Wenige Minuten nach Anton Bruckners Tod am 11. Oktober 1896 um halb vier Uhr nachmittags betete der Kaplan des Schlosses Belvedere an dessen Totenbett den Psalm »De profundis«: »Aus den Tiefen rufe ich, Herr, zu dir«. Zur selben Zeit schrieb Oscar Wilde als Insasse des Gefängnisses im englischen Reading einen 50.000 Wörter umfassenden Brief, der später unter dem Titel De profundis veröffentlicht werden sollte. Adressat war Lord Alfred Douglas, dessen intimes Verhältnis mit Oscar Wilde letztlich zur gesellschaftlichen Ächtung und Verurteilung des Dichters geführt hatte. Der Text ist eine sprachgewaltige, wilde Apologie zwischen Selbstreflexion und dem Streben nach Transzendenz. Die Pianistin und Konzertdesignerin Hanni Liang stellt mit Frederic Rzewskis kongenialer Vertonung dieses De profundis »für sprechende Pianistin«, umrahmt von Klavierwerken Bruckners und performativen Stücken von La Monte Young, ein außergewöhnliches Werk in den Mittelpunkt ihres multisensorischen Programms, bei dem die Bühne ins Zentrum des Mittleren Saales rückt.
La Monte Young // * 1935
Composition 1960 #10 (to Bob Morris) // 1960
Composition 1960 #4 // 1960
Composition 1960 #7 // 1960
Anton Bruckner // 1824–1896
Fantasie für Klavier WAB 118 // 1868
Frederic Rzewski // 1938–2021
De profundis für sprechende Pianistin // 1994
Anton Bruckner // 1824–1896
Erinnerung für Klavier WAB 177 // 1868
Hanni Liang | Klavier & Sprecherin
Für Konzertbesucher:innen findet um 18:45 Uhr (bei freiem Eintritt) eine Konzerteinführung im Mittleren Saal statt.