12.10.2020

Bilanz Internationales Brucknerfest Linz 2020

Das Brucknerhaus Linz blickt mit großem Stolz und tiefer Dankbarkeit auf ein erfolgreiches Internationales Brucknerfest Linz 2020 zurück: 

Eines der bedeutendsten Klassikfestivals Österreichs fand von 4. September bis 11. Oktober 2020 unter dem Titel „Kontroverse – Bruckner und seine Zeit(genossen)“ mit 40 Veranstaltungen statt: Darunter 23 Konzerte, 1 Festakt, 3 Klanginstallationen, 1 Vernissage/Ausstellung, 1 Linzer Klangwolke mit 9 Klangjuwelen-Konzerten. Viele andere Festivals, Konzerte und Auftritte wurden weltweit seit März abgesagt. Das Brucknerhaus hingegen präsentierte ein ganz besonderes Internationales Brucknerfest Linz 2020 als den vielzitierten „Leuchtturm“ für die nationale und internationale Kulturlandschaft. Die Auslastung lag heuer bei sensationellen 85 Prozent! Insgesamt standen beim heurigen Brucknerfest 880 MusikerInnen aus 16 Nationen auf der Bühne. Nur drei Konzerte mussten aufgrund der aktuellen Situation und daraus resultierender Reisebeschränkungen abgesagt werden. Die Veranstaltung Alles Tanzfloor der Reihe BrucknerBeats wurde auf den 15. Oktober 2021 verschoben.

„Trotz Corona und all den damit verbundenen Auflagen stand es für mich außer Frage, das Internationale Brucknerfest Linz 2020 wie geplant durchzuführen. Schon im Frühjahr hatten wir ein Sicherheitskonzept ausgearbeitet, das wir im Sommer bei einigen Konzerten im Brucknerhaus Linz einem Stresstest unterziehen konnten. Damit haben wir offenbar das Vertrauen des Publikums gewonnen, das Live-Konzerte schon sehr herbeigesehnt hat. Denn viele Veranstaltungen des Bruckner­festes waren heuer ausverkauft, die Auslastung liegt bei sensationellen 85 Prozent. Bei einigen wenigen Veranstaltungen mussten wir aufgrund der aktuellen Reisebeschränkungen umdisponieren und unsere Flexibilität unter Beweis stellen. Aber nur drei Konzerte wurden aus diesem Grund abgesagt, in anderen Fällen ist es uns gelungen, hochwertigen Ersatz für jene KünstlerInnen zu finden, die nicht anreisen konnten. Mit dem Internationalen Brucknerfest Linz 2020 haben wir bewiesen, dass es auch in schwierigen Zeiten möglich ist, ein Festival von internationaler Strahlkraft zu veranstalten. Dafür danke ich allen beteiligten KünstlerInnen, meinem Team, vor allem aber unserem treuen Publikum, dessen Neugierde und Offenheit uns Ansporn ist, auch weiterhin höchste Qualität zu bieten,“ so Mag. Dietmar Kerschbaum.

Ein besonderes Brucknerfest-Jahr, das außergewöhnliche Maßnahmen, viel Mut und Zuversicht vom gesamten Team, den KünstlerInnen und MusikerInnen, aber auch dem Publikum verlangt hat: So wie für alle war auch für das Team des Brucknerhauses im März 2020 von einem Tag auf den anderen alles anders! Aber sprichwörtlich den „Kopf in den Sand stecken“, Konzerte absagen und auf die überraschende, der Pandemie geschuldeten Krisensituation mit Jammern zu reagieren – das war nicht der Weg des Brucknerhauses Linz unter der Intendanz von Mag. Dietmar Kerschbaum (Künstlerischer Vorstandsdirektor LIVA).

 

Das waren die Veranstaltungen des Internationalen Brucknerfestes Linz 2020

Bilanz Brucknerfest 20

Vorausschauend wurde geplant, zügig ein hauseigenes Sicherheitskonzept entwickelt, eine interne Registrierung für BesucherInnen umgesetzt, Saalpläne umgestaltet, Sitzplätze mit mindestens einem Meter Abstand zwischen den ZuschauerInnen geschaffen, Hygiene-Standards auf ein Maximum erhöht, eigene Eingangs- und Ausgangs-, Garderoben- und Aufgangssektoren festgelegt und mit Hochdruck an der Umsetzung des bereits finalisierten Programms gearbeitet. Im Vorfeld wurden schon im Juli an drei Terminen Konzerte im Großen Saal des Brucknerhauses gespielt, mit jeweils nur 250 erlaubten BesucherInnen. Diese Sommerkonzerte und Serenaden haben insgesamt 25 Mal eine gute Gelegenheit geboten das ausgeklügelte Brucknerhaus-Sicherheitskonzept einem Stresstest zu unterziehen und so bis zum Beginn des Brucknerfestes zu perfektionieren. Vor allem aber konnte man schon bei diesen Konzerten die Freude spüren, welche die ersten Klänge nach dem Lockdown beim Brucknerhaus-Team, den MusikerInnen und dem Brucknerhaus-Publikum auslösten. Davor wurde mit BRUCKNERzHAUS noch eine eigene Video-Streaming-Reihe produziert, die heimischen KünstlerInnen in dieser schweren Zeit ohne Konzerte einen Auftritt ermöglichte und dem Publikum die Klänge aus dem Brucknerhaus direkt ins Wohnzimmer gebracht hat.

Die Brucknerfest-Planungen waren zum Zeitpunkt des Lockdowns im März 2020 längst abgeschlossen, fantastische Konzerte geplant, großartige MusikerInnen engagiert. „Eine Schockstarre gab es nicht. Zu diesem Zeitpunkt wussten wir nur eines, aber das ganz sicher: Unser Internationales Brucknerfest Linz 2020 mit seinem spannenden Programm soll auf jeden Fall stattfinden“, erinnert sich Mag. Dietmar Kerschbaum. Nur dem treuen Brucknerhaus-Publikum, den grandiosen und vor allem flexiblen KünstlerInnen und MusikerInnen ist es zu verdanken, dass auch in diesen Zeiten ein fulminantes Internationales Brucknerfest Linz 2020 geboten werden konnte. Gestartet wurde am 4. September mit einem großen Geburtstagskonzert in der Pfarrkirche von Bruckners Geburtsort Ansfelden, zur Feier des 196. Geburtstags des Komponisten: Mezzosopranistin Christa Ratzenböck und das auf historischen Instrumenten spielende Calamus Consort begeisterten das Kirchenpublikum. Weiter ging es ab dem 13. September im Brucknerhaus Linz: die Menschenrechtsaktivistin Waris Dirie ließ in ihrer Festrede mit einem Appell gegen Rassismus, Frauenfeindlichkeit, Umweltzerstörung, Hunger und Gier aufhorchen, das Bruckner Orchester Linz stellte unter der Leitung seines Chefdirigenten Markus Poschner Sinfonien von Brahms und Bruckner einander gegenüber, Startenor Mauro Peter exzellierte gemeinsam mit seinem Begleiter Helmut Deutsch in der Kunst des Liedgesangs, Thomas Quasthoff ließ den Jazz hochleben, das Stegreif.orchester brachte ohne DirigentIn, ohne Noten und ohne Stühle mit einer durchchoreographierten Rekomposition der 3. Sinfonie von Brahms den Großen Saal zum Beben, die Weltklasseklarinettistin Sharon Kam verzauberte mit lyrisch-romantischen Klängen und sorgte mit Matan Porat, ihrem Partner am Klavier, für Begeisterungsstürme, Cello-Shootingstar Julia Hagen und Klavier-Shootingstar Aaron Pilsan überwältigten als Dream-Team mit einem Kammermusikkonzert der Spitzenklasse, Wolfgang Böck schlüpfte zum dritten Mal in die Rolle Anton Bruckners, Stardirigent Jérémie Rhorer und sein Originalklangorchester Le Cercle de l’Harmonie ernteten für ihre Interpretation zweier Sinfonien von Brahms und Bruckner Bravo-Rufe und tosenden Applaus, Ausnahmetalent Kit Armstrong demonstrierte seine stupende Virtuosität erst am C. Bechstein-Flügel und dann an der Orgel und gefragte Kammermusikformationen wie das Oliver Schnyder Trio oder Starpianist Rudolf Buchbinder faszinierten mit ihrer Präzision, Musikalität und Klangkultur. An all diesen Abenden lag nicht nur pure Freude, Dankbarkeit und Erleichterung in der Luft, sondern auch das Gefühl, mit vereinten Kräften und viel Liebe zu Musik und Kultur etwas ganz Besonderes geschaffen zu haben. Hochkarätig ging das Brucknerfest auch zu Ende, mit dem festlichen Abschlusskonzert in der Stiftsbasilika St. Florian an Bruckners Todestag, dem 11. Oktober 2020: Illustre GesangssolistInnen, der Bachchor Salzburg und das Bruckner Orchester Linz übernahmen unter dem Dirigat von Stefan Soltész die ehrenvolle Aufgabe und gedachten des Komponisten mit einer Aufführung des Deutschen Requiems von Johannes Brahms – Gänsehautstimmung, TV- und Radio-Aufzeichnung inklusive. Zu sehen am 18. Oktober 2020 um 20.15 Uhr auf ORF III. Ein Radiomitschnitt ist 1. November 2020 um 11 Uhr auf Ö1 zu hören.

Das Thema des Internationalen Brucknerfestes Linz 2020, die musikhistorische Kontroverse zwischen „Neutönern“ und „Akademikern“, durchzog wie ein roter Faden die Konzertprogramme. Eines der bedeutendsten Klassikfestivals Österreichs zeichnete damit heuer nicht zuletzt ein musikalisches Porträt Wiens im letzten Drittel des 19. Jahrhunderts. Damals wirkten Johannes Brahms und Anton Bruckner in der Kaiserstadt, die nur wenig Verständnis für das Schaffen ihres jeweiligen Gegenübers aufbrachten und deren Anhänger sich heftig befehdeten. In vielen Konzerten des Brucknerfestes prallten daher ihre Werke sowie die ihrer Mitstreiter aufeinander, wobei sich die Unterschiede zwischen den Lagern als weit weniger unüberbrückbar erwiesen, als es den ZeitgenossInnen seinerzeit erschien.

Während 2019 Bruckners Aufbruch zu neuen sinfonischen Welten das zentrale Thema war, entwarf das Brucknerfest 2020 ein klingendes Panorama von Bruckners Zeit, die auf dem Feld der Musik geprägt war vom ästhetisch-ideologischen Parteienstreit zwischen „Neutönern“ und „Akademikern“. Das Festival stellte dabei immer wieder Werke seines Namensgebers denjenigen von Johannes Brahms in direkter Konfrontation gegenüber.

 

DAS INTERNATIONALE BRUCKNERFEST LINZ 2020 IM ÜBERBLICK 

AUSLASTUNG:85%
VERANSTALTUNGEN INSGESAMT:40
23 Konzerte, 1 Festakt, 3 Klanginstallationen, 1 Vernissage/Ausstellung, 1 Linzer Klangwolke 20, in deren Rahmen 9 Klangjuwelen-Konzerte stattfanden, 2 Kinderklangwolken
ABGESAGTE KONZERTE:3
von Chören und MusikerInnen aufgrund der aktuellen Situation und daraus resultierenden Reisebeschränkungen: 18.9. Tenebrae Choir im Alten Dom, 26.9. The Sixteen im Mariendom und 30.9. Sir Antonio Pappano
VERSCHOBENE KONZERTE: Alles Tanzfloor aus der Reihe BrucknerBeats 
Neuer Termin: 15. Oktober 2021
MUSIKER/INNEN AUF DER BÜHNE:880 internationale MusikerInnen
MUSIKER/INNEN AUS 16 NATIONEN:Argentinien, Australien, Deutschland, Frankreich, Großbritannien, Israel, Italien, Japan, Mexiko, Niederlande, Österreich, Schweiz, Spanien, Thailand, Tschechien, USA
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