03.06.2020

Oscar Jockel

Leidenschaft, das können alle!“, schrieb Arnold Schönberg 1914 an den damals 22-jährigen Dirigenten Hermann Scherchen, der sich an eine Aufführung der 1. Kammersinfonie des Komponisten gewagt hatte. Und er setzte hinzu: „Aber Innigkeit, die keusche, höhere Form der Gefühle, scheint den meisten Menschen versagt zu sein. Das ist ziemlich begreiflich; denn das ihr zugrundeliegende Gefühl muß empfunden sein, und nicht bloß dargestellt werden!“ Das hat der gerade einmal 24 Jahre alte deutsche Komponist und Dirigent Oscar Jockel, der im Juni 2019 den Orgelkompositionswettbewerb von Anton Bruckner Privatuniversität und Brucknerhaus Linz gewann und den das Brucknerhaus nun als Composer in Residence mit einer Reihe von Kompositionsaufträgen fördert, offenkundig längst verstanden. Seine Musik hält sich denn auch nicht mit der äußerlichen Darstellung von Leidenschaften auf, sondern zielt auf das Wesenhafte, den Kern dieser Kunst. Seine Kompositionen, oft höchst intellektuell konstruiert, äußerst verdichtet und doch beim Hören niemals unsinnlich, kalt oder glatt, sind folgerichtig Reisen ins Innere des Tons und der Klänge, die uns vielleicht gerade deswegen genau dort, im Innersten, zu berühren vermögen.

Dies zu erleben und zu erfahren, gibt es im Laufe der Saison 2020/21 vielfältige Gelegenheiten: Für die Dauer des Internationalen Brucknerfestes Linz 2020 wird eine Klanginstallation am Taubenmarkt zu hören sein, während des ersten Abends der neuen Reihe Freitags im Museum entsteht eine Live-Komposition für Streichquartett und im Neujahrskonzert heben Christoph Sietzen, das Bruckner Orchester Linz und Markus Poschner ein Orchesterwerk aus der Taufe. Weitere Uraufführungen bringen die drei Konzerte der Reihe Hier & Jetzt in Gestalt eines Stücks für Cembalo und Elektronik, einer Nachtmusik für Violine und Klavier sowie eines Werks, das im Rahmen eines Workshops mit Studierenden der Universität für künstlerische und industrielle Gestaltung Linz entwickelt wird.

Ein großes Talent ist hier zu entdecken, dessen musikalische Sprache Eigenständigkeit, Formwille sowie Klangsinn auszeichnen, und nicht zuletzt dies: Innigkeit.

 

 Das Förderprogramm Composer in Residence wird ermöglicht mit freundlicher Unterstützung der Linz AG.

Oscar Jockel | Composer in Residence  ©Wolf Silveri
Oscar Jockel | Composer in Residence ©Wolf Silveri
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