Festival 4020 - Die Schwimmerin © Astrid Esslinger
Sa 7 Mai 19:30
Mittlerer Saal Brucknerhaus Linz
Fluss≈
Geschichten
vergangene Veranstaltung
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Fluss≈Geschichten

Über den Fluss …

Seit vielen Jahren schon sind das Ensemble 4020 und sein Leiter, der Pianist und Komponist Sven Birch, maßgeblich am Festival beteiligt – dieses Mal mit fünf klingenden Fluss-Geschichten, inspiriert von echten und mythologischen Flüssen. Der gebürtige Däne Sven Birch skizziert in seinem gleichnamigen Stück den Fluss Slidr aus der nordischen Mythologie und beschreibt damit eine „Stimmung der Angst und Gefahr“. Er fließt durch „Hél“, das Reich der Toten, und führt säurehaltiges Wasser, in dem sich gefährliche Tiere und scharfe Messer verstecken. Die Musik setzt die Szenerie bildhaft um: Ein Boot mit den Seelen der Toten schaukelt auf den giftigen Wellen, „starke Klangeruptionen bringen Momente des Trosts und der Schönheit“, „durch einen Klangnebel hallt John Dowlands ,Lachrymae‘ aus der Ferne“ … und die Reise nach Hél endet, so der Komponist Sven Birch, „eingefroren und ohne jegliches Lebenszeichen“.

Eines der bekanntesten Flusslieder stammt von Franz Schubert. Sven Birch hat es „neu komponiert, um dadurch sein musikalisches Material in eine neue klangliche Umgebung und einen emotionalen Kontext zu stellen“. Er hat die zentrale Frage des Liedes, „Mein Herz?“ freigelegt, als Essenz der Musik, die „zeigt, was sich sonst unter der vereisten Oberfläche der Menschen an existentiellen Fragen und Ängsten versteckt“. 

Der dänische Komponist Mogens Christensen empfindet Flüsse als „bezaubernd“ – mythologische noch mehr als reale. Er meint: „Sie sind das Ergebnis jahrhundertelanger, fortgesetzter und kollektiver Erzählungen – die antiken griechischen Flüsse lebten sowohl in Virgil als auch in Dante weiter. Diese Art von Geschichten und Musik sind aus der gleichen Substanz gemacht.“ Seine musikalische Erzählung „Unterirdische Flüsse“ handelt vom Styx, dem Hauptfluss der Unterwelt, dem Fluss des Hasses; von Lethe, dem Fluss des Vergessens; Acheron, dem Fluss der Trauer und des Elends; Cocytus, dem Fluss des Weinens und vom Fluss des Feuers, Phlegethon.

Der berühmte Fluss Styx gibt auch dem variabel besetzbaren, grafisch notierten Stück von Anestis Logothetis den Namen.

Den Titel „La Barque mystique“ („Das mystische Boot“) hat der französische Spektralist Tristan Murail einer Bilderserie des Symbolisten Odilon Redon entliehen. Mit fünf Instrumenten erzeugt er den Eindruck eines Miniatur-Orchesters, mit ständig wechselnden Gruppierungen und Funktionen. Mikrotonal gemischte Klangfarben machen die Verwandtschaft zwischen den Bildern und der Musik sinnlich erfahrbar – ein Spiel mit Schärfe und Unschärfe, Harmonie und Kontrast.

Programm

Anestis Logothetis
Styx, variable Besetzung


Sven Birch
„Auf dem Flusse” – nach einem Lied von Franz Schubert für sieben Instrumente, Auftragswerk Festival 4020 [UA]


Mogens Christensen
Unterirdische Flüsse für sechs Instrumente [UA]


Tristan Murail (*1947)
La Barque mystique für Klavier, Violincello, Viola, Klarinette und Flöte


Sven Birch
Slidr. A River in Hél für sechs Instrumente, Auftragswerk Festival 4020 [UA]

Besetzung

Ensemble 4020:

Ria Georgiadis, Flöte

Theresa Dinkhauser, Klarinette

Jan Satler, Klavier

Elisabeth Köstler, Violine

Yishu Jiang, Violoncello

José Antonio Cortez Cortés, Kontrabass

Sebastian Wielandt, Schlagzeug

Nico Gerstmayer, Schlagzeug

Matthäus Schmidlechner, Tenor

Sven Birch, Klavier und Leitung

Das Festival 4020 findet in Kooperation mit der LIVA und dem Brucknerhaus Linz statt.

Mogens Christensen
Sven Birch