
Gewitter, Donner, Fluten: Was wie ein realer Wettersturz über Linz wirkte, war Sound & Licht-Design. Rund 90.000 Besucher:innen erlebten am 12. September die Linzer Klangwolke 26 ATTheENDLinz, präsentiert von der SPARKASSE OÖ und LINZ AG. Es wartete ein akustisch und visuell erzeugtes Untergangsszenario, so dicht inszeniert, dass es sich real anfühlte. Wie jedes Jahr waren die besten Plätze am Donauufer bei freiem Eintritt für das breite Publikum reserviert.
Der Abend begann mit Bildern eines strahlenden Linz. Dazu sangen die St. Florianer Sängerknaben Bruckners »Locus iste« vom Dach des Brucknerhauses, bevor Feuer, Fluten, Sandstürme und Explosionen die Stadt auf den Projektionsflächen verschlangen. Tsunamiwellen rollten über historische Plätze und Brücken. Das Bruckner Orchester Linz unter Markus Poschner fuhr auf einem 70 m langen Kahn mit einer 17 m hohen Projektionsfläche ein und ließ Musik aus Bruckners 9. Sinfonie erklingen.
Regisseur Felix Breisach hat rund ein Jahr an dieser Klangwolke gearbeitet. »Das ist mir nicht immer leichtgefallen«, sagt er im Rückblick. Sein Anspruch war dabei nie, Lösungen oder Moral zu liefern, sondern eine Anregung zum Nachdenken, zu Haltung, zu Empathie. Wie viel sich von dem, was er sich ein Jahr lang in seiner Fantasie ausgemalt hatte, tatsächlich in die Realität übersetzen ließe und beim Publikum ankommen würde, war ihm bis zuletzt nicht klar. Nach der Aufführung und einem tosenden Schlussapplaus zieht er ein zufriedenes Resümee: »Das größte Glück ist, dass da wirklich sehr viel so passiert ist, wie ich es mir erträumt habe.«

Breisach ließ Linz aber nicht völlig untergehen, sondern skizzierte auch den Aufbruch: Aus verkrusteten, verdorrten Landschaften sprossen erste grüne Pflänzchen. Aus Dornen wuchsen Blüten. Bilder von Blut, das durch Venen fließt, von fliegenden Bienen und blühenden Bäumen erzählten von der Chance eines Neuanfangs. Bachmann-Preisträgerin Natascha Gangl rezitierte ihre Texte und ließ sie durch Kompositionen von Flora Geißelbrecht und Sounds von Arthur Fussy über die Donau tragen. Die Schriftstellerin war überwältigt vom Endergebnis der Gesamtkomposition: „Ich fand es ein sehr sinnliches und auch ermutigendes Erleben, das zeigt, wie unterschiedliche Ausdrucksformen total harmonisch miteinander fließen können. Und das ist ja gerade bei aller Dystopie, die uns umgibt, schön zu sehen: Wie sich ein gemeinsames Klingen anhören und wie das Gemeinsamsein aussehen kann.










Der künstlerische Direktor des Brucknerhauses, Norbert Trawöger, sieht gerade in diesem gemeinsamen Erleben den eigentlichen Kern und den großen Lichtblick des Abends: »Allein, dass so viele Menschen zusammenkommen für ein Kunstereignis, ist für mich die Hoffnung per se. Wenn wir uns unter dem Ungreifbaren versammeln, aus allen Ecken der Gesellschaft, dann ist das keine Hoffnung mehr, sondern das ist Wirklichkeit.« Beglückt zeigte er sich vor allem darüber, dass an der heurigen Linzer Klangwolke 26 ATTheENDLinz, präsentiert von der SPARKASSE OÖ und LINZ AG, der Klang selbst im Zentrum stand: ein anspruchsvolles Programm mit Werken von Frank Martin über Richard Strauss und die Beatles bis hin zu Anton Bruckner. Dem Bruckner Orchester Linz ging es mit seinem imposanten Klangwolken-Auftritt um das Verlebendigen von Bruckners Erbe. Markus Poschner war begeistert von der Verschränkung von Breisachs Inszenierung und den großen Fragen, die Bruckner sich stellte: »Wie wollen wir leben? Wo leben wir? Was bedeutet Natur? Gerade die oberösterreichische Natur war für Bruckner ein unglaublich wichtiges Thema und Quelle der Inspiration. Und das passt natürlich wunderbar auch aufs Wasser, wie heute auf der Donau.«
Als Bariton Rafael Fingerlos, begleitet am Klavier von Marcus Merkel, von einer Hebebühne weit über dem Boden »Morgen« von Richard Strauss‘ anstimmte, hörte man eine Besucherin sagen: »Jetzt kommt die Hoffnung.« Am Ende wurden alle Schreckensbilder zurückgebaut, ein neuer Urknall setzte ein, neue Menschen erschienen. Für Regisseur Breisach ist klar, woher der nächste Schritt kommen muss: »Die einzige Chance, die wir haben, ist, dass wir es selbst verändern. Wir haben es in der Hand. Wir sind die Gesellschaft. Wir können die Guten sein.«
Danke an alle, die diesen besonderen Abend mit uns an der Donaulände erlebt, gestaunt, zugehört und ATTheENDLinz zu dem gemacht haben, was die Linzer Klangwolke 26, präsentiert von SPARKASSE OÖ und LINZ AG, ausmacht: ein gemeinsames Erlebnis für die ganze Stadt.
ATTheENDLinz, wurde auf ORF Radio OÖ und auf ORF ON live übertragen.
ATTheENDLinz kann für alle, die sie verpasst haben, auf der Brucknerhaus-Website , sowie auf ORF ON und auf TV1 nachgesehen werden.
Die Linzer Klangwolke 26, präsentiert von der SPARKASSE OÖ und LINZ AG, wird am Mittwoch, 16. September, sowie am Samstag, 19. September, jeweils um 20:00 Uhr nochmals in voller Länge auf TV1 gesendet – online unter: https://tv1.nachrichten.at/live.
Zahlen, Daten, Fakten
Technisch auf dem neuesten Stand Einsatz von LED und moderner Technologie sorgt für deutlich weniger Stromverbrauch und geringere Transportkosten Bei der Beleuchtung kommen ausschließlich LED- und Laserscheinwerfer zum Einsatz. Dadurch konnte der Strombedarf deutlich gesenkt werden. Die eingesetzte Technik in diesem Bereich entspricht demnach den Anforderungen einer Zertifizierung mit Umweltzeichen. Bei Tontechnik und LED-Wänden hat sich die Energieeffizienz stark verbessert: Für eine vergleichbare Leistung wird heute nur noch etwa die Hälfte des Stroms benötigt wie vor zehn Jahren. Lediglich auf dem Schiff werden noch Dieselgeneratoren benötigt, durch den Landstromanschluss bei der Schiffsanlegestelle sind diese anderweitig nicht mehr vonnöten. Zudem werden sämtliche Signale für Ton, Licht und Video digital übertragen. Dadurch können unzählige Kabelstrecken eingespart und unterschiedliche Daten gemeinsam über Netzwerke transportiert werden. Die höhere Effizienz führt außerdem dazu, dass viele technische Geräte heute kleiner und leichter sind. Das reduziert wiederum den Transportaufwand und damit auch den ökologischen Fußabdruck der Produktion. |
| Musik von Anton Bruckner Musiker:innen / Mitwirkende Bruckner Orchester Linz / Markus Poschner Text und Wort | Natascha Gangl Konzept und Regie | Felix Breisach Künstlerischer Direktor Brucknerhaus/LIVA | Norbert Trawöger sowie das gesamte Team des Brucknerhauses und der LIVA |
Mit ATTheENDLinz ging am Samstag auch die erste Klangwolkenwoche zu Ende. Von 7. bis 11. September setzte sich das Programm an verschiedenen Orten in Linz mit Endlichkeit, gesellschaftlichen Krisen und der Frage nach einem Neubeginn auseinander.
Die Ausstellung Letzte Dinge im ehemaligen Kassenfoyer des Brucknerhauses lud Besucher:innen dazu ein, persönliche Erinnerungsstücke mitzubringen und Pretiosen aus dem Archiv des Hauses zu bestaunen. Das StifterHaus brachte mit der LesereiheAdalbert Stifter und die Endlichkeit zweimal täglich Passagen aus Stifters Ein Gang durch die Katakomben vom Balkon zu den Zuhörenden. Im s Spektrum der SPARKASSE OÖ wurden die Nachhaltigkeits-Filme Smoke and Mirrors und Entangled Atlas gezeigt.
Zu den Highlights der Klangwolkenwoche zählten zweifellos das Gespräch vonRenata Schmidtkunz mit dem Intendanten der Wiener Festwochen Milo Rau im Brucknerhaus sowie der gemeinsam mit der Ars Electronica veranstaltete SoundPark, der den Donauraum zwischen Lentos und Brucknerhaus zur Klangbühne machte. Mit Flood the Zone with Courage lud zudem eine partizipative Kunstaktion auf dem Linzer Hauptplatz zum Mitmachen und Diskutieren ein.
Was mit der Klassischen Klangwolke , präsentiert von der SPARKASSE OÖ und LINZ AG, am 4. September seinen Ausgang genommen hatte, bei der Riccardo Chailly und die Filarmonica della Scala gemeinsam mit dem Pianisten Alexander Malofeev eine Hundertschaft von Zuhörenden im Donaupark wie im Großen Saal des Brucknerhauses begeisterte, wurde mit der Kinderklangwolke Sun & Bun auf der Suche nach dem Glück, präsentiert von der SPARKASSE OÖ und LINZ AG, am darauffolgenden Sonntag höchst erfolgreich fortgesetzt und kam mit der Aufführung von ATTheENDLinz im Donaupark zu einem fulminanten Ende, das gleichzeitig den Schlusspunkt hinter die Serie der Klangwolken 26, präsentiert von der SPARKASSE OÖ und LINZ AG, setzte.
Das vollständige Programm der Klangwolkenwoche finden Sie hier: Klangwolkenwoche
Im Anschluss an die Linzer Klangwolke 26, präsentiert von der Sparkasse OÖ und LINZ AG, ging es bei der LINZ AG Nachklangwolke im Donaupark weiter: TASHEENO brachte mit einem offenen Genre-Crossover aus Dance, Dub und technoiden Grooves Club-Sounds aus aller Welt auf die Bühne. Repetitiv, hypnotisch und treibend verschmolzen Drums, Bass, Synthesizer, Gitarre und Brass zu einem dichten Sound zwischen Band und Elektronik. Mit ihren markanten Zensurbalken-Brillen rückten die vier Musiker den gemeinsamen Moment und vor allem eines in den Mittelpunkt – die Musik.

