12.09.2021

Feierliche Eröffnung des Internationalen Brucknerfestes Linz 2021

MAGISCHE MOMENTE UND MUTIGE IMPULSE BEI DER FEIERLICHEN ERÖFFNUNG DES INTERNATIONALEN BRUCKNERFESTES LINZ 2021

Bürgermeister Klaus Luger lud gemeinsam mit dem Vorstandsdirektor der LIVA, Brucknerhaus-Intendant Mag. Dietmar Kerschbaum, zur feierlichen Eröffnung des Internationalen Brucknerfestes Linz 2021, das heuer den Titel "Mutige Impulse - Bruckner und seine Schüler*innen" trägt, ein. Bundespräsident a. D. Dr. Heinz Fischer setzte als Festredner am 12. September um 10.30 Uhr im Brucknerhaus Linz "mutige Impulse" und fand deutliche Worte mit einer signifikanten Botschaft in seiner Ansprache unter dem Titel "Gedanken zur Belastbarkeit unserer Demokratie" zu Menschenrechten, Menschenwürde und zum Schutz der Demokratie.

Mit einem Festakt im Brucknerhaus Linz, zu dem zahleiche Ehrengäste geladen waren, wurde am 12. September das Internationale Brucknerfest Linz 2021 feierlich eröffnet, das heuer unter dem Motto „Mutige Impulse. Bruckner und seine Schüler*innen“ steht. Unter dem jungen Senkrechtstarter Finnegan Downie Dear, Gewinner der Mahler Competition 2020, spielte das Oberösterreichische Jugendsinfonieorchester Werke von Hans Rott, Gustav Mahler, Hugo Wolf, Friedrich Klose und Mathilde Kralik von Meyrswalden, sorgte für magische musikalische Momente und bewies damit einmal mehr, über welch herausragende musikalische Talente Oberösterreich verfügt, aber auch, dass diese in hohem Maße gefördert werden. Ebenfalls mit dabei war der voestalpine Chor Linz, einstudiert von Christian Schmidbauer. Moderiert wurde diese Matinee von der Kulturjournalistin Andrea Schurian, die gleich zu Beginn zum Ausdruck brachte, dass Kultur für eine demokratische Gesellschaft systemrelevant sei.

 

Festakt © Oliver Erenyi
Festakt © Oliver Erenyi

Nach der namentlichen Begrüßung der zahlreichen Ehrengäste wies die Linzer Kulturstadträtin Doris Lang-Mayerhofer darauf hin, dass die Würdigung des kulturellen Erbes stets mit dem Blick nach vorne verbunden sein muss. Schon im Hinblick auf das Bruckner-Jahr 2024, in dem der 200. Geburtstag des Komponisten gefeiert wird, hat die Stadt Linz daher das Projekt „Anton.Linz“ ausgeschrieben, mit dem das kreative Schaffen in mehreren künstlerischen Bereichen gefördert werden soll. „Lasst uns von Bruckner lernen“, sagte sie in Bezug darauf, dass Bruckner selbst einst mutig neue Wege beschritten hat.

Bürgermeister Klaus Luger ließ in seiner Festansprache die letzten eineinhalb Jahre Revue passieren, die von der Corona-Pandemie geprägt gewesen sind. Diese habe die Menschen verunsichert, weil sie die Grenzen des Machbaren vor Augen geführt habe. Er attestierte der österreichischen Bundesregierung, beim Ausbruch der Pandemie, der in den ersten Lockdown führte, richtig entschieden zu haben und bedankte sich in Folge für die exzellente Zusammenarbeit zwischen den Kistenstäben des Landes Oberösterreich und der Stadt Linz. Da habe Oberösterreich hervorragend funktioniert. Den ersten Lockdown hat Klaus Luger, wie er ausführte, als „gespenstische Zeit“ erlebt, minutenlang sei am Hauptplatz von Linz kein Mensch zu sehen gewesen. Aber Linz habe diese Krise gut bewältigt, die Stadt habe Disziplin, Haltung und Charakter bewiesen. Diese letzten eineinhalb Jahre hätten aber auch Schwächen in der Digitalisierung aufgezeigt. Die jüngere Generation konnte digital in Kontakt bleiben, ältere Menschen waren isoliert. Vieles, was zuvor selbstverständlich gewesen sei, war es plötzlich nicht mehr, Geburtstagsfeiern in einem größeren Kreis zum Beispiel, oder der Besuch von Veranstaltungen. Auch Reisebeschränkungen waren für die meisten Menschen ein Novum, das sie so noch nicht erlebt hätten. Als Auswirkung der Krise fürchtet Klaus Luger eine stärkere gesellschaftliche Spaltung. Und er ruft alle, die in entsprechenden Positionen tätig sind, dazu auf, solchen Spaltungstendenzen entgegenzuwirken. Das Motto des diesjährigen Brucknerfests aufgreifend sagt er außerdem, dass es mutiger Impulse bedarf, um sensibel mit der Lebensqualität in der Stadt Linz umzugehen. Im Stadtsenat gäbe es dazu einen Grundkonsens, der in der Entscheidung gipfelt, Linz bis zum Jahr 2040 klimaneutral zu machen.

Festakt © Reinhard Winkler
Festakt © Reinhard Winkler

Landeshauptmann Mag. Thomas Stelzer bekannte sich in seiner Festansprache zur Tradition, aber in dem Sinn, dass sie den festen Boden darstellt, auf dem das Überraschende und Neue hervorbrechen und die Entwicklung weitergehen kann. Als Komponist sei Anton Bruckner dafür das Sinnbild. Oberösterreich erlebe derzeit einen wirtschaftlichen Aufschwung, den man sich so nie hätte vorstellen können. Um diese erfreuliche Tendenz voll ausschöpfen zu können, bedarf es eines Miteinanders, wofür nicht zuletzt Kunst und Musik die Voraussetzungen schaffen. Kunst sei aber auch ein Vorbild für den ständigen Wandel. Der Aufschwung bedeute nicht nur das allmähliche Hinter-Sich-Lassen einer Krise, sondern auch das Anvisieren neuer Ziele, etwa im Bereich der Klimapolitik. Oberösterreich sollte selbstbewusst auf diese Ziele zugehen. Klima- und Umweltschutz seien in Oberösterreich auch schon in der Vergangenheit ernst genommen worden. Doch gelte es, die Faszination an Neuem weiter voranzutreiben. Konkret sprach Stelzer mit Bezug auf die Automobil- und Luftfahrtindustrie in Oberösterreich, neue Antriebsformen an. Mit seinen schon weit gediehenen Forschungen im Bereich Wasserstoff könnte Oberösterreich zum Modell für ganz Österreich werden. Oberösterreich sei ein Wirtschaftsland, ein Industrieland, ein Wohlfahrtsland. All das sei es vor allem deshalb, weil es auch ein Land der Musik und der Kultur ist.
 
 Auch Vizekanzler Mag. Werner Kogler ging in seiner Festansprache auf das Motto des diesjährigen Brucknerfests ein und fragte zunächst, was Mut sei. Mutig sein bedeutet, dass man zunächst nicht wisse, wie eine Sache ausgehe. Eine Vollkasko-Versicherung gäbe es nicht. Anton Bruckner, den wir heute für seinen Mut, neue Wege zu beschreiten, bewundern, hat zu Lebzeiten genau dieses Mutes wegen Ablehnung erfahren, was ihn mitunter in Verzweiflung stürzte. Der Vizekanzler zitierte Nikolaus Harnoncourt, der über Bruckner gesagt hat: „Ein Stein ist vom Mond gefallen und das war Bruckner“. Bruckner sei eine Erschütterung, ein Aufbruch gewesen. Er war die Antithese zum alten Denken. Er hat Brüche über das Glatte gestellt. Bruckner habe nicht einfach die Vergangenheit fortgeschrieben, er habe sie aufgebrochen und das Neue zu Papier gebracht. Es sei zwar ungemütlich, das alte Denken aufzugeben, aber wirklich Großes entstehe nur so. Es gäbe, so der Vizekanzler Zeiten, in denen „mutige Impulse“ nicht ausreichen, weil die Herausforderungen zu groß seien. Solche Zeiten brauchen ein radikales Umdenken. Das Alte Denken sei der Feind der Zukunft, es bedeutet Mutlosigkeit und das Verharren in der Komfortzone. Gegenwärtig stehe die Zukunft unserer Kinder, die Zukunft des Planeten auf dem Spiel. Politiker erhalten ihren Auftrag nicht nur von den Wähler*innen, sondern auch von der Zukunft. Es gehe um die Überlebensbedingungen zukünftiger Generationen. Noch einmal auf Bruckner zurückkommend zitierte Kogler den Komponisten mit dem Satz: „Wer Türme bauen will, muss lang beim Fundament verweilen“. Und er stellte die Frage, welche Fundamente wichtig sind. Eines dieser Fundamente ortet er in der amerikanischen Unabhängigkeitserklärung, die alle Menschen als gleich geboren wertet und ihren Anspruch nach Freiheit und Glück anerkennt. Das gelte immer noch, mittlerweile sei als wichtiges Fundament jedoch auch eine intakte Natur hinzugekommen. In Linz sei es bisher gut gelungen, Arbeit und Umwelt zu vereinen. Auch das sei Mut. Doch reiche eine intakte Wirtschaft auf Dauer nicht aus. Auch Klimaschutz wird mehr denn je wichtig sind.  
 
Als Festredner konnte niemand Geringerer als Bundespräsident a. D. Dr. Heinz Fischer  als Festredner gewonnen werden. Auch in seiner Festrede "Gedanken zur Belastbarkeit unserer Demokratie" sorgte er für jede Menge mutige Impulse. Der gebürtige Grazer habilitierte 1976 an der Universität Innsbruck und wurde 1994 zum Universitätsprofessor ernannt. Der Autor und Herausgeber zahlreicher Bücher gehörte von 1971 bis 2004 dem Österreichischen Nationalrat an und war 12 Jahre Präsident des Österreichischen Nationalrates. Von 1983 bis 1987 war er Bundesminister für Wissenschaft und Forschung. 2004 wurde Dr. Heinz Fischer zum Bundespräsidenten der Republik Österreich gewählt und 2010 mit 79% der gültigen Stimmen für eine zweite Amtsperiode bis 2016 wiedergewählt.  2018 koordinierte er über Ersuchen der Bundesregierung die Veranstaltungen zum 100. Geburtstag der Republik Österreich. Derzeit ist Dr. Fischer gemeinsam mit dem früheren UNO-Generalsekretär Ban Ki-moon Co-Chair des Ban Ki-moon Centres for Global Citizenship, Präsident des Institutes für die Wissenschaft der Menschen (IWM), Präsident des Verbandes der Österreichischen Volkshochschulen und Präsident der Österreichisch-Chinesischen Gesellschaft. Er zählt zu den Gründungsmitgliedern der österreichischen Sektion von Amnesty International.
 
 "...Die Demokratie muss auch gewollt und gelebt werden, um allen Belastungen standhalten zu können.... Was die Demokratie gefährdet, gefährdet auch die Menschenrechte und umgekehrt. Dabei geht es aber nicht nur um die eigenen Menschenrechte, sondern immer auch um Menschenrechte und Menschenwürde anderer Menschen und in anderen Staaten; auch in Syrien, auch in Belarus, auch in Afghanistan etc. Ich will mich an dieser Stelle nicht verschweigen: Wenn man in ein Land, in dem Menschenrechte so grausam verletzt werden wie im Afghanistan der Taliban, Menschen abschiebt oder abzuschieben versucht, dann versündigt man sich an den Menschenrechten. Und noch etwas: In der Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem in Jerusalem ist ein Satz aus dem Talmud eingraviert, welcher lautet: „Wer ein Menschenleben rettet, rettet die ganze Welt.“ Sollten wir nicht an diesen Satz denken, wenn mit dem Argument, dass wir ja nicht alle Menschen retten können, jede Rettung abgelehnt wird – also auch die Rettung einzelner Menschen oder kleiner, besonders gefährdeter Gruppen? Die Demokratie hat das Prinzip gleicher Menschenwürde als starke Stütze, aber die mit der Natur des Menschen verknüpfte Tendenz zur Anhäufung und Konzentration von Macht als Gefahrenquelle und Belastung", appellierte Dr. Heinz Fischer, Bundespräsident a. D. und betonte: "Macht ist bekanntlich die Fähigkeit, den eigenen Willen auch gegen Widerstand durchzusetzen; aber Macht hat die Tendenz zur Akkumulation von weiterer Macht. Daher gehören institutionelle Vorkehrungen zur Legitimation der Macht, zur Begrenzung der Macht, zur Teilung der Macht, zur Kontrolle der Macht und zur Befristung der Macht zu den wesentlichen Bausteinen eines demokratischen Systems. Eines der wichtigsten Instrumente zur Begrenzung der Macht ist der Rechtsstaat, also die Bindung der Macht an das Gesetz. Wer die Demokratie stützen und schützen will, muss auch den Rechtsstaat stützen und schützenUnd wer den Rechtsstaat gefährdet, gefährdet auch die Demokratie", so Eröffnungsredner Dr. Heinz Fischer, Bundespräsident a. D.

„Das Internationale Brucknerfest Linz 2021 ist eröffnet! Dieser Satz allein ist schon Musik in den Ohren unseres Publikums, das sich auf die musikalischen Darbietungen in dessen Rahmen freut. Der Festakt zur Eröffnung hat die Bedeutung dieses wichtigsten Klassikfestivals in Oberösterreich eindrucksvoll unterstrichen, allein schon durch die Zahl der Ehrengäste, durch die Eröffnungsredner, vor allem aber durch die Tatsache, dass Bundespräsident a.D. Dr. Heinz Fischer die Festrede hielt. Für seine mahnenden Worte, die Demokratie als etwas Kostbares zu verteidigen, bin ich ihm sehr dankbar. Er hat daran erinnert, dass es eine Demokratie ohne Menschenrechte und ohne rechtsstaatliche Grundsätze nicht gibt. Wer an diesen Errungenschaften rüttelt – und es sind Errungenschaften, die von unseren Vorfahren hart erkämpft werden mussten – gefährdet die Demokratie. Dessen sollten wir uns stets bewusst sein." Mag. Dietmar Kerschbaum, Künstlerischer Vorstandsdirektor LIVA, Brucknerhaus-Intendant

 

FESTAKT – FEIERLICHE ERÖFFNUNG

SO, 12. September 2021, 10:30 Uhr
Brucknerhaus Linz, Großer Saal

voestalpine Chor Linz 
Oberösterreichisches Jugendsinfonieorchester
Finnegan Downie Dear
| Dirigent

 

PROGRAMM

Hans Rott (1858–1884)
Pastorales Vorspiel F-Dur für Orchester (1877–80)            

Gustav Mahler (1860–1911)
Blumine. Sinfonischer Satz C-Dur für Orchester (1884)

Hugo Wolf (1860–1903)
Italienische Serenade G-Dur für kleines Orchester (1887, 1892)

Friedrich Klose (1862–1942)
Elfenreigen D-Dur für Orchester (1892)      

Mathilde Kralik von Meyrswalden (1857–1944)
Fest-Ouverture G-Dur für Chor und großes Orchester (1897)
 

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