldi setzt seinen Vogelschlag programmatisch in Szene und die Ausdauer und Beharrlichkeit, die diesem Vogel nachgesagt wird, ist hier unüberhörbar.

Eine selten gespielte Flötensonate von Diogenio Bigaglia, einem Priester und Komponisten aus Venedig und zwei „Balli“ von Giorgio Mainerio runden den venezianischen Flötenbeitrag zum Programm ab. Giorgio Mainerios „Balli", die 1578 in Venedig im Druck erschienen, wurden wahrscheinlich auf den unterschiedlichsten Instrumenten gespielt. Dazu wurde, der damaligen Praxis entsprechend, frei improvisiert. Mainerio war eine schillernde Gestalt. Er kam als Padre in der Stadt Udine, die als Terraferma damals der Republik Venedig unterworfen war, des Öfteren mit der Kirche in Konflikt, da er schwarze okkulte Messen feierte. Ihm wurde vorgeworfen, mit Hexen in Kontakt zu stehen, so dass er zeitweise untertauchen musste, um nicht im Gefängnis zu landen. Die Bedeutung des alt-ladinischen Titels „Schiarazula Marazula" bleib rätselhaft, wahrscheinliche handelt es sich bei dieser Komposition um einen Regenbeschwörungstanz. „La Gagliarda Lavandara" heißt die „Waschende". Die Bezeichnung „Gagliarda" meint im Übrigen nicht nur den Tanz, sondern steht auch heute noch in Italien umgangssprachlich für ein stolzes, selbstbewusstes Mädchen.

Die Sonate für Flöte und Streicher des Opernkomponisten Francesco Mancini gibt einen Einblick in den neapolitanischen Stil Anfang des 18. Jahrhunderts, ein theatralisches Werk, das mit einem Amoroso eingeleitet wird, auf das eine kunstvoll gearbeitete Fuge folgt, die die Flöte gleichberechtigt in den Streicherklang integriert.

Das Ensemble Castor rundet das Programm mit Streichersonaten von Caldara, Bononcini und Torelli ab. 

- Dorothee Oberlinger

Programm

Giorgio Mainerio (1530er–1582)

Schiarazula Marazula und La Lauandara Gagliarda, Nr. 12 und 10 aus: Il primo libro de balli (1578)


Giuseppe Torelli (1658–1709)

Sonata da chiesa A-Dur für zwei Violinen und Basso continuo (o. J.)


Antonio Vivaldi (1678–1741)

Concerto a-moll für Flöte, zwei Violinen und Basso continuo, RV 108 (o. J.)

Sonata da camera („La Follia“) d-moll für zwei Violinen und Basso continuo, op. 1, Nr. 12 (1705)


Francesco Mancini (1672–1737)

Sonata da chiesa d-moll für Flöte, zwei Violinen und Basso continuo (o. J.)

– Pause –


Francesco Manfredini (1684–1762)

Sinfonia da chiesa g-moll für zwei Violinen und Basso continuo, op. 2, Nr. 6 (1709)


Diogenio Bigaglia (1676–1745)

Sonata da chiesa B-Dur für Flöte und Basso continuo, op. 1, Nr. 10 (ca. 1722)


Giovanni Maria Bononcini (1642–1678)

Sonata da chiesa A-Dur für zwei Violinen und Basso continuo, op. 6, Nr. 5 (1672)


Antonio Caldara (1670–1736)

Sonata da chiesa B-Dur für zwei Violinen und Basso continuo, op. 1, Nr. 4 (1693)


Antonio Vivaldi

Concerto („Il Gardellino“) D-Dur für Flöte, Streicher und Basso continuo, op. 10, Nr. 3 (ca. 1728)

Besetzung

Dorothee Oberlinger | Blockflöte


Ensemble Castor

Petra Samhaber-Eckhardt | Violine

Monika Toth | Violine

Gudrun Raber-Plaichinger | Viola

Kaspar Singer | Violoncello

Erich Traxler | Cembalo