Die neue Brucknerhaus-Orgel

Die alte Orgel, die mit der Eröffnung des Brucknerhauses 1974 ihrer Bestimmung übergeben wurde, war im Konzertbetrieb längst nicht mehr einsatzfähig. Ihre Stimmung war zu hoch, wodurch ihre Verwendung bei Orchesterkonzerten nicht möglich war. Dazu kamen statische Probleme und solche der Zugänglichkeit, was Pflege und Wartung der Orgel erschwerte. Bei einer genauen Überprüfung stellte sich auch heraus, dass die bauliche Substanz der alten Orgel in einem sehr schlechten Zustand war. Aus all diesen Gründen ist man von der ursprünglichen Überlegung einer Generalsanierung abgekommen und hat sich für einen Neubau entschieden, bei dem jedoch die ursprüngliche Fassade erhalten bleibt.

Der Linzer Bürgermeister Klaus Luger sprach bei der Pressekonferenz am 7. Mai 2018 von „einer großen finanziellen Herausforderung für die Stadt, doch wir haben es geschafft. Wir mussten so handeln, weil die Orgel nicht mehr der Zeit entsprach.

Brucknerhaus-Intendant  Dietmar Kerschbaum bezeichnete den 7. Mai 2018 als „historischen Tag  für das Brucknerhaus und für Linz“. „Mit der neuen Orgel schließen wir an internationale Standards an.“ Außerdem kündigte er für die Zukunft  einen Orgelimprovisations-Wettbewerb an. 

Anton Bruckner wurde einst im In- und Ausland für seine Orgelimprovisationen gefeiert.

 

Die neue Brucknerhaus-Orgel © Rita Newman
Die neue Brucknerhaus-Orgel © Rita Newman

Der Neubau wurde ausgeschrieben, den Zuschlag bekam die international renommierte Firma Rieger Orgelbau, die u. a. die neue Orgel im Großen Saal des Wiener Musikvereins sowie die Orgel in der neuen Pariser Philharmonie gebaut hat. Die Kosten für den Neubau belaufen sich auf knapp 1,1 Millionen Euro.

 

Besuchen Sie ein Konzert der folgenden Abonnements, um den Klang der neuen Orgel zu erleben: 

 

 

 

 

Die Demontage der alten und der Aufbau der neuen Orgel wurde mit einer Zeitrafferkamera aufgenommen. Sehen Sie sich diese außergewöhnliche Dokumentation an!

Anmerkungen zur Orgel im Großen Saal des Brucknerhauses Linz

Die von der Firma Rieger 2018 neu gebaute Orgel verfügt über 51 Register verteilt auf 3 Manualwerke und Pedal.
Das Instrument ist bezüglich Konzept und Intonation grundsätzlich sinfonisch ausgerichtet, besitzt aber auch genügend Möglichkeiten zur Darstellung obertonreicher Klangfarben.

  • Die Registerbetätigung ist elektrisch. Das in zeitgenössischer Orgelmusik beliebte „Halbziehen“ von Registern ist nicht möglich.
  • Die Orgel verfügt über eine elektronische Setzeranlage zum Speichern der Registrierungen. Es können beliebig viele und umfangreiche Registrierungswechsel vorgenommen worden, zum Umschalten ist nach dem Speichern nur noch ein Knopfdruck erforderlich.
  • Die Manualwerke II und III stehen in Schwellkästen und sind jeweils mittels Balanciertritt unabhängig von der Registrierung stufenlos in ihrer Lautstärke veränderbar. Dies gilt auch für die Pedalregister Gedecktbass 16' und Gedeckt 8', die als Transmissionen der gleichnamigen Register im II. Manual ausgeführt sind.
  • Der Crescendotritt ermöglicht sehr rasche Lautstärkenänderungen, indem nach einem programmierten Ablauf Register hinzu- oder wegkommen.
  • Die Manualwerke verfügen über zwei unterschiedliche Sostenuto-Funktionen: Mit dem Standard-Sostenuto kann ein bereits angeschlagener Akkord fixiert werden („Tastenfessel“), das additiv-subtraktive Sostenuto fixiert alle nach Aktivierung der Funktion auf diesem Manual angeschlagenen Töne; durch erneutes Drücken einer Taste wird die Fixierung dieses Tons aufgehoben.

Die Bandbreite der technischen Möglichkeiten muss keinesfalls in vollem Umfang ausgereizt werden.

Bitte bedenken Sie auch, dass viele andere Orgeln über keine oder nur über einen Teil dieser technischen Möglichkeiten verfügen. Allerdings könnten diese zum Teil durch Hilfsmittel (Tastengewichte, Assistenten) substituiert werden.

Alle weiteren Angaben können der Orgeldisposition ( PDF |2.03 MB) entnommen werden.

Bei Fragen steht der Orgelkustos des Brucknerhauses Linz, Martin Riccabona, jederzeit gerne zur Verfügung: martin.riccabona@gmx.at