Festival 4020 - Die Schwimmerin © Astrid Esslinger
Fr 6 Mai 19:30
Mittlerer Saal Brucknerhaus Linz
Fluss≈
Geschichten
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Fluss≈Geschichten

Flowing Water

Es ist eine abenteuerliche Expedition, auf die sich Claudio Astronio am Cembalo und die Sopranistin Laura Catrani begeben – eine Flussvermessung, die uns von frühbarocken Kantaten über die Spätromantik bis in die Gegenwart führen wird. Eine Reise, die von der schwindelerregenden und perlenden Virtuosität einer Komposition Joseph Nicolas Pancrace Royers ihren Ausgang nimmt, der am Hof König Ludwigs XV. von Frankreich wirkte und seine „Pièces de Clavecin“ dessen Prinzessinnen widmete. Sie wird später einen überraschenden Bogen zum „Mad Rush“ von Philip Glass spannen, einem Stück, das auf ungemein suggestive Weise den Begriff des Zeitflusses relativiert: Es entfaltet sich in einer Wechselbewegung von meditativer Statik und Gelassenheit und rasend nach vorwärts stürzenden Arpeggio-Kaskaden, bildet ein gleißendes Labyrinth ineinandergreifender Rhythmen und Wellenbewegungen, Verzögerungen und gegenläufiger Beschleunigungen.

„Flowing Water“ als Leitmotiv dieses Auftritts bezieht sich jedoch nicht nur auf musikalische Kategorien, sondern auch auf das ganze Spektrum menschlicher Gefühle und Leidenschaften, die in all ihren Aggregatzuständen besungen und ausgelotet werden. So zeichnet die Kantate Barbara Strozzis den Philosophen Heraklit im Zustand einer emotional überbordenden Verzweiflung, die sich aus dem Fluss der Tränen nährt, in der Schmerz zur Freude und Klage zum Glück wird. Eine zweideutige, vielleicht sogar androgyne Szene, die Melancholie geradezu als Ort der Erholung zelebriert.

Henry Purcells Oper „King Arthur“ führt uns wiederum in eine märchenhafte Zauberwelt von Genien, Erd- und Luftgeistern und anderen mythologischen Gestalten. Cupido, der Genius der Liebe, beweist darin, dass er auch noch das eisigste Herz aufzutauen vermag. Der „Cold Song“, in dem der Cold Genius, der Eisgeist, aus der Verzweiflung der Finsternis und emotionalen Vergletscherung um seine Erlösung fleht und durch die Macht der Liebe befreit wird, zählt wohl zu den schönsten Arien dieser Zeit.

Laura Catrani und Claudio Astronio kommen aus zwei einander diametral entgegengesetzten künstlerischen Biotopen: Während Astronio sich in der Alten Musik als Interpret und Dirigent einen Namen gemacht hat, kommt Laura Catrani aus der zeitgenössischen Musik und Avantgarde; sie ist auch ausgebildete Schauspielerin und Performerin. So bilden die beiden zwei kreative Pole, die in ihrem Zusammenspiel ein ganzes Spektrum emotionaler und musikalischer Extreme in einer radikal kontrastreichen Form ausleuchten. Genregrenzen umspielen sie dabei mit der gleichen Leichtfüßigkeit, wie das Wasser über alle Hindernisse seinen Weg findet. Und so haben auch die Chanteuse Marianne Faithfull und die britische Singer-Songwriterin Florence Welch mit ihrem elegischen Song „What the Water Gave me“ Platz an Bord: ein Lied, zu dem sie die Dichterin Virginia Woolfe inspirierte, die den Freitod in einem Fluss wählte.

Programm

Barbara Strozzi (1619-1677)
L’Eraclito amoroso


Joseph Nicolas Pancrace Royer (1703-1755)
Vertigo


Andreas Pflüger (*1941)
Niedrigwasser nach Paul Celan


Marianne Faithfull (*1946)
Deep Water

Leonardo Marino (*1992)
Gutta cavat lapidem


Henry Purcell (1659-1695)
The Cold Song


Philip Glass (*1937)
Mad Rush


Georg Friedrich Händel (1685-1759)
D’una torbida sorgente


Florence and The Machine
What the Water Gave Me

Besetzung

Laura Catrani | Stimme

Claudio Astronio | Cembalo und Orgelpositiv

Das Festival 4020 findet in Kooperation mit der LIVA und dem Brucknerhaus Linz statt.